Tyson (links) und Holyfield bei einer Ehrung in Las Vegas vor drei Monaten.
Bild: EPA
Video zeigt: Box-Champ Tyson scheint es mit einem Comeback gegen Holyfield ernst zu sein
Es wäre unzweifelhaft ein mit grösster Spannung erwarteter Fight. Der frühere Schwergewichts-Weltmeister Mike Tyson will wieder boxen. Vielleicht steigt er gar gegen seinen früheren Rivalen Evander Holyfield in den Ring.
Gibt es eine Neuauflage des Kampfes zwischen Mike Tyson und Evander Holyfield? Die Zeichen verdichten sich. «Iron Mike» hat ein Video veröffentlicht, das ihn beim Training zeigt. Der 53-Jährige zeigt darin seine nach wie vor grosse Schlagkraft. Tyson blickt am Ende des Clips in die Kamera und verkündet: «I'm back!»
Das wäre an sich nicht ungewöhnlich. Doch was die Aussage besonders macht: Es sind genau dieselben Worte, wie sie Evander Holyfield vergangene Woche verwendet hatte. Auch der 57-Jährige, dem einst von Tyson ein Stück des rechten Ohrs abgebissen worden war, kündigte ein Comeback an.
Beide Faustkämpfer wollen mit Showkämpfen Geld für einen guten Zweck sammeln. Gut möglich, dass es zu einer Neuauflage ihres Duells kommt. Holyfield sagte dazu: «Das hängt davon ab, wie viel Geld sie mir versprechen.» Er würde nicht in den USA boxen, ergänzte er, da im Ausland mehr zu verdienen sei. Wie viel Show würde im Kampf stecken? Wer wäre ohne Show zu favorisieren? Fällt man sein Urteil aufgrund der beiden kurzen Instagram-Videos, ist es wohl Tyson.
Zwei legendäre Fights vor einem Vierteljahrhundert
Tyson, im «Beastmode» schwitzend, versah sein Video mit dem Hashtag #stillthebaddestmanontheplanet – er sei immer noch «der böseste Mann des Planeten». Ein Attribut, das er sich in den 80er-Jahren erkämpft hatte. 1986 wurde der New Yorker mit erst 20 Jahren der jüngste Schwergewichtsweltmeister der Geschichte. Er boxte sich in den Olymp – und sackte tief ab. Wegen Vergewaltigung musste er 1992 für drei Jahre ins Gefängnis, in dem er zum Islam konvertierte. Ein Schritt, den Jahrzehnte vor ihm schon Muhammad Ali, der gebürtige Cassius Clay, ergriffen hatte.
Seiner Popularität tat der Gefängnisaufenthalt keinen Abbruch. Die Leute wollten Tyson wieder boxen sehen. Nach vierjährigem Unterbruch schlug er beim Comeback Peter McNeeley in 89 Sekunden k. o. und im Frühling 1996 wurde Tyson ein Jahr nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis nach einem Sieg gegen Frank Bruno wieder Weltmeister.
Im November 1996 und im Juni 1997 kam es zu zwei legendären Kämpfen gegen Evander «The Real Deal» Holyfield. Im ersten Kampf dominierte Holyfield seinen Gegner überraschend, der Ringrichter brach den Fight in der elften Runde ab. In die Geschichtsbücher ging der Rückkampf ein. Erneut war Tyson der schwächere Boxer – der in der dritten Runde ein Stück von Holyfields Ohr abbiss. Natürlich bedeutete dies die Disqualifikation.
