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Es wird auch keine weiteren Geisterspiele geben, die Eishockey-Meisterschaft wird morgen beendet. Bild: KEYSTONE

Das Spiel ist aus, die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos

Am Donnerstag-Nachmittag wird das vorzeitige Ende der Eishockey-Meisterschaft verkündet. Ein 200 Millionen-Business wird angehalten. Können die Klubs die Lage meistern? Ja, sie können es.

Publiziert: 11.03.20, 21:16 Aktualisiert: 11.03.20, 21:16

«Bitte zitieren Sie mich nicht». Diesen Satz hört der Chronist am späten Mittwochnachmittag immer wieder. Und anschliessend wird ihm bereitwillig Auskunft erteilt. Die Meinungen sind gemacht, von Zürich bis Bern und hinauf in die Büros der Liga-Führung: nach einer Telefonkonferenz der Klubvertreter, die auf Donnerstag-Vormittag 09.00 Uhr angesetzt ist, wird am Nachmittag offiziell das Ende der Meisterschaft für die beiden höchsten Ligen verkündet.

Erstmals seit 1940 (Kriegsmobilmachung) wird es keinen Meister geben – es sei denn, die Klubvertreter beschliessen, den Qualifikationssieger (ZSC Lions) als Meister auszurufen. Ob die ZSC Lions meisterlich sein dürfen oder nicht – um über diese Frage zu debattieren und zu polemisieren, bleibt noch genügend Zeit. Bereits haben sich die Meinungsmacher der Liga gegen einen Aufstieg am grünen Tisch für Kloten ausgesprochen. Damit dürfte dieses Thema bereits wieder vom Tisch sein.

Der ZSC als Quali-Meister? Vielleicht. Bild: KEYSTONE

Die Anordnung der kantonalen Behörden im Tessin, alle sportlichen Aktivitäten mit mehr als einer Person bis zum 29. März zu verbieten, hat das vorzeitige Ende herbeigeführt: Ambri und Lugano können bis dahin nicht mehr trainieren und spielen. Beide sind noch in der Meisterschaft engagiert. Lugano im Playoff-Viertelfinale gegen die ZSC Lions. Ambri spielt in der Klassierungsrunde gegen den SC Bern, die SCL Tigers und die Rapperswil-Jona Lakers um den Ligaerhalt.

Theoretisch blieben nach dem 29. März noch fast drei Wochen. Falls dann die Behörden auf den Stufen Bund, Kanton und Gemeinde sämtliche Einschränkungen aufheben. Aber diese Zeit reicht nicht mehr, um Viertelfinals, Halbfinals und den Final plus die restlichen Partien rund um den Auf- und Abstieg nach dem aktuellen Modus auszutragen. Zudem könnte ein allfälliger Absteiger im Falle einer Verkürzung der Meisterschaft (und damit einer Modusänderung) mit grossem Erfolg auf dem juristischen Weg seine Relegation verhindern.

Warum sich weder Ligadirektor Denis Vaucher noch die Klubmanager zum vorzeitigen Ende zitieren lassen, hat einen Grund: die Eishockey-Meisterschaft ist nicht einfach eine Leibesübung für junge Männer. Sie ist ein hoch komplexes Geschäft.

Liga-Direktor Denis Vaucher. Bild: KEYSTONE

Die National League setzt im Jahr etwas mehr als 200 Millionen Franken um. Finanziert wird das Spektakel zu weniger als einem Drittel durch die Zuschauerinnen und Zuschauer. Den grösseren Teil der Einnahmen kommen von Werbepartnern und von TV-Anstalten. In mehrseitigen Verträgen sind Pflichten und Rechte festgehalten.

Die Klubs sind vertraglich dazu verpflichtet, 50 Qualifikationspartien plus die Playoffs und die Spiele um den Liga-Erhalt nach einem vor der Saison festgelegten Modus durchzuführen. Dafür zahlt allein der Kabelnetzbetreiber UPC als Besitzer des Sportsenders «MySports» pro Jahr etwas mehr als 30 Millionen Franken. Die Klubs sind nur dann aus dem Schneider und der Haftung entlassen, wenn sie durch höhere Gewalt (wie behördliche Anordnungen) daran gehindert werden zu spielen.

