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Granit Xhaka hadert trotz Penalty-Fehlschuss nicht mit sich selbst.
Bild: KEYSTONE

Phänomen Granit Xhaka –selbst im bittersten Augenblick ein Grosser

Der beste Schweizer Nationalspieler an dieser EM leistet sich gegen Polen einen kapitalen Fehlschuss. Wie er nach dem Spiel darauf reagiert, zeigt, wie reif der Denker und Lenker im Schweizer Spiel geworden ist. 

Publiziert: 26.06.16, 04:39 Aktualisiert: 26.06.16, 14:43
RAINER SOMMERHALDER UND ETIENNE WUILLEMIN / Aargauer zeitung

Ein Urteil ist schnell gefällt: Granit Xhaka bleibt im wichtigsten Schweizer EM-Spiel den Beweis schuldig, auch in entscheidenden Momenten ein grosser Spieler zu sein. Er agiert in der Offensive diskret, beim Gegentor der Polen zu passiv und er scheitert als einziger vom Elfmeterpunkt. Auf klägliche Art und Weise.

Granit Xhaka scheitert im Penaltyschiessen gegen Polen als einziger.
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Arsenal als künftiger Arbeitgeber sollte die Erwartungen an den 23-Jährigen dringend zurückschrauben. Andere Akteure werden dem Gipfeltreffen des europäischen Fussballs den Stempel aufdrücken. An Granit Xhaka wird man sich trotz drei herausragenden Leistungen ausserhalb der Schweiz bald nicht mehr erinnern.

Die Kritiker haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Es mag sich paradox anhören: In der bittersten Stunde seiner bisherigen Nationalmannschaftskarriere macht der Basler einen nächsten Schritt zu einer grossen Karriere. Einer herausragenden Karriere.

Xhakas Versprechen

Granit Xhaka ist ein Fussballer, der sich nach Niederlagen nicht versteckt. Granit Xhaka ist ein Fussballer, der auch nach einem verschossenen Elfmeter über ein intaktes Selbstvertrauen verfügt. Dies allein sind keine neuen Erkenntnisse.

Doch wer den Denker und Lenker des Schweizer Spiels nach dieser aufwühlenden Partie gegen Polen erlebt, der zieht zwingend den Hut. Xhakas Auftreten, Xhakas Worte – beeindruckend: «Ich kann etwas versprechen: Ich werde beim nächsten Elfmeterschiessen wieder antreten. Und wenn er dann wieder nicht reingehen sollte, dann werde ich erneut antreten. So lange, bis der Ball reingeht. So bin ich halt!»

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So ist er halt, der Xhaka. So war er schon immer. Man mag es ihm als Arroganz auslegen, wenn er wieder einmal grosse Töne spuckt. Wenn seine Leidenschaft, seine Emotionen zuweilen mit ihm durchbrennen. Er dafür ab und zu sogar vom Platz fliegt. Es sind Momente, in denen Xhaka in der Öffentlichkeit zum Kosovaren mit Schweizer Pass degradiert wird, von den Fans als Nationalspieler mehr geduldet als geliebt.

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Granit Xhaka hat die Zweifler an dieser EM endgültig abgeschüttelt. Trotz seinem Fehlschuss. Mit phänomenalen Leistungen, mit imposantem Einsatz, mit einem klaren Bekenntnis. Der 23-Jährige hat nach der Anerkennung des kosovarischen Fussballverbandes schnell und unmissverständlich dargelegt, dass seine Zukunft weiterhin in der Schweizer Nati liegt.

Xhaka wird von seinen Teamkollegen getröstet.
Bild: Kai Pfaffenbach/REUTERS

«Es ist für jemanden, der nie in einer solchen Situation war, einfach, von einer richtigen oder falschen Entscheidung zu sprechen», sagt Dejan Rakitic, der Bruder von Ivan Rakitic. Dieser hatte sich 2007 für das kroatische und gegen das Schweizer Team entschieden. «Egal, wie sich ein junger Spieler wie Xhaka entscheidet, es gibt auf jeden Fall auf einer Seite einen traurigen Verlierer», sagt Dejan Rakitic. Bei Xhaka ist es die Heimat seiner Eltern.

