International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Libanon erhält Milliardenhilfe von internationaler Gemeinschaft

Der Libanon ächzt unter Flüchtlingen und einer Wirtschaftskrise - nun hat die internationale Gemeinschaft dem Nachbarland Syriens Milliardenhilfen zugesagt. Bei einer Konferenz in Paris kamen am Freitag rund 6,6 Milliarden Dollar zusammen.



An dem Treffen nahmen der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri und der französische Präsident Emmanuel Macron teil. Ein Berater Hariris sagte in einer ersten Bilanz, der Grossteil des Geldes werde in Form von zinsvergünstigten Krediten fliessen, daneben gebe es aber auch Spenden in dreistelliger Millionenhöhe.

Insgesamt wollten die Konferenzteilnehmer nach französischen Angaben einen Investitionsplan in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar für das Land verabschieden. Er soll Investitionen in die Infrastruktur ermöglichen und eine politische Stabilisierung des Landes erlauben.

Lebanese Prime Minister Saad Hariri, left, speaks with French President Emmanuel Macron as they attend the international CEDRE conference in Paris Friday, April 6, 2018.International donors are set to give the green light to a $10-billion investment plan for Lebanon at the conference in Paris, hoping to stave off an economic crisis. Lebanon's economic growth has plummeted due to repeated political crises, compounded by the Syrian war which has sent a million refugees across the border -- equivalent to a quarter of the Lebanese population before the conflict. (Ludovic Marin / pool photo via AP)

Libanons Ministerpräsident Saad Hariri und der französische Präsident Emmanuel Macron. Bild: AP/AFP

Den grössten Einzelbetrag sagte die Weltbank zu. Sie will vier Milliarden Dollar in den kommenden fünf Jahren zur Verfügung stellen. Saudi-Arabien versprach zudem, eine Kreditlinie von einer Milliarde Dollar zu verlängern, die bisher vom Libanon nicht abgerufen wurde.

Von europäischer Seite stellte Frankreich mit 550 Millionen Euro an Krediten und Spenden den grössten Einzelbetrag in Aussicht. Kürzlich hatte Paris bereits Militärhilfe in Höhe von 14 Millionen Euro versprochen. Die Beziehungen zwischen Paris und Beirut sind traditionell eng, Frankreich war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Mandatsmacht des Libanon.

In this Monday, April 2, 2018 photo, construction cranes line the horizon, in Beirut, Lebanon. Some 50 countries and international organizations are expected at the CEDRE (Cedar) conference that begins Friday, in Paris, where Beirut will request up to $22 billion for an eight to 12 year investment program as it grapples with low growth and soaring debt. (AP Photo/Hassan Ammar)

Die libanesische Hauptstadt Beirut. Bild: AP/AP

Die Niederlande sagten nach französischen Angaben weitere 300 Millionen Euro zu, die Europäische Union 150 Millionen Euro und Grossbritannien und Italien jeweils 120 Millionen.

«Keine Insel»

Frankreichs Aussenminister Jean-Yves Le Drian begrüsste die Zusagen. Er betonte, der Libanon sei «keine Insel. Er hat mit voller Wucht die Auswirkungen der regionalen Konflikte und der Syrien-Krise zu spüren bekommen.»

Das Land mit gut sechs Millionen Einwohnern hat nach Angaben Le Drians mehr als eine Million syrische Flüchtlinge aufgenommen. Dazu kommen hunderttausende Palästinenser, die wegen des Konflikts mit Israel zumeist schon seit Jahrzehnten im Libanon leben.

epa06647758 Posters depicting photos of candidates for Lebanese parliamentary elections from competing lists posted on a Beirut street, Lebanon 05 April 2018. A total of 976 candidates have presented to the Ministry of Interior affairs of those, 111 candidates are women. This year's elections has the highest number of candidates ever recorded. The previous record was 702, in 2009. The 06 May 2018 general elections will be Lebanon's first in nine years.  EPA/NABIL MOUNZER

Im Libanon stehen bald Parlamentswahlen an. Bild: EPA/EPA

Im Verlauf der Syrien-Krise ist seit 2015 die Wirtschaftsleistung des Libanon massiv eingebrochen. Das Wachstum beträgt nur noch ein Prozent, vor der Krise waren es acht Prozent.

Das Treffen in Paris fand einen Monat vor der Parlamentswahl im Libanon teil, von der sich der Westen eine Stabilisierung des Landes erwartet. Es ist die erste Wahl seit neun Jahren.

Im Herbst war der Libanon in eine politische Krise gestürzt: Regierungschef Hariri verkündete während eines Aufenthalts in Saudi-Arabien überraschend seinen Rücktritt. Dies führte zu Spekulationen, das saudiarabische Königshaus habe ihn dazu gezwungen. Nach Intervention Frankreichs kehrte Hariri aber über Paris nach Beirut zurück, wo er seinen Rücktritt zurückzog. (sda/afp)

Sandsturm sucht Beirut heim

Libanon: Mauer der Güte für Menschen in Not

Video: srf

Mehr zum Libanon

Die syrischen Kriegsflüchtlinge und die Angst, das «Paris des Ostens» könnte untergehen

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Drogen, Krätze, Gewalt: Wenn die palästinensischen die syrischen Flüchtlinge aufnehmen

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

«Es platzt aus allen Nähten!» – Videotagebuch aus dem Palästinenser-Camp in Beirut

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Syrer auf der Flucht – warum Fatma bettelt, Bashar sich umbringen will und Ismail nicht schlafen kann

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Videotagebuch 1 aus einem libanesischen Flüchtlingslager: «Das hält man im Kopf nicht aus!»

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

«Warten, bis der Himmel keine Bomben mehr spuckt» – vom Elend syrischer Flüchtlinge im Libanon

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

SRK-Mann Thalmann im Libanon: «Grundsätzlich gibt es immer zu wenig Hilfe»

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

watson und das Schweizerische Rote Kreuz sammeln Spenden für syrische Flüchtlinge im Libanon

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

«Was ist mit Beirut?»: Viele Tote ≠ viel Berichterstattung – es kommt darauf an, wo es passiert

Link zum Artikel

Doppelanschlag galt Hisbollah-Hochburg in Beirut  ++ 43 Tote, 239 Verletzte ++ Terrormiliz IS bekennt sich

Link zum Artikel

Abfallkrise in Beirut: Aktivisten der «Ihr stinkt»-Kampagne besetzen stundenlang das Ministerium

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Neue EU-Asylreform betrifft auch Schweiz – Bund erfreut über «effiziente Rückkehrpolitik»

Die Schweiz begrüsst den am Mittwoch präsentierten Vorschlag der EU-Kommission zur Asylreform, wie das Staatssekretariat für Migration (Sem) schreibt. Man habe sich stets «für eine Reform des europäischen Migrationssystems engagiert», heisst es weiter.

Positiv sei insbesondere der breite Ansatz, mit dem die EU-Kommission die Migrationsthematik angehen wolle. Erfreulich sei ausserdem, dass einige der langjährigen Forderungen der Schweiz auch in das Strategiepapier Eingang gefunden hätten. Zum …

Artikel lesen
Link zum Artikel