Der legendäre Kampf 1997
Am 28. Juni 1997 duellierten sich Mike Tyson und Evander Holyfield im MGM Grand in Las Vegas. Es sollte einer der legendärsten Kämpfe der Boxgeschichte werden. AP / JACK DEMPSEY
Der Kampf begann wild: Holyfield boxt taktisch besser, muss aber ständig Angst vor einem Volltreffer von Tyson haben. AP / MARK J. TERRILL
Hier ist die offene Augenbraue bei Mike Tyson gut zu sehen, sie stammt von einem Kopfstoss Holyfields in der zweiten Runde. Dies provoziert Tyson offenbar so stark, dass er zubeisst. AP / LENNY IGNELZI
Mike Tyson beisst ins Ohr von Evander Holyfield. Dieser verzieht das Gesicht vor Schmerz. AP / JACK SMITH
Guten Appetit! Ein Bild, das um die Welt geht. AP Harpo Productions, Inc. / George Burns
Ein Betreuer schaut sich das Ohr von Holyfield an. AP / MARK J. TERRILL
Dann bricht er den Kampf ab. In der vierten Runde wird Mike Tyson disqualifiziert. AP Harpo Productions, Inc. / George Burns
Dieser ist natürlich ganz anderer Meinung und tickt völlig aus. AP Harpo Productions, Inc. / George Burns
Tyson kann seine Niederlage nicht verstehen. AP Harpo Productions, Inc. / George Burns
2009 die grosse Versöhnung der beiden. Der eine mit einem etwas kleineren Ohr, der andere mit seinem unverkennlichen Gesichtstattoo und in der Mitte die eigentlich gar nicht benötigten Puffer. AP Harpo Productions, Inc. / George Burns
Tysons tiefer Fall
Nun war es vorbei mit der ganz grossen Popularität Tysons. In den Augen von immer mehr Menschen war er nichts als ein durchgeknallter Schläger. Wegen des Bisses wurde ihm die Box-Lizenz entzogen, Veranstalter kündigten Verträge, bei einem Töffunfall verletzte er sich schwer, nach einem Autounfall vermöbelte er zwei andere Männer, weshalb er erneut ins Gefängnis musste.
Es folgten Comebackversuche, massive Geldprobleme, weitere Konflikte mit dem Gesetz, der Unfalltod seiner vierjährigen Tochter, übermässiger Alkoholkonsum, ein grosses Gesichtstattoo («Ich hasste meine Visage und wollte mir irgendwie ein neues Gesicht verschaffen») und gefeierte Gastauftritte in den «Hangover»-Filmen.
Da war die Welt noch in Ordnung: Manager Don King, der Mann mit der Stromfrisur, feiert seinen Schützling Tyson.
Bild: AP
Auch Evander Holyfield gab mehr als einmal seinen Rücktritt bekannt und kehrte dann doch in den Ring zurück. Als er 1996 gegen Tyson den WM-Gürtel errang, befand er sich bereits in seiner «dritten» Karriere – und durch den Triumph gelang ihm, was zuvor nur Ali gelungen war. Holyfield wurde der zweite Boxer, der drei Mal einen Schwergewichtstitel erringen konnte. 2008 war er gegen Nikolai Walujew nahe an einem weiteren WM-Triumph, als er im Zürcher Hallenstadion von den Punkterichtern verschaukelt wurde. 2010 wurde Holyfield mit 47 Jahren noch einmal Weltmeister, als er mit Francois Botha einen anderen «Saurier» bezwang. Er verteidigte den Titel 2011 und trat anschliessend endgültig zurück.
Auch Holyfield ging das Geld aus
Wie Tyson sorgte auch Holyfield neben dem Ring für Schlagzeilen. Der gläubige Christ ist Vater von elf Kindern, die er mit sechs verschiedenen Frauen hat, er verkaufte unter seinem Namen im Teleshopping einen Grill, trat in diversen TV-Serien und -Shows auf, vom «Prinz von Bel Air» über «Big Brother» bis zu «Dancing with the Stars» und dessen argentinischem Pendant «Bailando».
Amerikanische Ikonen: Holyfield (links) und Tyson 2009 zu Besuch bei Talkmasterin Oprah Winfrey.
Bild: AP Harpo Productions, Inc.
