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Don Nachbaur soll den SCB nach einer missglückten Saison wieder an die Spitze führen. Bild: keystone

Mehr alternder Rockstar als Bandengeneral – die erste Begegnung mit dem neuen SCB-Trainer

Don Nachbaur ist in Bern angekommen. Niemand weiss, ob der neue SCB-Trainer einen Wintermantel brauchen wird. Sicher ist aber eines: Die Unterhaltung wird grandios sein. Begegnung mit einem der Letzten seiner Art.

Publiziert: 27.06.20, 14:23 Aktualisiert: 27.06.20, 15:00

Der Schauplatz ist gut gewählt. SCB-Kommunikationsdirektor Christian Dick stellt seinen neuen Trainer nicht in einem Konferenzraum oder einem Sitzungszimmer vor. So wie es bei gewöhnlichen Klubs der Brauch ist. Er lädt die Fotografen, die Chronistinnen und Chronisten in den Tempel ein. Unten, wo sonst das Eisfeld ist, sind auf einer Hälfte die Gerätschaften aus dem Kraftraum für den täglichen Gebrauch aufgestellt. So wird der Abstand zwischen den schwitzenden SCB-Stars in Zeiten der Virus-Krise gewahrt. Auf der anderen Hälfte eine Sitzgruppe, um bequem mit dem neuen SCB-Trainer plaudern zu können.

Wahrlich, hier unten, das riesige Dach der grössten Arena ausserhalb der NHL hoch über dem Kopf, wird jedem bewusst, welche Dimensionen die «Herausforderung SCB-Trainer» hat. Gewaltig ist diese Arena, mächtig der Klub. Aber klein und unbedeutend der Einzelne. Spieler und Trainer kommen und gehen – der SCB aber bleibt bestehen. Das ist die unausgesprochene Botschaft an diesem warmen Freitagmittag.

Don Nachbaur stellt sich den Medienschaffenden. Bild: keystone

Don Nachbaur wirkt viel jünger als 61. Federnden Schrittes eilt er an den wartenden Chronisten und Chronistinnen vorbei zum Fototermin, hält auf einmal inne, fixiert mich und fragt: «Sind Sie Klaus?» – «Ja» – «Wir müssen uns unterhalten.» – «Gerne.»

Gegenwind ist er sich gewohnt

Später sitzen wir also in der Lounge, hoch über uns unter dem Dach die verewigten Rückennummern der SCB-Stars als stumme Zeugen vergangenen Ruhmes. Ich erkläre Don Nachbaur, dass ich ihn als Operetten-Trainer aus Österreich angekündigt habe. Es sei halt meine Art, «böse» und polemisch zu sein. Er sagt, so etwas kümmere ihn nicht. Dass man ihm wenig zutraue, gehöre zu seiner Karriere.

«Als Junior hat es geheissen: Es reicht nicht für den NHL-Draft. Als ich gedrafted worden bin, hat es geheissen, es reicht nicht für einen Einsatz in der NHL.» Es reichte für eine respektable zehnjährige Profikarriere in der wichtigsten Liga der Welt. Und zum Abschluss zu einem vierjährigen Gastspiel in Graz, das ihm Kultstatus und die österreichische Staatsbürgerschaft eingebracht hat.

Über die Jahre hat sich Don Nachbaur einen Namen als Coach im nordamerikanischen Juniorenhockey gemacht und zuletzt war er anderthalb Jahre Assistent in der NHL und ein Jahr Cheftrainer in der Slowakei. Eigentlich ein ewiger Juniorentrainer. Warum ist er erst so spät «Boss» auf Profiniveau geworden? «Ich hatte verschiedene Angebote. Aber ich habe immer wieder abgelehnt und bin Juniorentrainer geblieben. Weil ich meiner Familie die ständige Herumreiserei ersparen wollte. Nun sind meine Kinder flügge geworden und für mich ist die Zeit für eine neue Herausforderung gekommen.» Die Herausforderung Männerhockey. Die Herausforderung SCB. Eine der grössten Herausforderungen, die es für einen Coach ausserhalb der NHL gibt.

Die Kommunikation als grosse Stärke

Die Gefahr, in zu grossen Schuhen zu stehen, ist erheblich. Solche Bedenken kümmern den Kanadier nicht. Schnell wird klar, dass der neue SCB-Cheftrainer ein grossartiger Kommunikator ist. Kein anderer Sport hat eine so reiche Kultur des «Storytelling». Gerade Nordamerikaner pflegen diese Kultur. Da ist Don Nachbaur keine Ausnahme. Er sagt, dass ihn im Hockey keine Herausforderung mehr bangen machen könne. Das Wort «Druck» kennt und mag er nicht. Und erklärt seine Furchtlosigkeit an einem Beispiel. «Wenn du Bob Probert gegenüberstehst, die Handschuhe fallen und 20'000 Fans in der Arena in Erwartungen eines Fights toben – dann kann dich im Hockey nichts mehr erschüttern.»