Wenn Fussball blöd ist

Traurig war am Samstagabend auch Granit Xhaka. «Nicht nur ich, sondern die ganze Mannschaft ist traurig. Und ich bin nicht so traurig wegen meines Elfmeters, sondern wegen des Spiels. Wir sind für eine Riesenleistung nicht belohnt worden. Das ist ärgerlicher als das Elfmeterschiessen. Manchmal ist Fussball eben ein wenig blöd. Es gewinnt nicht immer die bessere Mannschaft.»

Seinen Fehlschuss hakt Xhaka mit erstaunlicher Coolness ab. Man müsse ihn jetzt nicht trösten. «Es war Pech, ich habe den Ball schlecht getroffen. Ich bin erst 23 Jahre alt und ich bin überzeugt, dass mich dieser Fehler in Zukunft nur noch stärker machen wird.»

Granit Xhaka ist und bleibt der Chef in Vladimir Petkovics Mannschaft. Bild: Darren Staples/REUTERS

Dann wechselt der Stratege der Schweizer Nati wieder zurück zum Thema, über das er am liebsten spricht – die Mannschaft. Sie verdiene für den Auftritt an der EM Riesenrespekt. «Und wenn wir in Zukunft noch härter arbeiten und das Glück auch einmal erzwingen, dann wird weit mehr möglich sein als hier in Frankreich

In der Welt von Granit Xhaka gibt es keine Grenzen. Und das ist gut so.

Die Noten der Schweizer Nati beim EM-Aus gegen Polen

Exploit verpasst: Die Schweizer Spieler nach dem Out im EM-Achtelfinal gegen Polen. Ihre Noten von Etienne Wuillemin (Schweiz am Sonntag). AP/AP / Pavel Golovkin
Yann Sommer: Note 4,5. Souverän, aber die ganz grosse Parade gelingt ihm nicht mehr. Im Penaltyschiessen glücklos. X01095 / Max Rossi
Ricardo Rodriguez: Note 5,5. Bestes Spiel an dieser EM. Lässt hinten nichts zu, gestaltet das Spiel aktiv mit. So wie in den besten Zeiten. X01095 / Kai Pfaffenbach
Fabian Schär: Note 5,5. Knüpft nahtlos an die überzeugenden Auftritte der Gruppenphase an. Hätte den Viertelfinal gesperrt verpasst. AP/AP / Darko Bandic
Johan Djourou: Note 5,5. Zu Beginn völlig von der Rolle. Je länger desto mehr gewinnt er an Sicherheit. Am Ende stark. AP/AP / Pavel Golovkin
Stephan Lichtsteiner: Note 4. Es ist nicht sein Turnier. Auch gegen Polen nicht. Einige Wackler hinten. Steht immerhin am Ursprung des Ausgleichs. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Valon Behrami: Note 4,5. Beim Gegentor im Pech, dass er den Ball nicht kontrollieren kann. Sonst erneut gut. Mit Zerrung ausgewechselt. EPA/KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Granit Xhaka: Note 4,5. Anfangs etwas nervös. Steigert sich dann. Der verschossene Penalty ist das bittere Ende einer starken EM. AP/AP / Thanassis Stavrakis
Admir Mehmedi: Note 3,5. Leidet in der ersten Hälfte wie das ganze Team. Es gelingen ihm nur wenige gute Aktionen. Ausgewechselt. AP/AP / Darko Bandic
Blerim Dzemaili: Note 3. Ohne jeden Einfluss im Spiel. Bis zu seiner Auswechslung praktisch unsichtbar. Schade, nach dieser Vorrunde. EPA/KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Xherdan Shaqiri: Note 5,5. Endlich der ersehnte Auftritt. Nach der Pause in Bestform. Erst das grossartige Tor, dann die Flanke auf Derdiyok. AP/AP / Pavel Golovkin
Haris Seferovic: Note 5. Herausragendes Herz. Auch in letzter Minute grätscht er noch im eigenen Strafraum. Hätte sich ein Tor verdient. EPA/EPA / YURI KOCHETKOV
Breel Embolo: Note 5. In der 63. Minute für Dzemaili eingewechselt. Mit ihm wird das Schweizer Spiel deutlich besser. AP/AP / Pavel Golovkin
Eren Derdiyok: Note 3,5. In der 70. Minute für Mehmedi eingewechselt. Zwei Chancen, zwei Mal gescheitert. Hatte den Matchball auf dem Fuss. AP/AP / Thanassis Stavrakis
Gelson Fernandes: Note 5. In der 77. Minute für Behrami eingewechselt. Geht den Polen auf die Nerven. AP/AP / Laurent Cipriani

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