Die Auftritte hat er nötig, denn ihn plagten schwere Geldsorgen. Obwohl er im Verlauf seiner Laufbahn mehr als eine halbe Milliarde Dollar verdient hatte, war er 2012 pleite. Vor diesem Hintergrund erstaunen auch die jüngsten Comeback-Pläne nicht. Kommt es tatsächlich zu einem dritten Kampf zwischen Mike Tyson und Evander Holyfield, kann zwar nur einer gewinnen. Aber durch millionenschwere Kampfbörsen wären beide schon vor dem ersten Gong Sieger.
Das Leben und die Karriere von Muhammad Ali in Bildern
Ein Bild mit Kultstatus: Der 23-jährige Cassius Clay am 25. Mai 1965 in Siegerpose, nachdem er Sonny Liston, seinen Vorgänger als Weltmeister, in der ersten Runde k.o. geschlagen hat. AP NY / JOHN ROONEY
Blendendes Aussehen, charismatische Ausstrahlung, eine stupende Technik, ein tänzerischer Stil und eine grosse Klappe machten ihn zum herausragenden Boxer der Geschichte. EPA DPA / JEFF JOFFE
1954: Bereits im zwölfjährigen Cassius Clay ist der künftige Champion zu erkennen. Mit Boxen begann er aus Wut darüber, dass sein Velo geklaut worden war. AP
1960: Mit 18 Jahren wird Clay in Rom Olympiasieger im Halbschwergewicht. Im Halbfinal besiegte er den Australier Tony Madigan (links). AP
1960: Nach dem Olympiasieg wird Cassius Clay in seiner Heimatstadt Louisville gefeiert. Die Goldmedaille soll er später in einen Fluss geworfen haben, weil man ihn wegen seiner Hautfarbe aus einer Bar geschmissen hatte. AP THE COURIER JOURNAL
1962: Clay wechselt zu den Profis und zum Schwergewicht. Sein legendärer Coach Angelo Dundee (rechts) prägt seinen unnachahmlichen Stil massgeblich mit. AP / Dan Grossi
1962: Sein scharfzüngiges Mundwerk ist bereits ausgeprägt. Häufig äussert er sich in Reimen. Hier kündigt er an, Altmeister Archie Moore in der 4. Runde zu besiegen - was ihm tatsächlich gelang. AP / HAROLD P. MATOSIAN
1963: Der Wohlstand hält Einzug. Cassius Clay mit Mutter Odessa vor seinem Elternhaus in Louisville. AP / H. B. LITTELL
1964: Cassius Clay bereitet sich auf seinen ersten WM-Titelkampf gegen Sonny Liston vor und erhält im Training Besuch von den Beatles. AP
1964: Clay tritt am 25. Februar gegen den ungeliebten Weltmeister Sonny Liston (links) an. Dieser gibt nach sieben Runden wegen einer angeblichen Verletzung auf. DPA / STR
1964: Nach seinem Sieg gegen Liston brüllt Clay ins Mikrophon: «Ich bin der Grösste!» AP
1964: Cassius Clay mit dem radikalen Bürgerrechtler Malcolm X., einem der führenden Köpfe der Nation of Islam. Der Boxer konvertiert zum Islam und nennt sich von nun an Muhammad Ali. AP/AP
1966: Muhammad Ali lauscht an einer Tagung der Nation of Islam in Chicago einer Rede von Elijiah Muhammad, dem Anführer der Organisation. AP/AP / Paul Cannon
1967: Ali verweigert den Militärdienst und wird auf dem Höhepunkt seiner Karriere kaltgestellt. Er wird verurteilt, Weltmeistertitel und Boxlizenz werden ihm aberkannt. AP
1967: Martin Luther King (rechts), der Anführer der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, unterstützt Ali in seinem Kampf gegen Behörden und Boxverbände. AP/AP
1968: Das Magazin «Esquire» zeigt den gesperrten Champion auf der Titelseite in der Märtyrerpose des Heiligen Sebastian. AP MAGAZINE PUBLISHERS ASSN AND AMERICAN SOCIETY OF MAGAZINE EDITOR
