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Lichtsteiner, Mbabu oder Lang – wer spielt gegen Dänemark auf der rechten Abwehrseite? Bild: KEYSTONE

Die drei Fragezeichen – oder wie zwei ungewohnte Baustellen Petkovic auf Trab halten

Stephan Lichtsteiner über dem Zenit, Kevin Mbabu und Ricardo Rodriguez ohne Spielpraxis: Dem Schweizer Nationalcoach Vladimir Petkovic stellen sich vor den EM-Qualifikationsspielen gegen Dänemark und Irland ungewohnte Fragen.

Publiziert: 11.10.19, 07:21 Aktualisiert: 11.10.19, 17:18

Wer spielt rechts hinten? Wer spielt links hinten? Es sind Fragen, die sich im Nationalteam in den letzten zehn Jahren kaum einmal gestellt haben. Auf der linken Seite unterband Ricardo Rodriguez seit 2011 jegliche Diskussionen, als rechter Verteidiger arbeitete sich Stephan Lichtsteiner ab 2007 zur internationalen Grösse hoch. Beide waren kaum einmal länger verletzt, beide lieferten konstant gute Leistungen auf gehobenem internationalem Niveau ab.

Mit 105 Auftritten für das Nationalteam ist Lichtsteiner nach Heinz Hermann (118) und Alain Geiger (112) die Nummer 3 in der Liste der Schweizer Internationalen. Dass sich der ehemalige Juventus- und Arsenal-Legionär nicht ewig auf dem höchsten Level würde halten können, war absehbar. An der WM in Russland, danach als Ergänzungsspieler bei Arsenal und nun als Stammspieler in Augsburg zeigte er zuletzt Schwächen.

Bei Augsburg konnte Lichtsteiner noch nicht wirklich überzeugen. Was macht Petkovic mit seinem Captain? Bild: EPA

Jedoch konnte man davon ausgehen, dass mit Kevin Mbabu ein valabler Nachfolger bereitstehen würde. Dazu sorgten Silvan Widmer und Michael Lang dafür, dass noch vor der WM 2018 von einem Luxusproblem auf dieser Position die Rede war.

Doch Mbabu, bei den Young Boys in den beiden Meisterjahren ein Schlüsselspieler, hat bei Wolfsburg Anpassungsschwierigkeiten, verlor in der Vorbereitung das Duell um den Platz auf der rechten Aussenbahn gegen den Brasilianer William. Er spielte fehlerhaft, als er seine Chance erhielt, und agierte auch im Nationalteam nicht so überzeugend wie bei YB.

Mbabu muss auch in der Nati unangenehme Fragen beantworten. Bild: KEYSTONE

Unter anderem machte er beim späten 1:1 gegen Irland keine gute Figur. In der Bundesliga kam der 24-jährige Genfer bislang erst während elf Minuten zum Zug, einzig in der Europa League durfte er gegen den ukrainischen Klub Oleksandrija von Beginn weg spielen. Weil es dem VfL bislang läuft, sieht der Trainer keinen Handlungsbedarf.

Rodriguez Leidtragender bei Milan

Ricardo Rodriguez verdrängte einst Ludovic Magnin beim FC Zürich und bald darauf Reto Ziegler in der Nationalmannschaft. Über Jahre war er so etwas wie die Inkarnation des Sprichworts «Liefern statt lafern». 67 Mal hat er bislang die linke Platzseite in der Nationalmannschaft beackert. Selten musste man ihm etwas anlasten, oft setzte er im Spiel nach vorne Akzente. Je acht Tore und Vorlagen sowie seine Qualitäten bei Standardsituationen untermauerten seinen Wert im Spiel für die Offensive.

Bis vor kurzem kannte die Karriere von Rodriguez keine Tiefen. Mit 19 Jahren schob sich der Linksfuss beim FCZ, seinem Stammklub, zügig ins internationale Schaufenster. Via Wolfsburg führte sein Weg zur AC Milan. Bei beiden Klubs aus den europäischen Topligen benötigte er keine Anlaufzeit. Jetzt, mit 27 Jahren, lernt Rodriguez erstmals das Reservisten-Dasein kennen. Sein Pech ist, dass der siebenfache Champions-League- respektive Meistercup-Sieger Milan eine turbulente Phase durchmacht. Das grosse Geld fliesst nicht mehr. Es gab Besitzerwechsel, die Mannschaft verlor an Qualität.

