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Ministerpräsident Hassan Diab bei seiner Fernsehansprache. Bild: EPA

Libanon zahlt Euro-Anleihen nicht zurück – Staatsbankrott droht

Publiziert: 07.03.20, 20:12 Aktualisiert: 10.08.20, 11:58

Der mit einer schweren Wirtschaftskrise kämpfende Libanon steuert auf einen Staatsbankrott zu. Die Regierung erklärte am Samstag, in Kürze anstehende Zahlungen auf Staatsanleihen auszusetzen. Es handelt sich um Euro-Anleihen von 1.2 Milliarden Euro.

Die ausländischen Devisen-Reserven des Landes seien auf ein kritisches Niveau abgesunken, sagte Ministerpräsident Hassen Diab am Samstag im staatlichen Fernsehen. Deshalb sollten mit den Anleihe-Investoren faire Gespräche zur Umstrukturierung der Schulden begonnen werden. Dabei wird oft versucht, etwa die Zinslast zu drücken und Zahlungen aufzuschieben.

Potenzielle internationale Geldgeber hatten wiederholt Hilfen von Reformen im Libanon abhängig gemacht. Experten gehen davon aus, das der einzige Weg des Landes für finanzielle Unterstützung nun über ein Programm des Internationalen Währungsfonds führt.

Der Libanon steckt in einer Staats- und Finanzkrise, die sich seit Oktober verschärft hat. Landesweit war gegen Misswirtschaft und Korruption protestiert worden. Das Land kämpft mit Devisenengpässen, die wirtschaftliche Situation ist so schlecht wie seit dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 nicht mehr.

Sparer haben keinen freien Zugriff auf ihre Konten, die Zahl der Arbeitslosen und der Unmut der Bevölkerung steigt. Der eher dem Westen zugewandte Regierungschef Saad Hariri trat Ende Oktober zurück. Im Januar wurde Diab zum neuen Ministerpräsidenten ernannt. Er wird von der vom Iran unterstützten Hisbollah mitgetragen.

Im Libanon leben etwa sechs Millionen Menschen, darunter eine Million Flüchtlinge aus Syrien. Diab zufolge liegt die Staatsverschuldung inzwischen bei 170 Prozent der Wirtschaftsleistung, was den Libanon zu einem der am schwersten verschuldeten Länder weltweit macht. (sda/reu)

Humans of Syria – Sieben Schicksale von syrischen Flüchtlingen im Libanon.

Shog (45) lebt in einem selbstgebauten Zelt in der Bekaa-Ebene: «Ich habe keine Hoffnung, dass ich mein Heimatland oder meine Eltern in diesem Leben noch einmal sehen werde.» watson/rafaela roth / watson/rafaela roth
Bashar (19) hat schon drei Mal versucht, sich das Leben zu nehmen: «Für Syrer gibt es im Libanon keine Würde.» watson/rafaela roth / watson/rafaela roth
Zeinabs (40) Mann wurde eines Tages von der Polizei abgeholt: «Nun liegt alle Verantwortung bei mir. Keines meiner Kinder geht zur Schule.» watson/rafaela roth / watson/rafaela roth
Ismail (30) hat schon mal versucht, eine Reise nach Europa zu planen: «Ich habe Angst vor dem Meer. Das Meer bringt den Tod. Ich will es auf dem offiziellen Weg versuchen.» watson/rafaela roth / watson/rafaela roth
Fatma (20) mit Sidrah (8 Monate) bettelt in den Strassen Beiruts: «Dieses Leben ist ermüdend. Ich bin jeden Tag so unendlich müde.» watson/rafaela roth / watson/rafaela roth
Achmad zeigt ein Bild seines blühenden Gartens in Syrien: «Mein einziger Wunsch ist, irgendwann nach Syrien zurück zu kehren. Auch wenn es mein Zuhause nicht mehr gibt.» watson/rafaela roth / watson/rafaela roth
Zainab (50) und ihre Enkel leben zu zehnt in diesem Zelt: «Unser Glück liegt nicht mehr in unseren Händen. Das ist unterträglich.» watson/rafaela roth / watson/rafaela roth

Armenviertel im Libanon wird angemalt

Video: SRF / SDA SRF

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