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Patrick Fischer, head coach of Switzerland national ice hockey team, reacts, right, during a friendly international ice hockey game between Switzerland and France, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Saturday, April 27, 2019. Switzerland national ice hockey team will play several friendly games of preparation ahead the IIHF 2019 World Championship. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Patrick Fischer befürchtet, dass in wichtigen Momenten noch mehr Ausländer eingesetzt werden. Bild: KEYSTONE

«Ein trauriger Tag» – Natitrainer Fischer zur neuen Ausländerregelung

Die Stimmung war bekannt: Ausser den Klubbossen wollte so gut wie niemand mehr ausländische Spieler in der National League. Das war den Entscheidungsträgern egal – umso mehr prasselt nun erneut Kritik auf sie nieder.



Die Anzahl der Ausländer in der National League wird ab der Saison 2022/23 von vier auf sieben erhöht, dazu zählen auch Ausländer mit Schweizer Lizenz ab dem 22. Altersjahr. Dies beschlossen die Klubvertreter im Rahmen einer Verwaltungsratssitzung der National League AG. Bislang hatte eine Erhöhung auf zehn Ausländer im Raum gestanden. Dagegen gab es von diversen Seiten grossen Widerstand.

In der kommenden Saison wird an der aktuellen Regelung mit vier Söldnern und einer unbegrenzten Zahl an Lizenz-Schweizern nichts geändert. Danach werden Ausländer mit Schweizer Lizenz nur noch bis zum Erreichen des 22. Altersjahrs den hiesigen Spielern gleichgestellt und belasten ein Calle Andersson (Bern) oder ein Ivars Punnenovs (SCL Tigers) das Ausländerkontingent. Die Verantwortlichen erhoffen sich dank dieser Regelung, dass die Lohnkosten gesenkt werden können.

Lüthi happy, Zahner nicht

Marc Lüthi, der CEO des SC Bern, bezeichnete die neue Lösung als «tipptopp in Kombination mit dem Financial Fairplay». Dessen Pendant bei den ZSC Lions, Peter Zahner, sagte: «Ich bin nicht glücklich, es ist ein Kompromissvorschlag, mit dem wir leben müssen.» Die Lions kämpften bis zuletzt gegen die Erhöhung der Ausländerzahl, dennoch kam die nötige Dreiviertel-Mehrheit zu Stande.

Nur ein Klub dagegen

Nur die ZSC Lions haben sich gegen die Erhöhung von vier auf sieben Ausländer gewehrt. Sie hatten sich schon im Vorfeld konsequent gegen allen «Reform-Unsinn» (mehr Ausländer, Financial Fairplay, Abschaffung Auf- und Abstieg) ausgesprochen. Ambri enthielt sich.

Die Erhöhung auf sieben Ausländer wird die vermeintlich «Kleinen» wie Langnau oder Ambri in höchste Not bringen. SCL-Tigers-Präsident Peter Jakob sagt: «Wir können uns sieben Ausländer ganz einfach nicht leisten.» Sein Geschäftsführer Peter Müller hat dennoch für die Erhöhung gestimmt. Jakob sagt: «Ich habe volles Vertrauen zu ihm. Er wird schon richtig entschieden haben. Es hat halt eine Mehrheit gegeben.» Und noch einmal bekräftigt Langnaus Vorsitzender: «Ich habe Ihre Behauptung gelesen, dass wir mit hundertprozentiger Sicherheit auch mit sieben Ausländern spielen werden. Ich versichere Ihnen, es wird noch so sein.» Seine Worte in Gottes Ohr.

