«Unsägliches menschliches Leid»: 11'000 Wissenschaftler warnen vor «Klima-Notfall»
Faktencheck: Die 9 beliebtesten Aussagen der Klimaskeptiker
Wir unterziehen 9 beliebte Aussagen von Klimaskeptikern dem Faktencheck. Ausführlichere Antworten und Quellen findest du hier. EPA / CHRISTOS BLETSOS «Es gibt gar keinen Klimawandel»: Falsch. Anhand wissenschaftlicher Daten zeigt sich, dass sich die Temperaturen erhöhen, die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre dichter wird und der Meeresspiegel steigt. Alles deutliche Hinweise auf einen Klimawandel. EPA/NOAA / NOAA HANDOUT
«Es gab schon immer Schwankungen, das ist normal»: Halbwahr. Schwankungen gab es schon immer, richtig. In der Vergangenheit hat sich aber gezeigt, dass solche abrupte Schwankungen wie heute oft mit einem Massensterben einhergingen. «Normal» ist dies also nicht. EPA/EPA / KIMIMASA MAYAMA
«Der Klimawandel ist gar nicht so schlimm»: Falsch. Wegen des Temperaturanstiegs breiten sich bereits heute Wüsten aus, der steigende Meeresspiegel bedroht Küstenregionen und extreme Wetterlagen häufen sich auf der ganzen Welt. «Gar nicht so schlimm» trifft es also nicht. AP/AP / Richard Vogel
«Der Mensch hat gar keinen Einfluss auf den Klimawandel»: Falsch. Wer denkt, Vulkane würden den CO2-Ausstoss des Menschen um ein Vielfaches übertreffen, irrt. Menschen verursachen jährlich 175 Mal mehr CO2-Emissionen als Vulkane. EPA/EFE / HILDA RIOS
«Die Schweiz trägt gar nicht so viel zum Klimawandel bei»: Halbwahr. Die Schweiz hat im weltweiten Vergleich einen eher geringen CO2-Ausstoss pro Kopf. Doch sehr viele Geldanlagen, die in der Schweiz getätigt werden, fliessen in klimaunfreundliche Unternehmen. KEYSTONE / GAETAN BALLY
«CO2 ist gar nicht so schädlich»: Halbwahr. CO2 ist ein natürlich vorkommendes Molekül in der Luft und für viele Pflanzen überlebensnotwendig. Aber: Die höhere Konzentration in der Atmosphäre verstärkt den Treibhauseffekt. AP/AP / J. David Ake
«Nicht alle Forscher glauben an den menschengemachten Klimawandel»: Halbwahr. Es gibt tatsächlich wissenschaftliche Untersuchungen, die der These des menschengemachten Klimawandels widersprechen. Diese sind aber mit 3 zu 97 Prozent stark in der Unterzahl. AP/AP / Francois Mori
«Die Klimaschützer schalten AKWs ab und setzen dafür auf Kohlestrom»: Falsch. 2011 entschloss sich Deutschland, alle seine Atomkraftwerke bis 2022 vom Netz zu nehmen. Es zeigt sich bereits heute, dass Deutschland die wegfallende Kernkraft komplett durch erneuerbare Energiequellen ausgleichen konnte. AP/AP / Ross D. Franklin
«AKWs sind klimaneutral»: Falsch. Der Bau der Kraftwerke selber, die Gewinnung der Rohstoffe wie zum Beispiel Uran oder Plutonium, sowie der Rückbau der Anlagen verursachen CO2-Emissionen. Dies trifft aber in ähnlichem Masse auch auf erneuerbare Energiequellen zu. AP/AP / Robert Ray
Kurz vor der nächsten Weltklimakonferenz haben Experten unter die Lupe genommen, was die Staaten bisher im Rahmen des Paris-Abkommens versprechen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Forscher warnen in einem Appell vor «unsäglichem menschlichem Leid».
Die Pläne der meisten Staaten im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommens reichen einem neuen Bericht zufolge nicht aus, um die schneller werdende Erderwärmung zu bremsen.
Fast drei Viertel der 184 Zusagen zum Einsparen von Treibhausgasen, die Länder eingereicht haben, sind demnach nicht ehrgeizig genug. Gemessen am Ziel, den Ausstoss bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, seien nur die 28 EU-Staaten gemeinsam und sieben weitere Länder auf Kurs, heisst es in der am Dienstag vorgestellten Auswertung von fünf Autoren, von denen vier auch schon für den Weltklimarat IPCC gearbeitet haben.
Ein Feuerwehrmann kämpft gegen die Brände in Kalifornien: In Zukunft werden wir immer mehr Dürren erleben.
