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Ausnahmezustand an der Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Bild: DOMINIC EBENBICHLER/REUTERS

Bye-bye, Reisefreiheit! An diesen 12 Grenzen macht Europa seine Schotten dicht

Die einen errichten wahrhaftige Barrikaden, die anderen führen Kontrollen ein: In Europa hat sich die Sache mit den freien Grenzübergängen vorerst erledigt. Unsere Karte zeigt, welche Länder bereits betroffen sind – und welche bald folgen könnten.

Publiziert: 18.09.15, 10:40 Aktualisiert: 26.05.20, 20:46

Hier siehst du, welche europäischen Länder ihre Schotten dicht gemacht haben – und welche folgen könnten. Bild: watson

Spanien

Bereits in den 1990er-Jahren hat Spanien beschlossen, seine Grenzen in Richtung Marokko abzuschotten, um Flüchtlingen und Schmugglern den Weg ins eigene Land – und damit in die Europäische Union – zu erschweren. Konkret bedeutete dies, dass die spanischen Städte Melilla und Ceuta, die beide von marokkanischem Gebiet umgeben sind, eingezäunt werden mussten. Denn diese Exklaven wurden besonders häufig als Fluchtweg genutzt.

Heute sind die beiden Orte von bis zu sechs Meter hohen Zäunen und teilweise Stacheldraht umgeben – Bewegungsmelder, Nachtsichtgeräte, Kameras und jede Menge Sicherheitspersonal bewachen die Grenzen akribisch. Im April hat die spanische Regierung beschlossen, weitere 2 Millionen Franken in die dortigen Sicherheitsvorkehrungen zu investieren.

Griechenland

Auch Griechenland hat einen Zaun errichtet – nämlich an der Grenze zur Türkei. Die rund 13 Kilometer lange Barrikade wurde im Jahr 2012 gebaut – zu diesem Zeitpunkt ging man davon aus, dass 80 Prozent aller nach Europa kommenden Flüchtlinge über den Fluss Mariza nach Griechenland einreisen würden.

Bulgarien

Der Fluss Mariza stellt nicht nur die Grenze zwischen Griechenland und der Türkei, sondern auch zwischen Bulgarien und der Türkei dar. Und da sich die Bulgaren ebenfalls gegen grössere Flüchtlingsströme aus der Türkei wehren wollten, errichteten auch sie einen Zaun.

Die drei Meter hohe Barrikade ist 32 Kilometer lang, kostete mehr als 5 Millionen Franken und wurde diesen Sommer fertiggestellt. Vollständig beendet ist das Projekt wie es scheint jedoch noch nicht. Denn kürzlich teilte die bulgarische Regierung mit, dass der Zaun verlängert werden soll: auf eine Länge von 145 Kilometer.

Ungarn

Als eines der Hauptdurchgangsländer Europas beschloss Ungarn im Juni diesen Jahres, seine Grenze Richtung Serbien zu schliessen. Inzwischen ist aus diesem Plan Realität geworden: Ein vier Meter hoher Stacheldrahtzaun erstreckt sich über eine Länge von 175 Kilometern, an der Grenze ereignen sich in den vergangenen Tagen wüste Szenen. Flüchtlinge, die dennoch versuchen, nach Ungarn zu gelangen, werden verhaftet.

Doch damit nicht genug: Denn Ungarn will auch an der Grenze zu Rumänien einen Zaun bauen. «Die Regierung hat beschlossen, mit den Vorbereitungen zur Errichtung eines Zauns an der ungarisch-rumänischen Grenze zu beginnen», sagte Aussenminister Peter Szijjarto am Dienstag. Der neue Zaun solle im Drei-Länder-Eck Ungarn-Serbien-Rumänien beginnen und von dort aus entlang einer «sinnvollen» Distanz an der Grenze zu Rumänien errichtet werden.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurde dann aber doch erst ein anderes Projekt an die Hand genommen: Ungarn hat nämlich mit der Errichtung eines Stacheldrahtzauns an der Grenze zu Kroatien begonnen. 500 Soldaten hätten in der Nacht mit dem Bau der Absperrung begonnen, sagte Ministerpräsident Viktor Orban in einem Rundfunkinterview.