1971: Rückkehr in den Ring. Im «Kampf des Jahrhunderts» geht Ali gegen Weltmeister Joe Frazier in der 15. Runde zu Boden und verliert nach Punkten. Doch er gewinnt die Herzen der Fans zurück. AP / ANONYMOUS
1971: Muhammad Ali landet auf dem Flughafen Zürich-Kloten, um seinen einzigen Kampf in der Schweiz zu bestreiten. KEYSTONE / STR
1971: Am 26. Dezember trifft er im Zürcher Hallenstadion auf den Deutschen Jürgen Blin. Dieser erfüllt seine Pflicht und verliert durch K.O. in der siebten Runde. KEYSTONE / STR
1974: Sein grösster Kampf: Im «Rumble in the Jungle» in Zaire holt Ali am 30. Oktober gegen George Foreman den WM-Titel zurück. Er zermürbt seinen körperlich überlegenen Gegner mit seiner Taktik und schickt ihn in der achten Runde auf die Bretter. AP / ANONYMOUS
1975: Der «Thrilla in Manila» gegen Joe Frazier am 1. Oktober ist für viele Fans und Experten der beste Boxkampf der Geschichte. Bei fast 40 Grad gibt Frazier nach der 14. Runde auf. Beide Boxer sind am Ende halb tot. AP / MITSUNORI CHIGITA
1977: Treffen der Sportlegenden. Muhammad Ali mit Pelé, als dieser bei Cosmos New York unter Vertrag ist. AP NY
1978: Ali verliert den Titel am 16. Februar in Las Vegas überraschend gegen Leon Spinks. Bereits im Rückkampf am 15. September holt er ihn zurück zurück. Als bislang einziger Schwergewichtler wird er zum dritten Mal Weltmeister. AP
1981: Am 11. Dezember bestreitet Muhammad Ali auf den Bahamas seinen letzten Profikampf. Gegen den Kanadier Trevor Berbick verliert er nach Punkten. AP
1984: Bei Ali wird das Parkinson-Syndrom diagnostiziert. In Phoenix gründet er ein Zentrum zur Erforschung der Krankheit. Dort enthüllt er 1997 eine Skulptur. AP / SCOTT TROYANOS
1996: Das grosse Comeback: Der kranke Muhammad Ali darf bei den Sommerspielen in Atlanda das Olympische Feuer entzünden. AP / MICHAEL PROBST
Die Mächtigen und Berühmten dieser Welt reissen sich um ein Treffen mit dem charismatischen Sportler. 1978 trifft er im Moskauer Kreml den damaligen Sowjetführer Leonid Breschnew. AP/AP
1982 besucht Ali den Vatikan und erhält eine Audienz bei Papst Johannes Paul II. AP
Nelson Mandela und Muhammad Ali am Weltjugendgipfel 2003 in Dublin. AP, PA / RAY MCMANUS
Ali mit dem Dalai Lama bei der Eröffnung eines tibetischen Tempels im US-Bundesstaat Indiana im September 2003. AP / DARRON CUMMINGS
2005: Stolz posiert Ali mit seiner Tochter Laila im MCI Center in Washington. Sie ist mit Erfolg in seine Fussstapfen getreten. 2008 trat sie zurück, ohne einen ihrer 24 Kämpfe verloren zu haben. AP / PABLO MARTINEZ MONSIVAIS
2005: George W. Bush verleiht Ali im Weissen Haus die Freiheitsmedaille, die höchste Auszeichnung, die ein US-Präsident vergeben kann. AP / EVAN VUCCI
2006: Ali mit Ehefrau Lonnie am WEF in Davos. Er ist zum vierten Mal verheiratet und hat neun eheliche und uneheliche Kinder. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
2015: Muhammad Alis letzter öffentlicher Auftritt am 17. September in seiner Heimatstadt Louisville. Der 73-jährige Champ ist von der Krankheit schwer gezeichnet, er kann kaum noch sprechen. AP/FR43398 AP / Timothy D. Easley
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