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«Dass es in der Schweiz solche Zustände gibt, ist nicht akzeptabel»

GC-Anhänger sorgen mit Pyrowürfen in Sion für einen Spielabbruch. Ein Tweet bringt das Unverständnis perfekt auf den Punkt. Und ein Schweizer Spieler nimmt kein Blatt vor den Mund.

Publiziert: 16.03.19, 21:31 Aktualisiert: 16.03.19, 22:47

GC-Chaoten provozieren Spielabbruch

Der Grasshopper Club Zürich ist dem Abstieg geweiht ... KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
Im vermeintlichen Schicksalsspiel der 25. Runde der Super League sorgten die Zürcher Fans in Sitten beim Stand von 0:2 für einen Spielabbruch. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
Es war in der 32. Minute, als die ins Wallis mitgereisten Fans der Grasshoppers erstmals die Notbremse zogen. Mehrere Petarden flogen aus dem GC-Block auf den Rasen im Tourbillon und zwangen Schiedsrichter Lionel Tschudi, die Partie kurzzeitig zu unterbrechen. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
Kurz nach der Pause flog erneut pyrotechnisches Material aus den Reihen der GC-Fans auf das Spielfeld, woraufhin Tschudi die Mannschaften in der 55. Minute in die Kabine zurückführte und die Partie später abbrach. Jetzt droht dem Schlusslicht der Liga eine 0:3-Forfaitniederlage sowie ein hohe Busse. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
Sion hatte Sekunden vor den Petarden-Würfen durch Pajtim Kasami auf 2:0 erhöht. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
Offensichtlich glaubten die Chaoten im Fanblock der Gäste nach dem 0:2 zur Pause nicht mehr an eine Wende in der zweiten Halbzeit. Sie ignorierten Tschudis Androhung, das Spiel bei weiteren Scharmützeln abzubrechen, und beraubten GC damit der Chance, einen Umschwung herbeizuführen. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
Auf einen Beschwichtigungsversuch von Präsident Stephan Anliker, der mit dem kompletten Team den schweren Gang vor die Kurve angetreten war, reagierten sie mit weiteren Fackelwürfen. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI
«Dieses Verhalten ist unentschuldbar», sagte Anliker im Interview mit Teleclub. Nun müsse endlich etwas passieren, so Anliker weiter. KEYSTONE / SALVATORE DI NOLFI

TV-Moderator Roman Kilchsperger, prominenter GC-Fan, twittert nach den wüsten Szenen in Sion:

«Jetzt hat der schlechte Stil die Fankurve erreicht. Das Hoffen weicht der Scham. Grauenvoll.»

Roman Kilchsperger quelle: twitter

Zu Beginn hatte es noch ganz anders ausgesehen auf den Rängen, aber dann ...

Liga-Präsident Claudius Schäfer sagte anschliessend im Interview mit Teleclub, der Schiedsrichter habe richtig entschieden, als er den endgültigen Spielabbruch verfügte. «Wenn Pyros geworfen werden, dann gefährdet man Spieler.» Der Fall müsse nun sehr schnell behandelt werden.

Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League. screenshot: teleclub

Die offizielle Reaktion des FC Sion

Der FC Sion bedauert das Ergebnis des heutigen Spiels und dankt seinen Unterstützern für ihre Unterstützung. In den kommenden Tagen wird die Swiss Football League das Follow-up zu dieser Unterbrechung mitteilen.

Pajtim Kasami, Schweizer Fussballspieler, der beim FC Sion unter Vertrag steht, fand nach dem Spielabbruch deutliche Worte:

«Ich finde es schade, was passiert ist. Ich habe schon in vielen Ligen Fussball gespielt. Dass es in der Schweiz solche Zustände gibt, ist nicht akzeptabel. Es tut mir vor allem leid für die Fans, die viel Geld ausgeben, um im Stadion guten Fussball zu sehen. Schade, dass es so enden musste.»

Pajtim Kasami, 26. screenshot: teleclub

«Die gegnerischen Fans verbieten, ich sehe keine anderen Massnahmen.»

Sion-Präsident Christian Constatin zur Frage, wie man Spielabbrüche im Tourbillon verhindern könne.

GC-Präsident Stefan Anliker:

«Was hier passiert, ist fast nicht zu glauben. Das kann man sich nicht vorstellen. Das ist unentschuldbar. Hier muss endlich mal was passieren. Man muss richtig durchgreifen, das muss Konsequenzen haben. Ich weiss nicht, was in den Köpfen solcher Menschen vorgeht. Die Fans waren so aufgegeilt, es war absolut sinnlos, mit ihnen zu diskutieren. Die waren wie wilde Tiere. Deshalb habe ich die Mannschaft zurückgerufen. Wir sollten miteinander arbeiten. So nehmen die Fans uns alle Chancen, den Abstieg sportlich zu verhindern.»

Stefan Anliker, GC-Präsident. bild: screenshot teleclub

Anliker nahm alle in die Pflicht, auch den Schweizerischen Fussballverband. «Es ist unentschuldbar und für den Schweizer Fussball und nicht nur für GC eine Katastrophe. Nun muss einfach endlich etwas gehen», so Anliker. Die Zeit des einfachen «Herumfabulierens» müsse endlich aufhören. «Es muss endlich einmal Konsequenzen haben.»

Was war passiert?

Man kann den Grasshoppers vielleicht vorwerfen, im Schicksalsspiel gegen Sion, das beim Stand von 2:0 für die Walliser abgebrochen werden musste, nicht von Beginn weg auf Touren gekommen zu sein. Man kann ihnen aber nicht vorwerfen, dass sie nicht alles dafür getan hätten, das Spiel in Sitten nicht doch noch in anständiger Manier beenden zu können. Ein kleiner Teil der mitgereisten Fans liess dies aber nicht zu.

Chaoten werfen weitere Fackeln

Als Schiedsrichter Lionel Tschudi die Mannschaften kurz nach Start der zweiten Halbzeit und erneutem Abbrennen pyrotechnischen Materials im GC-Block zurück in die Kabine schickte, unternahm GC angeführt von Präsident Stephan Anliker und CEO Manuel Huber einen Beschwichtigungsversuch bei den Fans. Gemeinsam mit Spielern und Trainer Tomislav Stipic traten Anliker und Huber den Gang aus der sicheren Garderobe und vor den wütenden Mob an.

Der Versuch, mit dem enervierten Block, den Anliker später im Interview mit Teleclub als «dermassen aufgegeilt» bezeichnete, in Dialog zu treten, scheiterte jäh. «Es war sinnlos, die haben uns nicht mal zugehört. Die waren wie wilde Tiere», gab Anliker als Grund an, wieso er die Mannschaft nach wenigen Sekunden vor der Kurve wieder zusammentrommelte und zurück in die Katakomben führte.

Der SRF-Bericht

Video: YouTube/SRF Sport

Anliker nahm alle in die Pflicht, auch den Schweizerischen Fussballverband. «Es ist unentschuldbar und für den Schweizer Fussball und nicht nur für GC eine Katastrophe. Nun muss einfach endlich etwas gehen», so Anliker. Die Zeit des einfachen «Herumfabulierens» müsse endlich aufhören. «Es muss endlich einmal Konsequenzen haben.»

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA

(dsc)

Betrunken zu Fuss unterwegs – das gibt hier eine Busse

Video: srf

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