Ungarische Soldaten bringen Zaunmaterial zur Grenze, um die letzten Lücken zu schliessen. EPA/MTI / BALAZS MOHAI
Ab sofort wird verhaftet, wer illegal die Grenze übertritt. EPA/MTI / BALAZS MOHAI
Am Montag wurden Flüchtlinge noch über die Grenze gelassen. Bild: Migranten auf dem Weg von Röszke nach Budapest. EPA/MTI / CSABA KRIZSAN
In Röszke gibt's nun kein Durchkommen mehr. EPA/MTI / ZOLTAN GERGELY KELEMEN
Flüchtlinge in Serbien: Am Wochenende hatten 10'000 Menschen die Grenze nach Ungarn überschritten. EPA/MTI / EDVARD MOLNAR
Ungarn hat auch eine herzliche Seite: Tags in der Nähe des Keleti-Bahnhofs in Budapest. Getty Images Europe / Jeff J Mitchell
Die ungarische Regierung hatte zugegeben, Flüchtlinge systematisch an die Westgrenzen des Landes befördert zu haben. Bild: Flüchtlinge besteigen einen Zug in Röszke. EPA/MTI / ZOLTAN GERGELY KELEMEN
14. September: Noch ist das Gesetz nicht in Kraft, Flüchtlinge überqueren die serbisch-ungarische Grenze. EPA/MTI / ZOLTAN GERGELY KELEMEN
Das Flüchtlings-Camp in Röszke. X01390 / MARKO DJURICA
Ärzte ohne Grenzen bezeichneten die gesundheitliche Lage im Camp als bedenklich. Getty Images Europe / Christopher Furlong
Weder Zäune noch Gesetze werden diese Menschen von der Flucht abhalten... X90146 / LASZLO BALOGH
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Vor gar nicht so langer Zeit war Ungarn noch ein Ort der Hoffnung für Flüchtlinge: 1989 öffnete das Land seine Grenzen zum Westen. Tausende DDR-Bürger flohen auf diesem Weg in die BRD. X90146 / LASZLO BALOGH
Es fällt jedoch ins Auge, dass EU-Mitgliedsstaaten mit einer ähnlich hohen Zahl eintreffender Flüchtlinge – wie Italien oder Griechenland – deutlich humaner auf diese Menschen reagieren als Ungarn. EPA/MTI / ZOLTAN BALOGH
Die UNO wirft der EU eine verfehlte Migrationspolitik vor: Die europäischen Staaten müssten sich zu einer Teilung der Lasten durchringen. X90146 / LASZLO BALOGH
... im Umgang mit diesem Strom fast ausschliesslich mit Repression. Die Polizei setzte auch schon Tränengas gegen die Flüchtlinge ein. X90146 / LASZLO BALOGH
Frontex, die EU-Grenzbehörde, schätzt, dass gut 100'000 Menschen im ersten Halbjahr 2015 über diese Route in die EU gekommen sind. Budapest setzt .... X90146 / LASZLO BALOGH
Viele Flüchtlinge überwinden die etwa anderthalb Meter hohe Stacheldrahtsperre mühe-, aber nicht schmerzlos: Die meisten von ihnen sind Syrer, die im Bürgerkrieg in ihrer Heimat noch mit weitaus Schlimmeren konfrontiert waren X90146 / LASZLO BALOGH
«Amnesty International» und ähnliche Organisationen kritisieren Orbán regelmässig, weil der rechtsgerichtete Politiker ihnen zufolge Grund- und Menschenrechte in Ungarn einschränkt. EPA/MTI / TAMAS SOKI
Der Hintergrund: Über die «Balkanroute» reisen viele Flüchtlinge in die EU ein. Obwohl die meisten von ihnen weiterreisen in Länder wie Deutschland oder Schweden, reagiert Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán mit strammer Härte auf diese Menschen. EPA/MTI / TAMAS SOKI
Die EU hat in Ungarn nur schmale Aussengrenzen: zu der Ukraine und zu Serbien. An Letzterer hat das Land aufgerüstet: Mit einem Stacheldrahtzaun sollen Flüchtlinge im Zaum gehalten werden. EPA/DPA / GREGOR MAYER