Rodriguez hat seinen Stammplatz bei Milan in dieser Saison verloren. Bild: EPA

Als Schwachstelle machte der vor wenigen Tagen nach kurzer Amtszeit entlassene Trainer Marco Giampaolo auch die linke Abwehrseite aus. Nun ist der für 20 Millionen Euro verpflichtete Theo Hernandez, der jüngere Bruder des Bayern-Verteidigers Lucas Hernandez, einer jener Spieler, die keine Schuld am schlechten Saisonstart trifft. Rodriguez muss sich hinten anstellen, in den letzten drei Partien kam er nicht mehr zum Zug. Er könnte sich auch unter dem neuen Trainer Stefano Pioli auf der Ersatzbank finden.

Ziemlich unverhofft öffnet sich im Nationalteam also auch auf der linken Abwehrseite eine Baustelle. Loris Benito, der fünf Jahre nach dem gescheiterten ersten Ausland-Anlauf bei Benfica Lissabon in Bordeaux einen zweiten Versuch wagt, wäre die Alternative für Rodriguez.

Benito hat bei Bordeaux bislang eine gute Falle gemacht. Bild: KEYSTONE

Auf der rechten Seite muss sich Vladimir Petkovic zwischen Lichtsteiner, Mbabu und dem nach einer enttäuschenden Saison bei Mönchengladbach zu Werder Bremen gewechselten Lang entscheiden. Widmer, der seine Form beim FC Basel wieder gefunden hat, hat er nicht aufgeboten. (pre/sda)

Die Rekordspieler der Schweizer Nati

Rang 25: Roger Wehrli, 69 Länderspiele (1978–1989). Stand: 1.07.2021 IMAGO / Pressefoto Baumann / IMAGO / Pressefoto Baumann
Rang 24: Blerim Dzemaili, 69 Länderspiele (2006–2018). EPA/KEYSTONE / WALTER BIERI
Rang 23: Fredy Bickel, 71 Länderspiele (1936–1954). PHOTOPRESS-ARCHIV / STR
Rang 22: Stéphane Henchoz, 72 Länderspiele (1993–2005). IMAGO / Contrast / IMAGO / Contrast
Rang 20: Raphael Wicky, 75 Länderspiele (1996–2007). KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Rang 20: Tranquillo Barnetta, 75 Länderspiele (2004–2014). freshfocus / Andy Mueller/freshfocus
Rang 18: Admir Mehmedi, 76 Länderspiele (seit 2011). EPA / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Rang 18: Johan Djourou, 76 Länderspiele (2006–2018). PPR / NICK SOLAND
Rang 17: Haris Seferovic, 78 Länderspiele (seit 2013). keystone / GIAN EHRENZELLER
Rang 16: Ciriaco Sforza, 79 Länderspiele (1991–2001). KEYSTONE / STR
Rang 14: Severino Minelli, 80 Länderspiele (1930–1943). Presse Sports / Presse Sports/freshfocus
Rang 14: Andy Egli, 80 Länderspiele (1979–1994). KEYSTONE / KARL MATHIS
Rang 13: Patrick Müller, 81 Länderspiele (1998–2008). KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Rang 12: Valon Behrami, 83 Länderspiele (2005 – 2018). AP/AP / Manu Fernandez
Rang 11: Alex Frei, 84 Länderspiele (2001–2011). KEYSTONE / MICHELE LIMINA
Rang 10: Ricardo Rodriguez, 85 Länderspiele (seit 2011). KEYSTONE / ANTHONY ANEX
Rang 9: Hakan Yakin, 87 Länderspiele (2000–2011). KEYSTONE / WALTER BIERI
Rang 8: Gökhan Inler, 89 Länderspiele (2006–2016). Insidefoto / Insidefoto/freshfocus
Rang 7: Johann Vogel, 94 Länderspiele (1995–2007). KEYSTONE / EDDY RISCH
Rang 6: Xherdan Shaqiri, 95 Länderspiele (seit 2010). EPA/KEYSTONE / WALTER BIERI
Rang 5: Granit Xhaka, 98 Länderspiele (seit 2011). KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Rang 4: Stéphane Chapuisat, 103 Länderspiele (1989–2004). KEYSTONE / TEAM
Rang 3: Stephan Lichtsteiner, 108 Länderspiele (2006–2020). Daniela Frutiger / Daniela Frutiger/freshfocus
Rang 2: Alain Geiger, 112 Länderspiele (1980–1996). KEYSTONE / STR
Rang 1: Heinz Hermann, 118 Länderspiele (1978–1991). KEYSTONE / STR

Das sind die Nati-Einsätze unserer Stars

Video: watson / Lea Senn

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