Wirtschaft
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epa08277028 A handout photo made available by Lebanese official agency Dalati and Nohra shows Lebanese Prime Minister Hassan Diab speaks during a news conference at the government palace in downtown Beirut, Lebanon, 07 March 2020. Diab said, Lebanon will negotiate with creditors to reach a fair debt restructuring and the government will work to protect depositors' money. Lebanese leaders decided on 07 March not to pay the outstanding Eurobonds despite the reservations of holders of the bonds. Lebanon must decide whether to repay 1.2 billion USD in Eurobonds due on 09 March 2020.  EPA/DALATI AND NOHRA / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Ministerpräsident Hassan Diab bei seiner Fernsehansprache. Bild: EPA

Libanon zahlt Euro-Anleihen nicht zurück – Staatsbankrott droht



Der mit einer schweren Wirtschaftskrise kämpfende Libanon steuert auf einen Staatsbankrott zu. Die Regierung erklärte am Samstag, in Kürze anstehende Zahlungen auf Staatsanleihen auszusetzen. Es handelt sich um Euro-Anleihen von 1.2 Milliarden Euro.

Die ausländischen Devisen-Reserven des Landes seien auf ein kritisches Niveau abgesunken, sagte Ministerpräsident Hassen Diab am Samstag im staatlichen Fernsehen. Deshalb sollten mit den Anleihe-Investoren faire Gespräche zur Umstrukturierung der Schulden begonnen werden. Dabei wird oft versucht, etwa die Zinslast zu drücken und Zahlungen aufzuschieben.

Potenzielle internationale Geldgeber hatten wiederholt Hilfen von Reformen im Libanon abhängig gemacht. Experten gehen davon aus, das der einzige Weg des Landes für finanzielle Unterstützung nun über ein Programm des Internationalen Währungsfonds führt.

Der Libanon steckt in einer Staats- und Finanzkrise, die sich seit Oktober verschärft hat. Landesweit war gegen Misswirtschaft und Korruption protestiert worden. Das Land kämpft mit Devisenengpässen, die wirtschaftliche Situation ist so schlecht wie seit dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 nicht mehr.

Sparer haben keinen freien Zugriff auf ihre Konten, die Zahl der Arbeitslosen und der Unmut der Bevölkerung steigt. Der eher dem Westen zugewandte Regierungschef Saad Hariri trat Ende Oktober zurück. Im Januar wurde Diab zum neuen Ministerpräsidenten ernannt. Er wird von der vom Iran unterstützten Hisbollah mitgetragen.

Im Libanon leben etwa sechs Millionen Menschen, darunter eine Million Flüchtlinge aus Syrien. Diab zufolge liegt die Staatsverschuldung inzwischen bei 170 Prozent der Wirtschaftsleistung, was den Libanon zu einem der am schwersten verschuldeten Länder weltweit macht. (sda/reu)

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    Alle Leser-Kommentare
  • swisskiss 08.03.2020 15:37
    Highlight Highlight Libanon systemrelevant? Nope! Abschreiben als Verlust und weiter gehts.... Nie das grosse Ganze aus den Augen lassen...
  • Q anon = B annon 08.03.2020 10:41
    Highlight Highlight Armes Land! Und wenn die Weltbank hilft, heisst das auf Deutsch: Alles Privatisieren und Verscherbeln!
    So krass wie es klingt, dass ist für die die Geier Geschäfte Tätigen eine gute Nachricht! Jetzt kommen Leute wie der Milliardär Paul Singer. Kaufen überall Libanesische Staatsanleihen zu 10-15% des Nominalwerts.
    Geht dann an die Schuldnerverhandlungen und weigert sich Kategorisch 50-70-80% des Nominalwerts zu Akzeptieren. Nur 100% sind genug! Immer mit dem Gedanken, wenn die anderen 50% Annehmen wird man seine 100% gutheissen um den Schuldenerlass nicht zu Gefährden.
  • Smeyers 08.03.2020 10:19
    Highlight Highlight Der Libanon war schon lange am Ende. Der Iran hat mit der Unterstützung der Hizbolah Instabilität gefördert und wird nun davon profitieren das Land ganz zu übernehmen. Die Korrupten Politiker im Land konnten und wollten die Hizbolah mit ihrer zerstörerischen Energie nicht aufhalten weshalb das Land nie zur Ruhe kam.

    Eigentlich schade, der Libanon war die Schweiz des Ostens.
    • MartinZH 09.03.2020 01:49
      Highlight Highlight Iran ist doch faktisch auch pleite! Momentan gibt es nicht 'mal mehr genügend Fieber-Thermometer im Land. Iran hat zwar Öl, aber an der Tankstelle gibt es trotzdem oft kein Benzin. Und ihre verbündeten Terror-Milizen können schon längst nicht mehr mit genügend Dollars alimentiert werden, so dass diese in erster Linie nur noch marodierende Räuber-Banden sind.