Grossbritannien

Um den Flüchtlingen den Weg von Frankreich nach Grossbritannien zu versperren, liessen auch die Briten einen Zaun bauen. Rund 10 Millionen Franken investierten sie, damit der Eurotunnel in Calais umzäunt werden konnte.

Deutschland

Anfang dieser Woche setzte Deutschland dann das Schengener Abkommen ausser Kraft, indem es die Grenzkontrollen wieder einführte. Zunächst sollte der Schwerpunkt auf der Grenze zu Österreich liegen. Doch schon kurz darauf berichtete der Mitteldeutsche Rundfunk, das Bundesland Sachsen bereite sich seinerseits auf Grenzkontrollen an den Grenzen zu Polen und Tschechien vor.

«Sollten die Flüchtlinge aus Österreich auf Routen über Tschechien ausweichen, sollen die Kontrollen verstärkt werden», bestätigte das Führungs- und Lagezentrum der deutschen Bundespolizei in Pirna. Und auch an der Grenze zu Frankreich werden inzwischen Kontrollen durchgeführt. Das hat die deutsche Polizei am Mittwoch beschlossen.

Tschechien

Im Anschluss an Deutschland hat auch Tschechien beschlossen, seine Grenze zu Österreich zu kontrollieren.

Österreich

Daraufhin zog Österreich nach: In Wien beschloss man noch am Montag, die Grenze zu Ungarn verstärkt zu kontrollieren. Österreich hatte zuvor bereits angekündigt, in der Flüchtlingskrise auch Teile der Armee einzusetzen. Laut Bundeskanzler Werner Faymann sollen rund 2200 Soldaten bei den Grenzkontrollen helfen. Am Mittwoch wurde mit den Kontrollen begonnen, noch am selben Abend weitete Österreich diese aus – indem auch die Grenzen zu Slowenien hin überprüft wurden.

Slowakei

Und auch in der Slowakei werden Reisende an den Grenzen zu Österreich und Ungarn wieder überprüft. Das Innenministerium in Bratislava begründete diesen Schritt mit der «Bekanntgabe Deutschlands, vorübergehend wieder Kontrollen an den Grenzen zu Österreich einzuführen». Ausserdem seien 220 zusätzliche Polizisten an die Grenzen geschickt worden.

Slowenien

Am Donnerstag hat auch Slowenien die Wiederaufnahme von Grenzkontrollen angekündigt. Die Slowenen wollten angesichts der hohen Flüchtlingszahlen insbesondere die Übergänge zu Ungarn überwachen, teilte die EU-Kommission in Brüssel mit.

Polen

Polen hat bisher noch keine Grenzkontrollen eingeführt – denkt jedoch ebenfalls darüber nach: Ministerpräsidentin Ewa Kopacz hat laut der Nachrichtenagentur Reuters die Bereitschaft ihres Landes erklärt, im Falle einer bedrohlichen Lage ebenfalls Grenzkontrollen durchzuführen.

Frankreich

Auch Frankreich denkt über die temporäre Wiedereinführung der Grenzkontrollen nach: «Diese Massnahme könnte in den nächsten Tagen oder Wochen ergriffen werden – falls nötig», sagte der französische Premierminister Manuel Valls am Mittwoch. Welche Grenzen von den Kontrollen betroffen sein könnten, präzisierte Valls bisher nicht.

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