Nun, wo er recht hat, da hat er recht. Der viel zu früh im Alter von 45 Jahren an einem Herzversagen verstorbene Bob Probert war einer der härtesten Jungs der Hockeyweltgeschichte. Der «Schwergewichtsweltmeister» der NHL hat offiziell 232 statistisch erfasste Faustkämpfe auf dem Eis ausgetragen. Was ihm in 1018 Partien immerhin 3574 Strafminuten eingetragen hat. Don Nachbaur in 234-NHL-Partien immerhin 43 Fights bestritten und seinen Mann nicht nur gegen Bob Probert, sondern auch gegen Titanen wie Tiger Williams oder Bobby Schmautz gestanden. Sozusagen als «Operetten-Probert». Was als Kompliment gemeint ist.

Don Nachbaur spricht über seine neue Aufgabe in Bern. Video: YouTube/SC Bern

Tempo statt Schablonen-Hockey

Ja, wer keine Angst vor Bob Probert & Co. hatte, dem wird auch vor dem Job in Bern bange. Aber wir sind ein bisschen vom Thema abgekommen. So die Hockeygötter wollen, wird ja später noch viel Zeit sein, um Geschichten zu erzählen. Was mich für den Moment interessiert: Welches Hockey wird der SCB unter Don Nachbaur spielen? Die Antwort ist vielversprechend. Endlich einer, der nicht über Spielsysteme, nicht über Taktik doziert. Sondern über uriges, echtes Hockey. Fast vier Jahre lang hat der SCB unter der Leitung von Kari Jalonen höchst erfolgreich taktische Sinfonien gespielt und ist erst im letzten Jahr in taktischen Schablonen erstarrt. Nun dürfen wir uns auf den wahrscheinlich extremsten Stilwechsel in der SCB-Historie freuen.

Kari Jalonen feierte in Bern Erfolge – allerdings nicht mit attraktivem Eishockey. Bild: KEYSTONE

Harte Arbeit ist für Don Nachbaur die Grundvoraussetzung. Darüber brauchen wir keine weiteren Worte zu verlieren und die Arbeitseinstellung war in Bern sowieso schon immer tadellos. Es geht um den Stilwechsel auf dem Eis. Um es stark vereinfacht zu sagen: Don Nachbaur mag Vollgashockey. Er will Spieler, die schnell denken, schnell laufen, schnell spielen. Er mag Tempo und Intensität. Keine Frage: Es wird «räblen» im Tempel – zum Auftakt der Saison gleich gegen die ZSC Lions und anschliessend folgt das Gastspiel in Langnau. Eishockey mit Unterhaltungsgarantie.

Nicht ganz vier Jahre lang hat mit Kari Jalonen ein taktischer Herbert von Karajan das SCB-Orchester mit der Autorität eines Bandengenerals dirigiert und zwei Meisterschaften gewonnen. Nun kommt ein Bandleader für wilde Melodien. Mehr alternder Rockstar als Bandengeneral. Don Nachbaur ist in einer mehr und mehr «durchgetakteten» und «durchorganisierten» Hockeywelt auf höchst erfreuliche Art und Weise ein Exote. Einer, der Hockey als raues Spiel harter Männer und nicht als Planspiel auf den taktischen Kartentischen versteht. Einer der letzten seiner Art. Ein bisschen Arno Del Curto, ein wenig Larry Huras, eine Prise Kent Ruhnke und obendrauf noch ein Körnchen Scott Beattie und Ralph Krueger.

Kann das funktionieren? Das ist eine der ganz grossen Fragen vor der neuen Saison. Die Leitwölfe sind ergraut, die Mannschaft gehört nicht mehr zu den schnellsten der Liga. Mit Karacho in Konter laufen? Es sind die Jungen, die Don Nachbaur «retten», sein Hockey prägen müssen. Seine immense Erfahrung als Juniorentrainer wird ihm helfen.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