      Mit diesem Image in der liban. Bevölkerung wird Iran, bzw. ihre terroristischen Milizen, kaum profitieren können. Auf alle Fälle ist zu hoffen, dass sich dieser Zustand bezügl. der Hizbolah-Milizen nicht so schnell verändern wird. Gut so!
  • MartinZH 08.03.2020 02:24
    Highlight Highlight Oje. Man fragt sich schon, was für welche Investoren in libanesische Anleihen investieren... 🤔

    Sind das einfach nur gierige Geldgeier, die auf hohe Zinsen aus sind? Oder etwa auch Schweizer Pensionskassen und die SNB, weil man die Investments ja schliesslich "diversifizieren" muss..? 🤔

    Es wäre eigentlich äusserst interessant, eine Statistik oder ein Ranking zu sehen, wer und welches Land die grössten Investoren, bzw. Gläubiger sind... 😉
    • MartinZH 08.03.2020 02:54
      Highlight Highlight OK, wenn nur Blitze und keine Antworten kommen, habe ich mich selbst auf die Suche gemacht.

      Aktuell ist Libanon mit 147 Prozent des BIPs verschuldet – hauptsächlich bei libanesischen Banken.

      Im Diagramm sind öffentliche Schulden mit Vollfarben und private Auslandsschulden schraffiert dargestellt.
      Bei den öffentlichen Schulden werden drei Gläubigergruppen unterschieden: multilaterale öffentliche Gläubiger – vor allem Entwicklungsbanken und IWF -, bilaterale öffentliche Gläubiger – das sind andere Regierungen – und private Gläubiger.

      Quelle (2016): https://erlassjahr.de/laenderinfos/libanon/
      Benutzer Bild
    • bebby 08.03.2020 05:38
      Highlight Highlight Die grössten Gläubiger sind die lokalen Banken und in absoluten Zahlen geht es nicht um sehr viel Geld. Vermutlich gibt es eine Umschuldung.
    • Ürsu 08.03.2020 05:45
      Highlight Highlight Blackrock möglicherweise.
    Weitere Antworten anzeigen
  • De-Saint-Ex 07.03.2020 22:54
    Highlight Highlight Der Libanon hat mit gut 1.5 Mio Flüchtlingen (davon 1 Mio Syrer) die pro Kopf höchste Zahl weltweit. Wieviel kriegt Erdogan von der EU für „seine“? Wenn im Libanon auch noch das Chaos ausbricht, wird die jetzige Flüchtlingskrise Peanuts gewesen sein. Wann Donnerwetter werden die Europäer begreifen, dass Frieden und Stabilität in dieser Region für sie überlebenswichtig ist? Aber nein, man überlässt alle Entscheidungen den USA und neu Russland! Selber schuld!
    • Locutus70 08.03.2020 00:51
      Highlight Highlight @De-Saint-Ex - Lt. Medien sind die Deutschen nun angeblich drauf gekommen, das man ja auch Libanon und Jordanien Hilfe für die Flüchtlinge zukommen lassen müsste.
    • rodolofo 08.03.2020 08:02
      Highlight Highlight Ich beobachte, dass sich eine Art "internationale Arbeitsteilung" herauskristallisiert.
      Man überlässt die Drecksarbeit der Sklavenhalterei und der Sklaventreiberei den grobschlächtigen Zweit- und Drittklass-Imperien China und Russland und spezialisiert sich auf das feinere und gehobenere Segment der Verwaltungs- und Finanz-Dienstleistungen.
      Das Modell "Gross Britannien nach dem Brexit" ist dafür zukunftsweisend und folgt dem Komplizenschmarotzer-Modell der "neutralen" Schweiz.
      Am Ende wird es eine einzige, neo-feudale Macht-Pyramide geben, mit dem globalen Geld-Adel an der Spitze...
    • misohelveticos 08.03.2020 10:03
      Highlight Highlight Lt. Forenbeiträge in schweizer Onlinemedien sind schweizer EU- und Deutschland-NULL-Raffer immer noch nicht dazu gekommen, erstmal nachzudenken, ehe sie Ihren Unsinn in die Welt hinausposaunen:
      "Seit dem Syrienkrieg ist Deutschland nach den USA der zweitgrößte bilaterale Geldgeber in beiden Ländern. Zwischen 2012 und 2017 wurden für Jordanien insgesamt 1,8 Milliarden Euro bereitgestellt. Für den Libanon waren es im Syrien-Kontext insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro."
      https://www.dw.com/de/dienstreise-im-zeichen-der-fl%C3%BCchtlingshilfe/a-44316133
    Weitere Antworten anzeigen
  • michiOW 07.03.2020 21:45
    Highlight Highlight Hoffentlich lässt der IWF das Land nicht hängen.
    • Hayek1902 08.03.2020 02:59
      Highlight Highlight Das liegt weniger am IWF als an den libanesischen Politikern selbst
    • rodolofo 08.03.2020 08:05
      Highlight Highlight Das Land?
      Ich denke, da geht es wieder einmal in erster Linie um die involvierten Banken und die in die Bankgeschäfte involvierten "ehrenwerten Herrschaften".

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