Geschäftsführer Müller erklärt: «Manchmal ist es notwendig, Kompromisse zu machen. Die sieben Ausländer sind ein Kompromiss, ursprünglich war ja von zehn die Rede. Wir werden so oder so unseren Weg gehen und selbst entscheiden, wie viele ausländische Spieler wir verpflichten werden Unsere Leistung definieren wir über die Mannschaft, nicht über die Anzahl Ausländer.» (kza)

Überhaupt nicht begeistert ist Swiss Ice Hockey über das am Freitag verabschiedete «Reglement ausländischer Spieler in der National League». Patrick Fischer fand klare Worte: «Ich finde es gefährlich und ein schlimmes Zeichen für unsere jungen Spieler. Es ist ein trauriger Tag, der Entscheid ist überhaupt nicht im Sinn des Schweizer Eishockey

Patrick Fischer, links, Schweizer Eishockey Head Coach und Lars Weibel, rechts, General Manager orientieren an einer Medienkonferenz in Zuerich am Donnerstag, 24. Oktober 2019 ueber die Vetragsverlaengerung von Patrick Fischer.   (KEYSTONE/Walter Bieri)

Fühlen sich vor den Kopf gestossen: Patrick Fischer und Lars Weibel. Bild: KEYSTONE

Fischer: «Eine Hiobsbotschaft»

Fischers Ärger war umso grösser, als er die neue Ausländerregelung aus der Presse erfahren hat. Das stiess auch Nationalmannschafts-Direktor Lars Weibel sauer auf: «Dass wir als Verband nicht involviert wurden, ist absolut unverständlich. Die Ausländererhöhung ist für das Schweizer Eishockey eine Hiobsbotschaft.»

Fischer kann den Entscheid auch deshalb nicht nachvollziehen, weil abgesehen von den CEOs der Vereine der National League so ziemlich keiner für eine Erhöhung des Ausländerkontingents war. Bei einer Umfrage der Schweizer Spielergewerkschaft SIHPU sprachen sich 94 Prozent der Spieler gegen eine Veränderung der Ausländerregelung aus. Auch die Fans hatten ihr Meinung dazu klar kundgetan.

Sie hätten Grösse zeigen können, als sie merkten, dass ihre Idee von allen Seiten auf Ablehnung gestossen sei, fand Fischer. «Sie hörten jedoch auf niemanden.» Das Argument, dass es aktuell viele Lizenz-Schweizer gibt und deshalb die Auswirkungen auf die Schweizer Spieler gering sind, lässt er nur bedingt gelten: «Das federt es maximal ein bisschen ab.»

Hiller fordert Mitsprache der Spieler

Fischer ist aber überzeugt, dass viele der Lizenz-Schweizer keinen Vertrag als Ausländer erhalten werden. Für ihn ist klar, dass nun noch mehr wichtige Eiszeit auf die Söldner verteilt wird. «Dabei haben wir schon jetzt Probleme, bei den Verteidigern und für die Center-Position genügend gute Spieler für die Nationalmannschaft zu produzieren.»

Jonas Hiller, der Präsident der Spielergewerkschaft, war zwar erfreut darüber, dass die Erhöhung geringer wie befürchtet ausfiel. Der frühere NHL-Torhüter bemängelte aber, dass die Spieler nicht in den Entscheidungsprozess miteinbezogen worden seien. «Das ist für uns frustrierend und hinterlässt einen faden Beigeschmack», sprach er Klartext. «Die Spieler machen einen grossen Teil des Produkts aus. Wir wollen bei solchen Diskussionen zumindest dabei sein und unsere Standpunkte einbringen, was wir mehrmals versucht haben. »

Positiv findet Hiller, dass der Status Lizenz-Schweizer bis zum 22. Altersjahr beibehalten wird. «Das ist ein Schritt, der zeigt, dass diese Spieler respektiert werden. Wir werden nun aber sicher nochmals intern diskutieren, ob wir das so akzeptieren wollen.»

Lüthi: «Fürs Erste eine gute Lösung»

Die am Freitag verabschiedete Ausländerregelung ab der Saison 2022/23 wird ein Teil eines Gesamtpakets sein, über das gegen Ende März final entschieden wird. Weitere zentrale Punkte dabei sind das Financial Fairplay und die Ligazugehörigkeit – maximal sind 14 Teams in der National League vorgesehen.

Gilt die Anzahl von sieben Ausländern auch, falls die höchste Liga einmal aus 14 Mannschaften bestehen sollte? «Nun sind es einmal sieben Ausländer. Wenn es einmal 14 Teams geben sollte, kann wieder darüber diskutiert werden, ob es einen mehr braucht oder nicht», sagte Lüthi. «Fürs Erste ist es eine gute Lösung.» (ram/sda)

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