Um sich auch von zu Hause aus nahe zu sein, machen die Italiener am Abend gemeinsam Musik.
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Italien steht unter Quarantäne – und singt sich die Seele vom Leib
In Italien herrscht aufgrund des Coronavirus Ausnahmezustand. Die Leute sollen ihre Häuser wenn möglich nicht verlassen. Trotzdem haben die Italiener einen Weg gefunden, um nahe zusammen zu sein – indem sie gemeinsam auf dem Balkon singen.
In den letzten Tagen hat sich das Leben für die Italienerinnen und Italiener drastisch verändert. Da die Massnahmen, um das Coronavirus zu bekämpfen, verschärft wurden, sollen die Leute wenn möglich zuhause bleiben.
Um gegen die drohende Einsamkeit anzukämpfen, hat sich die Bevölkerung nun etwas einfallen lassen: In einigen Städten gehen die Menschen alle auf den Balkon, um gemeinsam Lieder zu singen.
In Neapel machen sich die Leute gemeinsam Mut, indem sie «la gente come noi non molla mai» singen, also «Leute wie wir geben nie auf».
Ebenfalls ein beliebtes Lied in Neapel: «Abbracciame» von Andrea Sannino, der von der Stadt am Vesuv kommt. «Umarme mich» heisst der Titel des Liedes, das auf Neapolitanisch gesungen wird und in dem es vor allem um Einheit und Gemeinsamkeit geht:
«Umarme mich noch fester, weil später interessiert es niemanden mehr, ob die vergangene Zeit vergeudet war oder ob morgen nichts mehr ist. Umarme mich heute Nacht, ich will mich nicht an all die Male erinnern, als ich von dir geträumt habe, dann aber aufgewacht bin und du nicht da warst.»
Auch im toskanischen Siena singen die Leute abends ein traditionelles Lied aus der Stadt – den «Canto della Verbena». Besonders beliebt sind die zwei Zeilen des Refrains:
«Auf der Piazza del Campo gedeiht das Eisenkraut. Es lebe unser Siena! Es lebe unser Siena!»
Ebenfalls beliebt in ganz Italien während dieser schwierigen Zeit: Der «Inno di Mameli», die italienische Nationalhymne, die an den Zusammenhalt und den Mut des Volkes appelliert:
«Brüder Italiens, Italien ist erwacht und hat sich mit dem Helm Scipios den Kopf geschmückt. Wo ist Victoria (die Siegesgöttin)? Sie soll vor Italien ihr Haupt senken. Denn als Sklavin von Rom hat Gott sie geschaffen. Lasst uns die Reihen zusammen schliessen. Wir sind bereit für den Tod, wir sind bereit zum Tod. Italien hat gerufen!»
Bis in Italien wieder der Alltag einkehrt, dürfte es noch eine Weile dauern. Mindestens bis am 3. April ist das ganze Land eine Sperrzone. Und hoffentlich weiter am Singen ...
Das Coronavirus legt ganz Italien lahm
Der Petersplatz in Rom: Hier stehen sich normalerweise die Touristen auf den Füssen. Am 11. März 2020 ist er praktisch leer. EPA/Massimo Percossi EPA / Massimo Percossi
Gähnende Leere auch in diesem Einkaufsviertel von Rom. Bis gestern schlossen die Läden um 18 Uhr, jetzt müssen sie ganz zu bleiben. EPA / MASSIMO PERCOSSI
Rom ist das beliebtestes Reiseziel in Italien. 15,2 Millionen Ankünfte und 36,6 Millionen Übernachtungen wurden 2018 gemeldet. Jetzt sieht es dort so aus. EPA / MASSIMO PERCOSSI
Der Verkehr auf den Autobahnen rund um Mailand ist normalerweise berüchtigt für sein Verkehrsaufkommen. Nicht so seit dem Lockdown. EPA / ANDREA FASANI
Auch hier in einer Strasse in Mailand ist kein Mensch. AP / Luca Bruno
Viel Platz und freie Sicht auf den Vesuv hat dieser Jogger in Neapel. AP / Alessandro Pone
Die San Gregorio Armeno ist eine berühmte Einkaufsstrasse in Neapel. Am 11. März war sie komplett ausgestorben. AP / Alessandro Pone
Die 89-jährige Albina Pascucci, 89, posiert für ein Foto aus dem Fenster ihrer Wohnung in Rom. AP / Alessandra Tarantino
Die Via della Conciliazione führt zum Petersplatz in Rom. Tausende Menschen passieren hier an normalen Tagen. Aber am 12. März 2020 ist nichts normal in Italien. EPA / RICCARDO ANTIMIANI
Die Via delle Medaglie d'Oro, ist eine von Roms meistbefahrenen Strassen. Sie führt zum Vatikan. Am 12. März ist sie leergefegt. EPA / ALESSANDRO DI MEO
Noch ein Blick in eine Strasse Roms. Kein Mensch weit und breit. EPA / MASSIMO PERCOSSI
Ein Marktplatz in Rom am 12. März 2020. Das Restaurant bleibt zu, der Markt wartet auf Kundschaft. EPA / Alessandro Di Meo
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