HC Davos: 5 - Marc Gianola. KEYSTONE / FABRICE COFFRINI
HC Davos: 69 – Sandro Rizzi. PHOTOPRESS / JUERGEN STAIGER
HC Davos: 78 – Jan von Arx. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
HC Davos: 83 – Reto von Arx. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
SC Bern: 0 – René Kiener. KEYSTONE / Marcel Bieri
SC Bern: 6 – Peter Stammbach.
SC Bern: 7 – Martin Rauch. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
SC Bern: 12 – Roland Dellsperger. KEYSTONE / STR
SC Bern: 16 – Sven Leuenberger. KEYSTONE / MARTIN SCHWEIZER
SC Bern: 18 – Renzo Holzer.
SC Bern: 22 – Patrick Howald. KEYSTONE / JUERG MUELLER
SC Bern: 26 – Marc Reichert. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
SC Bern: 28 – Martin Plüss. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
SC Bern: 31 – Renato Tosio. KEYSTONE / EDI ENGELER
SC Bern: 32 – Ivo Rüthemann. KEYSTONE / PETER SCHNEIDER
SC Bern: 39 – Marco Bührer. KEYSTONE / URS FLUEELER
SC Bern: 72 – David Jobin. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
ZSC Lions: 15 – Mathias Seger KEYSTONE/TI-PRESS / GABRIELE PUTZU
ZSC Lions: 21 – Reto Sturzenegger. KEYSTONE / STR
ZSC Lions: 23 – Chad Silver. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
ZSC Lions: 31 – Ari Sulander. KEYSTONE / URS FLUEELER
EHC Kloten (wegen der Nostalgie noch dabei): 4 – Marco Klöti. KEYSTONE / GABI MUELLER
EHC Kloten: 7 – Peter Schlagenhauf. KEYSTONE / STR
EHC Kloten: 20 – Reto Pavoni. KEYSTONE / JUERGEN STAIGER
EHC Kloten: 21 – Roman Wäger. KEYSTONE / SIGI TISCHLER
EHC Kloten: 22 – Viktor Stancescu. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
EHC Kloten: 24 – Felix Hollenstein. KEYSTONE / STR
EHC Kloten: 26 – Mikael Johansson. KEYSTONE / CHRISTOPH RUCKSTUHL
EHC Kloten: 32 – Anders Eldebrink. KEYSTONE / KARL MATHIS
EV Zug: 20 – Philipp Neuenschwander. KEYSTONE / MICHAEL KUPFERSCHMIDT
EV Zug: 21 – Patrick Fischer. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
EV Zug: 33 – André Künzi. KEYSTONE / EDI ENGELER
EV Zug: 57 – Fabian Schnyder keystone / ENNIO LEANZA
HC-Fribourg-Gottéron: 4 – Christian Hofstetter.
HC-Fribourg-Gottéron: 10 – Mario Rottaris. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
HC-Fribourg-Gottéron: 13 – Benjamin Plüss. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
HC-Fribourg-Gottéron: 19 – Philippe Marquis. KEYSTONE / EDI ENGELER
HC-Fribourg-Gottéron: 44 – Shawn Heins. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
HC-Fribourg-Gottéron: 85 – Gil Montandon. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
HC Fribourg-Gottéron: 90 – Wjatscheslaw Bykow. KEYSTONE / LUKAS LEHMANN
HC Fribourg-Gottéron: 91 – Andrei Chomutov. KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
HC Lugano: 1 – Alfio Molina. KEYSTONE / STR
HC Lugano: 2 – Sandro Bertaggia. KEYSTONE / KARL MATHIS
HC Lugano: 3 – Julien Vaucliar. KEYSTONE / ADRIEN PERRITAZ
HC Lugano: 4 – Pat Schafhauser. KEYSTONE / GABRIELE PUTZU
HC Lugano: 8 – Steve Hirschi. TI-PRESS / SAMUEL GOLAY
HC Lugano: 33 – Petteri Nummelin. KEYSTONE / KARL MATHIS
HC Lugano: 40 – Flavien Conne. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
HC Lugano: 44 – Andy Näser. PHOTOPRESS / KARL MATHIS
HC Ambri-Piotta: 8 – Nicola Celio. KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
HC Ambri-Piotta: 15 – Dale McCourt. KEYSTONE
HC Ambri-Piotta: 19 – Peter Jaks. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
HC Ambri-Piotta: 46 – Paolo Duca. TI-PRESS / FRANCESCA AGOSTA
EHC Biel: 30 – Olivier Anken. KEYSTONE / STR
EHC Biel: 12 – Mathieu Tschantré. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
SCL Tigers: 12 – Todd Elik. KEYSTONE / MARCEL BIERI
SCL Tigers: 17 – Daniel Aegerter. KEYSTONE / EDI ENGELER
SCL Tigers: 26 – Martin Gerber. KEYSTONE / ARNO BALZARINI
SCL Tigers: 44 – Walter Gerber. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
Genève-Servette HC: 0 – Daniel Clerc.
Genève-Servette HC: 4 – Eric Conne.
Genève-Servette HC: 6 – Fritz Naef.
Genève-Servette HC: 12 – Philippe Bozon. PHOTOPRESS / FABRICE COFFRINI
Genève-Servette HC: 24 – Jean-François Regali.
Genève-Servette HC: 28 – Igor Fedulov.
Lausanne HC: 10 – Gérard Dubi.
Lausanne HC: 16 – Claude Friederich.
Lausanne HC: 21 – Beat Kindler. KEYSTONE / FABRICE COFFRINI
Lausanne HC: 39 – Cristobal Huet. KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
SCRJ Lakers: 6 – Cyrill Geyer. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER

Dinge, die Hockey-Fans niemals sagen würden

Video: Angelina Graf

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