Bild: EPA
Warnung vor «Klima-Notfall»
Zeitgleich warnen mehr als 11'000 Wissenschaftler aus 153 Ländern in einer gemeinsamen Erklärung vor einem weltweiten «Klima-Notfall». Wenn sich das menschliche Verhalten beim Treibhausgasausstoss und anderen den Klimawandel begünstigenden Faktoren nicht grundlegend und anhaltend verändere, sei «unsägliches menschliches Leid» nicht mehr zu verhindern, heisst es darin.
«Wissenschaftler haben eine moralische Pflicht, die Menschheit vor jeglicher katastrophalen Bedrohung zu warnen», sagte Ko-Autor Thomas Newsome von der University of Sydney. «Aus den vorliegenden Daten wird klar, dass wir einem Klima-Notfall gegenüberstehen.»
Im Pariser Abkommen haben sich fast alle Staaten der Welt das Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst 1.5 Grad zu begrenzen, um katastrophale Folgen wie Hitzewellen und Dürren, extreme Regenfälle und den Anstieg der Meeresspiegel zu begrenzen. Ginge es weiter wie bisher, läge der Anstieg Ende dieses Jahrhunderts wohl bei gut drei Grad.
So sieht es aus, wenn gegen 100'000 fürs Klima demonstrieren
Gegen 100'000 Menschen strömten laut Organisatoren am Samstag nach Bern, um vor den Wahlen für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Jan Hostettler / Jan Hostettler
Die Demonstranten fordern eine konsequente Klimapolitik, das heisst z.B. den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas.
Die Menschenmasse ist so gross, dass nur ein Teil zur Abschlusskundgebung auf den Bundesplatz gelangte.
Es dürfte die grösste Demo sein, die Bern je gesehen hat – abgesehen von der Frauenstreik-Demonstration.
Die Klimajugend prägte den Demonstrationszug mit Transparenten und Sprechgesängen, doch ...
... nahmen Menschen jeden Alters sowie viele Familien an der Klimademo teil.
Tausende streckten selbstbemalte Kartonschilder in die Höhe, auf denen zum Handeln gegen den Klimawandel aufgerufen wurde.
Die Demo war nicht nur beeindruckend gross, sondern auch bunt und kreativ, wie die folgenden Bilder zeigen.
Und zum Schluss noch dies: Was passiert, wenn du deinen Offroader am falschen Ort parkierst. 😂
Es ist schon lange klar, dass die nationalen Klimaschutz-Pläne in der Summe nicht ausreichen, um den Klimawandel einzudämmen. Alle fünf Jahre sollen sie deshalb nachgeschärft werden, so dass die Weltgemeinschaft insgesamt immer ehrgeiziger wird. 2020 ist es soweit, dann sollen neue Pläne auf den Tisch.
Industriestaaten in der Pflicht
Es ist festgelegt, welcher Staat welchen Anteil erbringen muss. Allgemein gilt, dass reiche Industriestaaten und solche, die historisch betrachtet viel zum Klimawandel beigetragen haben, mehr Verantwortung übernehmen sollen. Die nächste Klimakonferenz findet in der ersten Dezemberhälfte in Madrid statt.
«Die Zusagen sind schlicht viel zu wenig und zu spät», kommentierte Co-Autor Robert Watson, bis 2002 im Vorstand des Weltklimarats, den von der US-Organisation Universal Ecological Fund veröffentlichten Bericht zu den Klimaschutzzielen. «Sogar wenn alle freiwilligen Klima-Zusagen voll umgesetzt werden, erreichen sie nur die Hälfte dessen, was notwendig ist, um die Beschleunigung des Klimawandels im nächsten Jahrzehnt zu begrenzen.»
China, Indien, USA und Russland im Fokus
Besonders im Fokus der Autoren stehen vier Nationen, die zusammen mehr als die Hälfte der weltweiten Treibhausgase ausstossen: China, Indien, die USA und Russland.
Das bevölkerungsreichste Land China hat einen Anteil von rund 27 Prozent – und die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) und anderen Klimagasen dort nähmen wegen des Wirtschaftswachstums weiter zu, heisst es im Bericht. Zugesagt hat Peking bisher nur, dass sie nicht im gleichen Masse zunehmen sollen wie das Bruttoinlandprodukt. Das gelte auch für Indien, das einen Anteil von sieben Prozent am globalen Treibhausgas-Ausstoss habe.
Die USA haben sich inzwischen auch offiziell aus den internationalen Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel verabschiedet: Die US-Regierung habe ihre Kündigung für das Klimaabkommen von Paris eingereicht, teilte Aussenminister Mike Pompeo am Montag mit. US-Präsident Donald Trump hatte den Ausstieg in die Wege geleitet.