«MySports» hat wohl das Nachsehen. Bild: KEYSTONE

Der Abbruch der Meisterschaft kann also nur erfolgen, wenn die behördlichen Anordnungen juristisch wasserdicht, also schriftlich vorliegen. Bis dahin darf kein Klub- oder Ligavertreter sagen, die Meisterschaft sei beendet. Wenn so viel Geld im Spiel ist, wird im besten Wortsinn jedes Wort auf die Gold- bzw. Geldwaage gelegt.

Können die Klubs das vorzeitige Ende des Championats finanziell verkraften? Ja. Aber eine Dramatisierung der Lage ist zu erwarten. Vielleicht gelingt es ja da und dort, Rabatte einzuhandeln. Etwa indem die Spieler freiwillig auf Prämien verzichten (was die Bieler schon getan haben). Oder den Klubs werden Forderungen (wie etwa Eismieten) erlassen. Je dramatischer die Lage, desto höher die Bereitschaft, den Klubs entgegenzukommen. Die ausstehenden Spielerlöhne für den März und den April können übrigens nicht über die Arbeitslosenkasse abgerechnet werden: die Spieler haben Zeitverträge. Da ist auch Kurzarbeit nicht möglich.

Die Verluste sie sind zu verkraften. Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. UPC wird mit ziemlicher Sicherheit kein juristisches Schlupfloch finden, um die TV-Gelder (pro Klub in der höchsten Liga etwas mehr als 1,5 Millionen pro Saison) zu kürzen oder gar aus dem noch zwei Jahre laufenden Vertrag auszusteigen. Kein Schelm wer sagt, UPC wäre noch so froh, sich aus dem Hockey-Geschäft zu verabschieden. Salopp gesagt: «MySports» ist ein Geldverbrennungsofen und Sender-Chefin Steffi Buchli obliegt es als Chefin, das Feuer im Gang zu halten. Das mag boshaft klingen. Aber Branchenkenner gehen davon aus, dass UPC mit «MySports» über 20 Millionen verlieren dürfte. Pro Jahr.

Steffi Buchli an den Ice Hockey Awards mit Tristan Scherwey. Bild: KEYSTONE

Nun geht es um die Zukunft: Spätestens im Mai sollte das Vertrauen in einen geordneten Meisterschaftsbetrieb für die kommende Saison beim Publikum wieder soweit gefestigt sein, dass mit dem Verkauf der Dauerkarten begonnen werden kann. Die Klubs brauchen den Zufluss von Geldern wie die Kamele Wasser nach einem Marsch von Timbuktu nach Dakar.

Aber halt! Da ist doch ab dem 8. Mai noch die Eishockey-WM in Zürich und Lausanne! IIHF-Präsident René Fasel sagt, spätestens am 15. April werde entschieden, ob die WM durchgeführt werden kann. Und verspricht: wird die WM abgesagt, werden alle, die schon Tickets gekauft haben, ihr Geld zurückerhalten. Immerhin etwas. Dass wenigstens die WM stattfinden wird, glauben die, die nicht zitiert werden möchten, allerdings nicht mehr.

