Aktuelle Themen:

Ausländer Ben Maxwell im Duell mit Lizenz-Schweizer Dominic Zwerger. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

«Bosman on Ice» – fliegt die Hockey-Ausländerregelung bald in die Luft?

Die neue Ausländerregelung enthält einen fatalen Fehler, der gefährliche schlafende Hunde aufgeweckt hat. Bricht jetzt die ganze Ausländer-Hockeyordnung wie ein Kartenhaus zusammen?

Publiziert: 30.01.21, 13:55 Aktualisiert: 31.01.21, 12:31

Zuerst stark vereinfacht das Grundsatzproblem: Die Gesetze erlauben es nicht, die Anzahl Ausländer aus europäischen Ländern zu begrenzen (Personenfreizügigkeit). Im Eishockey wird es – anders als in den anderen Mannschaftsportarten – doch gemacht. Das Prinzip ist ein sog. Gentlemans-Agreement. Ein Gentlemans-Agreement ist eine rechtlich nicht verbindliche Absprache, basierend auf Treue und Glauben und gegenseitigem Vertrauen.

Auf diesem dünnen juristischen Eis wird die Anzahl Ausländer in unserem Hockey begrenzt: es ist eine Art Selbstbeschränkung, an die sich alle halten. Würde ein Klub vor Gericht gehen, müsste die Beschränkung aufgehoben werden.

Was die Klubgeneräle noch nie bedacht haben: auch ein Spieler kann klagen. Wie Jean-Marc Bosman, der gegen die Beschränkungen bei Vereinswechseln klagte und das Transfersystem im Fussball zerstörte.

Die Gefahr, dass ein Spieler in unserem Eishockey klagt, war ja minim. Nordamerikaner können nicht vor Gericht ziehen. Für sie gilt die EU-Personenfreizügigkeit nicht. Und keinem Schweden, Slowaken, Letten, Finnen oder Tschechen kam es bisher in den Sinn, von Prag, Stockholm, Riga, Bratislava oder Helsinki aus sein Recht auf einen Arbeitsplatz in unserem Hockey einzuklagen.

Aber seit gestern ist alles anders: die «Reformnarren» um Marc Lüthi und Patrick Lengwiler haben eine neue Kategorie von Ausländern geschaffen: die Lizenz-Schweizer – also ausländische Spieler mit einer Schweizer Lizenz – verlieren diesen Status nach dem 22. Geburtstag. Sie dürfen dann ihre Schweizer Lizenz nur noch behalten, wenn sie den Nachweis erbringen können, dass sie ein Gesuch um Einbürgerung gestellt haben.

Diese sorgsam geheim gehaltene Klausel, dass ein Lizenz-Schweizer den Status behalten kann, wenn er ein Einbürgerungsgesuch stellt, begründet Liga-Geschäftsführer Denis Vaucher recht einleuchtend: Die Einbürgerung sorge für Spieler, die auch in der Nationalmannschaft eingesetzt werden können. Denis Vaucher, der Hockey-Schweizermacher.

Liga-Geschäftsführer Denis Vaucher. Bild: KEYSTONE

Die neue Regelung der Lizenz-Schweizer bedeutet: Sie werden, sofern sie nicht eine Einbürgerung über die Bühne bringen, im Hockey nach ihrem 22. Geburtstag von einem Tag auf den anderen zu Ausländern. Nur ganz wenige (wie Langnaus Ivars Punnenovs oder Ambris Dominic Zwerger) sind gut genug, um auch aus Ausländer noch einen Job zu bekommen. Die anderen verlieren ihre Arbeit und ihre Karriere.

Die meisten Lizenz-Schweizer kommen im Juniorenalter in die Schweiz. Ihre Familien nehmen mit dem Umzug ihres Sohnes in unser Land oft grosse finanzielle Anstrengungen und sonstige Mühsal in Kauf. Aber es lohnt sich: Der Bub kann eine Profikarriere in der Schweiz machen. Die meisten werden keine Stars (weil sie eben nicht gut genug sind) – aber es reicht für eine ordentliche Karriere im dritten oder vierten Block. Diese Chance ist nun durch die neue Regelung stark vermindert oder sogar ganz verbaut.