Die ursprünglichen Zusagen der Vereinigten Staaten mit ihrem Anteil von gut 13 Prozent am globalen Treibhausgas-Ausstoss bewerten die Autoren des Berichtes noch als «in der Schwebe» – aber die aktuelle Politik reiche nicht aus. Russland, dessen Anteil bei knapp fünf Prozent liege, habe noch gar keine Pläne eingereicht.
EU auf Kurs – Schweiz vorbildlich
Die 28 Staaten der EU haben gemeinsam einen Anteil von neun Prozent – und sind dem Bericht zufolge mit ihren Plänen auf Kurs. Bis 2030 könnte der CO2-Ausstoss 58 Prozent unter dem Wert von 1990 liegen. Daneben werten die Autoren nur noch Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen, Moldawien, die Schweiz und die Ukraine als Länder, deren aktuelle Zusagen zum jetzigen Zeitpunkt ausreichen.
«Obwohl global seit 40 Jahren verhandelt wird, haben wir weiter gemacht wie vorher und sind diese Krise nicht angegangen», sagte William Ripple, der den Zusammenschluss der gut 11'000 Wissenschaftler mit seinem Kollegen Christopher Wolf von der Oregon State University in den USA anführt. «Der Klimawandel ist da und er beschleunigt sich rascher als viele Wissenschaftler erwartet hatten.» (aeg/sda/dpa)
Greta Thunberg: Das furchtlose Mädchen von Davos
Sitzstreik für das Klima: Greta Thunberg am 25. Januar 2019 am WEF in Davos. AP/AP / Markus Schreiber
KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
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Greta Thunberg mit François Villeroy de Galhau, Chef der französischen Nationalbank (links), und John J. Haley, CEO Willis Tower Watson, während einer Podiumsdiskussion am 25. Januar 2019. EPA/KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Klimademonstration der Schülerinnen in Davos am 25. Januar 2019. EPA/KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Greta Thunberg ist zum heimlichen Star am WEF in Davos geworden. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Fast immer mit dabei: das Plakat mit dem Aufruf zum Klimastreik der Schüler. EPA/KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Greta Thunberg in Davos. AP/AP / Markus Schreiber
Greta im Kongressgebäude am 25. Januar 2019. EPA/KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Fürs Klima vom Flugzeug auf den Zug umsteigen – und das viele, viele Stunden lang: Die junge schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat den langen Weg nach Davos mit der Bahn auf sich genommen. KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Schon am frühen Dienstagmorgen trat die 16-Jährige in Schweden ihre erste Etappe auf der Reise an – «Morgenzug zum Weltwirtschaftsforum in Davos», schrieb sie dazu auf Twitter. EPA/KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Am Mittwochmittag traf sie in Davos ein. Die 16-Jährige schläft am WEF übrigens im Zelt. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Fahrtdauer hin und zurück: etwa 65 Stunden. Im Gepäck: ein Rucksack, ein kleiner roter Koffer und ein Demonstrationsschild mit der Aufschrift «Skolstrejk för klimatet» (Schulstreik fürs Klima). KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Weil Flugreisen viel CO2 ausstossen und damit klimaschädlich sind, entschied sie sich für die Anreise per Zug. EPA/KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Greta Thunberg trifft auf IWF-Chefin Christine Lagarde. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Am Mittwoch um ca. 11.50 Uhr traf Thunberg in Davos ein, wo sie sofort von nationalen und internationalen Medien belagert wurde. EPA/KEYSTONE / ENNIO LEANZA
«Ich weiss, was ich will. Und ich weiss, was richtig ist», sagte sie nach der Ankunft zu den Medien. EPA/KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Sie wolle den Mächtigen in Davos sagen, dass sie versagt hätten. EPA/KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Vom Weltwirtschaftsforum erwartet sie jedoch «nichts». EPA/KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Greta Thunberg kündigte an, bis Freitag beim WEF dabei zu sein. Sie setzt sich an vorderster Front für ein stärkeres Klimabewusstsein ein. AP/Keystone / Valentin Flauraud
Sie fordert, dass mehr gehandelt und weniger bloss über den Klimawandel geredet wird. KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
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Im Rahmen ihrer Protestaktion «Schulstreik fürs Klima» demonstriert sie jeden Freitag vor dem Reichstag in Stockholm. Die Aktion fand bereits Nachahmer in aller Welt, auch in der Schweiz. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
Auf der Uno-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz hatte sie im Dezember gesagt: «Wir müssen verstehen, was für ein Chaos die älteren Generationen angerichtet haben, das wir nun aufräumen und mit dem wir leben müssen.» KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Ankunft im Kongressgebäude. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Greta hält vor dem Arctic Basecamp in Davos eine Rede. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
300 Millionen Menschen in ihrer Existenz bedroht
Video: SRF / Roberto Krone