René Fasel im Gespräch mit IOC-Präsident Thomas Bach. Bild: EPA

Grippe und Covid-19 im Vergleich

Bei der Diskussion um den Coronavirus wird oft die Grippe zum Vergleich herangezogen. Die WHO nennt Gemeinsamkeiten und Unterschiede: EPA / ALEX PLAVEVSKI
Ähnlich ist demnach die Ausprägung der Infektionskrankheiten: Beide sind von einem Virus verursachte Atemwegserkrankungen, deren Verlauf sehr unterschiedlich sein kann - von symptomlos oder mild bis hin zu sehr schwer, mitunter gar tödlich. EPA / IGOR KUPLJENIK
Beide Erreger werden vorwiegend über Tröpfchen etwa beim Sprechen oder Husten oder auch direkten Kontakt übertragen. Darum greifen bei beiden auch die gleichen Vorsichtsmassnahmen: gute Handhygiene, in den Ellbogen oder ein Taschentuch husten, Kontakt zu Infizierten vermeiden. KEYSTONE/TI-PRESS / Alessandro Crinari
Unterschiede gibt es laut WHO bei der Ausbreitungsgeschwindigkeit: Influenza habe eine kürzere Inkubationszeit zwischen Ansteckung und der Ausbildung erster Symptome, zudem erfolgten die Ansteckungen in den Infektionsketten rascher aufeinander. Bei Covid-19 liege dieses Intervall bei etwa 5 bis 6 Tagen, bei Influenza bei 3 Tagen. Das bedeute, dass sich Influenza rascher verbreiten kann als Covid-19. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Hinzu komme, dass bei Influenza oft schon vor der Ausprägung von Symptomen weitere Menschen angesteckt würden. Bei Covid-19 seien zwar Übertragungen 24 bis 48 Stunden vor dem Auftreten von Symptomen bekannt, sie seien aber nach derzeitigem Kenntnisstand anders als bei der Grippe selten und spielten für die Weiterverbreitung kaum eine Rolle. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Ein weiteres wichtiges Kennzeichen ist die Ansteckungsrate. Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 wird nach WHO-Daten von einem Infizierten im Mittel an zwei bis zweieinhalb weitere Menschen weitergegeben - und damit an mehr als bei Influenza. Wegen der unsicheren Datenlage und verschiedenen den Wert beeinflussenden Effekten sei ein Vergleich bei diesem Aspekt aber nur eingeschränkt möglich, heisst es von der WHO. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Erhebliche Unterschiede gibt es im Bezug auf Kinder: «Kinder sind bedeutsame Treiber für die Übertragung von Influenzaviren in der Gemeinschaft», so die WHO. Für den Covid-19-Erreger zeigten erste Auswertungen, dass Kinder weniger betroffen sind als Erwachsene und nur selten deutliche Symptome entwickeln. Vorläufige Daten lassen demnach zudem annehmen, dass Kinder sich vor allem bei Erwachsenen anstecken - Erwachsene aber umgekehrt kaum bei Kindern. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Schwere bis lebensbedrohliche Verläufe gibt es nach bisherigen Auswertungen bei Covid-19 häufiger als bei der Grippe. Der WHO zufolge ist der Verlauf bei 15 Prozent der Infizierten so schwer, dass eine zusätzliche Versorgung mit Sauerstoff nötig wird. EPA / JALIL REZAYEE
Bei 5 Prozent der Infizierten ist demnach künstliche Beatmung nötig. Auch die Todesrate liegt wohl höher als bei der normalen saisonalen Grippewelle - exakte Angaben lassen sich dazu aber derzeit kaum machen. AP / Sakchai Lalit
Als besonders von schweren Verläufen betroffene Risikogruppen gelten bei Influenza Kinder, Schwangere, Ältere sowie Menschen mit chronischen Krankheiten oder geschwächtem Immunsystem. Bei Covid-19 gehören Kinder und Schwangere nach derzeitigem Wissensstand nicht zu den Risikogruppen. EPA / NICOLA FOSSELLA
Zu beachten ist auch der Unterschied bei den Möglichkeiten für Behandlung und Vorsorge. «Zwar gibt es bereits eine Reihe klinischer Tests von Medikamenten in China, und es sind mehr als 20 Impfstoffe gegen Covid-19 in der Entwicklung, bisher aber gibt es keine zugelassenen Impfstoffe oder Therapien für Covid-19», so die WHO. Bei Influenza hingegen gebe es sowohl schützende Impfungen als auch zugelassene antivirale Medikamente. EPA / ALEX PLAVEVSKI

Die Forschung sucht fieberhaft nach Medikamenten gegen das Coronavirus

Video: SRF / SDA SRF

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