Lizenz-Schweizer wie Ambri Dominic Zwerger wären auch als «Ausländer» gut genug für einen Job in der Schweiz. Bild: keystone

Was, wenn einer dieser Lizenz-Schweizer aus einem EU-Land (Österreich, Italien, Frankreich oder Lettland) den freien Zugang zu unserem Hockey-Arbeitsmarkt auf der Basis der EU-Personenfreizügigkeit vor Gericht einklagt? Dann bricht das ganze Kartenhaus unserer Eishockey-Ausländerregelung zusammen wie ein Kartenhaus. Wir haben dann sozusagen «Bosman on Ice». Es wäre das Ende eines hockeyweltweit bestaunten Erfolgsmodells.

Aus dem richtigen Leben und der Geschichte wissen wir: es waren noch nie die Gutverdienenden und Privilegierten, die Revolutionen angefacht und ein System zum Einsturz gebracht haben. Es waren schon immer die «Desperados», die nichts mehr zu verlieren haben. Jean-Marc Bosman war auch so ein Desperado.

Nun haben die «Reformnarren» durch die Aufhebung der Lizenzschweizer ohne jede Not eine ganze Gruppe von «Desperados» geschaffen.

Anfrage an Denis Vaucher, Ligageschäftsführer und Fürsprecher (das ist die bernische Bezeichnung für einen Anwalt).

Was passiert, wenn einer klagt?
«Ich weiss es nicht, ich bin Jurist, nicht Richter.»

Aber die Gefahr ist gross, dass so eine Klage durchkommt? «Das sind wir uns bewusst.»

Ohne jede Not haben die «Reformnarren» um Marc Lüthi und Patrick Lengwiler mit dem Schrauben an der Ausländerbegrenzung schlafende Hunde geweckt. Auch das wissen wir aus dem richtigen Leben: Es braucht mehr Zeit, einen Hund wieder in den Schlaf zu wiegen als ihn aufzuwecken.

Zug-CEO Patrick Lengwiler. Bild: KEYSTONE

Die Wahrscheinlichkeit einer Klage eines Lizenz-Schweizers ist sehr hoch. Bereits gestern Abend ist mein Telefon in dieser Sache heissgelaufen. Die Gefahr ist gross, dass in unserem Hockey den Klubs die ganze Ausländer-Beschränkung um die Ohren fliegen wird. Unsere «Reformnarren» sind drauf und daran, die Liga, ein einmaliges Erfolgsmodell, durch Dummheit und Arroganz zu zerstören.

watson Eishockey auf Instagram

Selfies an den schönsten Stränden von Lombok bis Honolulu, Fotos von Quinoa-Avocado-Salaten und vegane Randen-Lauch-Smoothies – das alles findest du bei uns garantiert nicht. Dafür haben wir die besten Videos, spannendsten News und witzigsten Sprüche rund ums Eishockey.

Folge uns hier auf Instagram.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

