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Zahlreiche Erdstösse schrecken Menschen im Wallis auf

Publiziert: 05.11.19, 22:07

Am Dienstagabend hat im Wallis die Erde gebebt. Dies, nachdem es in der Nacht zum Dienstag und am Morgen bereits sieben leichte Erdbeben gab. Die Erdstösse waren auch noch im Berner Oberland spürbar. Dutzende Menschen wurden aufgeweckt, Schäden gab es bislang keine.

Der Schweizer Erdbebendienst (SED) hat die Erschütterung vom Dienstagabend etwa 8 Kilometer südöstlich vom Sanetschpass registriert, wie der automatischen Alarmmitteilung der ETH vom Dienstagabend zu entnehmen ist. Demnach ereignete sich das Erdbeben um 20.51 Uhr mit einer Stärke von etwa 3.2 auf der Richterskala.

Damit dürfte das Erdbeben gemäss der Mitteilung in der Nähe des Epizentrums deutlich zu spüren gewesen sein. Die Angaben wurden gemäss Mitteilung automatisch berechnet und sind noch nicht von Seismologen überprüft worden.

Zwei der Erdbeben in der Nacht auf Dienstag haben sich im Zentralwallis um 1.54 und 4.36 Uhr ereignet. Beide erreichten eine Magnitude von 3.3 auf der Richterskala und haben vor allem zwischen Sitten und Siders viele Menschen aufgeweckt, wie SED mitteilte.

Die Epizentren befanden nördlich von Sitten in Richtung des Wildhorns in den westlichen Berner Alpen und unweit des Sanetschpasses, der den Kanton Bern mit dem Wallis verbindet. Die Erdstösse wiederholten sich in regelmässigen Abständen bis weit in den Morgen hinein.

Zwei von ihnen wurden um 6.55 respektive 7.00 Uhr in der Nähe des Arpelistocks registriert, einem weiteren Gipfel an der Grenze zwischen den Kantonen Wallis und Bern. Diese zwei Beben hatten Stärken zwischen 2.5 und 2.9 auf der Richterskala.

Über 50 Nachbeben

Um 8.18 Uhr erschütterte ein weiteres Beben der Stärke 3.0 die Region Wildhorn. Ein neuerlicher Erdstoss der Stärke 2.7 folgte um 8.47 Uhr in der Nähe von Anzère VS. Das letzte Beben mit der gleichen Stärke wurde um 9.54 Uhr in Richtung Arpelistock registriert. Zwischen den verschiedenen Beben zeichnete der SED bisher über 50 Nachbeben auf, von denen einzelne ebenfalls spürbar waren.

Dass es gleich zu mehreren Beben gekommen sei, sei nicht aussergewöhnlich, sagte SED-Seismologe Philipp Kästli auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Der Erdbebendienst spricht auf seiner Homepage auch von «Schwarmbeben». In der Regel nehme die seismische Aktivität nach einigen Tagen wieder ab. Trotzdem könne es mit einer Wahrscheinlichkeit von fünf bis zehn Prozent in den nächsten Tagen auch zu einem stärkeren Erdbeben kommen.

Beim Schweizerischen Erdbebendienst gingen in der Nacht über hundert Meldungen von Menschen ein, welche die Erdstösse bemerkten, vor allem aus Sitten, aber auch aus dem Berner Oberland. Menschen berichteten auch dem Seismologischen Zentrum Europa-Mittelmeer (EMSC), sie seien von der Erschütterung aufgewacht.

Keine Schäden gemeldet

Bei der Walliser Kantonspolizei gingen zunächst keine Hinweise auf Schäden ein, wie Sprecher Mathias Volken auf Anfrage sagte. Lediglich ein, zwei Personen hätten bei der Kantonspolizei angerufen und die Beben gemeldet. Es seien keine speziellen Massnahmen getroffen worden, die Lage werde aber weiterhin beobachtet.

Bereits in der Nacht auf Montag war in Teilen der Schweiz ein Erdbeben spürbar gewesen. Dieses ereignete sich im deutschen Albstadt gut 50 Kilometer nordöstlich von Schaffhausen und hatte eine Stärke von 3.9.

Region mit höchster Gefährdung

In der Schweiz kommt es immer wieder zu meist kleineren Erdbeben. Für das laufende Jahr zählte der SED bisher gut 1200 Erdstösse. Von der Bevölkerung tatsächlich verspürt werden pro Jahr etwa zehn bis zwanzig Beben mit Magnituden ab etwa 2.5.

Insgesamt liegt die Erdbebengefährdung der Schweiz im europäischen Vergleich auf mittlerem Niveau. Starke Erdbeben bis zu einer Magnitude 7 sind möglich, aber deutlich seltener als in hoch gefährdeten Gebieten wie Italien oder der Türkei.

Das Wallis ist die Region mit der höchsten Gefährdung, gefolgt von Basel, Graubünden, dem St. Galler Rheintal, der Zentralschweiz und der übrigen Schweiz. (sda)

Die schwersten Erdbeben seit 1900

Platz 10: Indonesien, April 2012. Ein Erdbeben der Stärke 8,6 verursachte vor allem Sachschäden, wie hier vor einem Gefängnis. Tote wurden keine gemeldet. (sda) EPA / HOTLI SIMANJUNTAK
Platz 9: Indonesien, März 2005. Nur wenige Monate nach dem verheerenden Tsunami bebte die Erde in Indonesien erneut. Es wurde eine Erdbebenstärke von 8,6 gemessen, 1313 Menschen kamen ums Leben. AP / BINSAR BAKKARA
Platz 8: Indien, August 1950. Das Erdbeben mit Stärke 8,6 verursachte schwere Schäden in Assam, an der indisch-chinesischen Grenze. 1526 Tote wurden gemeldet.
Platz 7: Ecuador und Kolumbien, Januar 1906. Die beiden südamerikanischen Staaten wurden von einem Erdbeben der Stärke 8,8 heimgesucht. Etwa 1000 Menschen starben.
Platz 6: Chile, Februar 2010. 524 Menschen starben an den Folgen des Erdbebens von 2010. Es wurde eine Stärke von 8,8 gemessen. AP / Natacha Pisarenko
Platz 5: Russland, November 1952. Nach einem Beben der Stärke 9,0 flohen die Bewohner der russischen Stadt Kamtschatka in die umliegenden Berge, um dem anschliessenden Tsunami zu entgehen. Niemand kam ums Leben.
Platz 4: Japan, März 2011. Das verheerende Erdbeben (Stärke: 9,0) mit anschliessendem Tsunami forderte 15'800 Menschenleben und beschädigte das Atomkraftwerk Fukushima. Japan kämpft nach wie vor mit den Folgen. AP Kyodo News / ANONYMOUS
Platz 3: Indonesien, Dezember 2004. Es gilt als eine der schlimmsten Katastrophen der neueren Geschichte. Bei dem Erdbeben der Stärke 9,1 und dem anschliessenden Tsunami kamen etwa 230'000 Menschen ums Leben. Millionen wurden obdachlos. EPA / ARDILES RANTE
Platz 2: Alaska, März 1964. Beim Beben der Stärke 9,2 in Alaska kamen 15 Menschen ums Leben, der Tsunami danach forderte weitere 110 Opfer. AP / ANONYMOUS
Platz 1: Chile, Mai 1960. Beim stärksten je gemessenen Erdbeben (Stärke 9,5) starben 1655 Menschen, tausende wurden obdachlos. AP

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