HC Davos: 5 - Marc Gianola. FABRICE COFFRINI
HC Davos: 69 – Sandro Rizzi. JUERGEN STAIGER
HC Davos: 78 – Jan von Arx. ARNO BALZARINI
HC Davos: 83 – Reto von Arx. ENNIO LEANZA
SC Bern: 0 – René Kiener. Marcel Bieri
SC Bern: 6 – Peter Stammbach.
SC Bern: 7 – Martin Rauch. MICHELE LIMINA
SC Bern: 12 – Roland Dellsperger. STR
SC Bern: 16 – Sven Leuenberger. MARTIN SCHWEIZER
SC Bern: 18 – Renzo Holzer.
SC Bern: 22 – Patrick Howald. JUERG MUELLER
SC Bern: 26 – Marc Reichert. ANTHONY ANEX
SC Bern: 28 – Martin Plüss. SALVATORE DI NOLFI
SC Bern: 31 – Renato Tosio. EDI ENGELER
SC Bern: 32 – Ivo Rüthemann. PETER SCHNEIDER
SC Bern: 39 – Marco Bührer. URS FLUEELER
SC Bern: 72 – David Jobin. PETER KLAUNZER
ZSC Lions: 15 – Mathias Seger GABRIELE PUTZU
ZSC Lions: 21 – Reto Sturzenegger. STR
ZSC Lions: 23 – Chad Silver. ARNO BALZARINI
ZSC Lions: 31 – Ari Sulander. URS FLUEELER
EHC Kloten (wegen der Nostalgie noch dabei): 4 – Marco Klöti. GABI MUELLER
EHC Kloten: 7 – Peter Schlagenhauf. STR
EHC Kloten: 20 – Reto Pavoni. JUERGEN STAIGER
EHC Kloten: 21 – Roman Wäger. SIGI TISCHLER
EHC Kloten: 22 – Viktor Stancescu. PATRICK B. KRAEMER
EHC Kloten: 24 – Felix Hollenstein. STR
EHC Kloten: 26 – Mikael Johansson. CHRISTOPH RUCKSTUHL
EHC Kloten: 32 – Anders Eldebrink. KARL MATHIS
EV Zug: 20 – Philipp Neuenschwander. MICHAEL KUPFERSCHMIDT
EV Zug: 21 – Patrick Fischer. ARNO BALZARINI
EV Zug: 33 – André Künzi. EDI ENGELER
HC-Fribourg-Gottéron: 4 – Christian Hofstetter.
HC-Fribourg-Gottéron: 10 – Mario Rottaris. ARNO BALZARINI
HC-Fribourg-Gottéron: 13 – Benjamin Plüss. PATRICK B. KRAEMER
HC-Fribourg-Gottéron: 19 – Philippe Marquis. EDI ENGELER
HC-Fribourg-Gottéron: 44 – Shawn Heins. SALVATORE DI NOLFI
HC-Fribourg-Gottéron: 85 – Gil Montandon. ALESSANDRO DELLA VALLE
HC Fribourg-Gottéron: 90 – Wjatscheslaw Bykow. LUKAS LEHMANN
HC Fribourg-Gottéron: 91 – Andrei Chomutov. ALESSANDRO DELLA VALLE
HC Lugano: 1 – Alfio Molina. STR
HC Lugano: 2 – Sandro Bertaggia. KARL MATHIS
HC Lugano: 3 – Julien Vaucliar. ADRIEN PERRITAZ
HC Lugano: 4 – Pat Schafhauser. GABRIELE PUTZU
HC Lugano: 8 – Steve Hirschi. SAMUEL GOLAY
HC Lugano: 33 – Petteri Nummelin. KARL MATHIS
HC Lugano: 40 – Flavien Conne. LAURENT GILLIERON
HC Lugano: 44 – Andy Näser. KARL MATHIS
HC Ambri-Piotta: 8 – Nicola Celio. GEORGIOS KEFALAS
HC Ambri-Piotta: 15 – Dale McCourt.
HC Ambri-Piotta: 19 – Peter Jaks. MICHELE LIMINA
HC Ambri-Piotta: 46 – Paolo Duca. FRANCESCA AGOSTA
EHC Biel: 30 – Olivier Anken. STR
EHC Biel: 12 – Mathieu Tschantré. GIAN EHRENZELLER
SCL Tigers: 12 – Todd Elik. MARCEL BIERI
SCL Tigers: 17 – Daniel Aegerter. EDI ENGELER
SCL Tigers: 26 – Martin Gerber. ARNO BALZARINI
SCL Tigers: 44 – Walter Gerber. MICHELE LIMINA
Genève-Servette HC: 0 – Daniel Clerc.
Genève-Servette HC: 4 – Eric Conne.
Genève-Servette HC: 6 – Fritz Naef.
Genève-Servette HC: 12 – Philippe Bozon. FABRICE COFFRINI
Genève-Servette HC: 24 – Jean-François Regali.
Genève-Servette HC: 28 – Igor Fedulov.
Lausanne HC: 10 – Gérard Dubi.
Lausanne HC: 16 – Claude Friederich.
Lausanne HC: 21 – Beat Kindler. FABRICE COFFRINI
Lausanne HC: 39 – Cristobal Huet. VALENTIN FLAURAUD
SCRJ Lakers: 6 – Cyrill Geyer. GIAN EHRENZELLER

Du bist ein echter Eishockey-Fan? So kriegst du das Stadion-Feeling zuhause hin.

Video: watson / Knackeboul, Madeleine Sigrist, Emily Engkent

Eishockey-Saison 2019/20

Gaëtan Haas: «Das Spiel in der NHL ist nicht schneller, es sieht nur schneller aus»

Das banale Ende aller Träume – kein Meister, keine Dramen

Wegen Corona-Krise: Bleibt René Fasel ein Jahr länger Hockey-Welt-Präsident?

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Solange man ins Stadion durfte, war Eishockey so populär wie nie