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In den letzten Wochen blühte Granit Xhaka wieder auf. Bild: EPA

«Wir hatten früh ein sehr gutes Gespräch»

Lange hat Granit Xhaka geschwiegen. Im Januar kursierten Spekulationen, der Schweizer Mittelfeld-Star würde Arsenal zeitnah verlassen. Nun sprach er mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA über den Entscheid, seine Karriere in London fortzusetzen.

Publiziert: 09.03.20, 18:57

Im vergangenen November hatte sich Granit Xhakas Situation in seinem vierten Jahr in London markant verschlechtert. Bei einem Kaffee im Teamhotel der Schweizer Equipe sinnierte er über seine Absetzung als Captain von Arsenal und malte ein düsteres Bild: «So wird es für mich ganz schwierig.»

Eine irreparable Zerrüttung drohte. Zyniker und destruktive Fernbeobachter übernahmen den medialen Lead; der Ex-Skipper geriet zwischen die verhärteten Arsenal-Fronten.

Im Winter hielten viele einen Xhaka-Abgang bei Arsenal für wahrscheinlich. Bild: EPA

Das Verhältnis zum früheren Taktgeber Unai Emery war seit der fatalen Auswechslung gegen Crystal Palace angespannt. Der Spanier hatte Xhakas öffentlichen Liebesentzug der Supporter mit seinem wirren Coaching beschleunigt; der Bruch mit seinem Schlüsselspieler war nicht mehr zu verhindern.

Dem blamablen 1:2 im Europa-League-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt folgte ein nächstes Beben: Emery verlor 12 Stunden nach dem Debakel seinen Job, Xhaka kehrte nach der Freistellung des Trainers auch in der Premier League wieder ins Kader zurück.

«Ich versuche, der Mannschaft als Leader auf dem Rasen zu helfen.»

Granit Xhaka

Die Ruhe ist zurück

Der Wind hat seit jenen heiklen Tagen spürbar gedreht. Die Kritiker auf der Tribüne hielten sich zurück, das Gift wich aus den Debatten um den Basler – die Lage hat sich beruhigt.

Auf einen tiefschürfenden Rückblick «auf drei, vier wirklich schwierige Monate bei Arsenal mit viel Unruhe» verzichtet Xhaka explizit; er will die vergangenen Turbulenzen nicht mehr thematisieren. «Ich bin jemand, der nach vorne schaut und nicht lang im Vergangenen grübelt.»

Die Absetzung als Captain ist verarbeitet. «Für mich ist das erledigt. Ich versuche, der Mannschaft mit Professionalität und harter Arbeit als Leader auf dem Rasen zu helfen», sagte der 27-Jährige zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

«Da ist einer mit einem Plan gekommen, mit einer klaren Idee für mich als Spieler.»

Granit Xhaka

Der allgemeine Stimmungsumschwung ist eng mit der Ankunft von Mikel Arteta verbunden. Der langjährige Assistenztrainer von Pep Guardiola drehte sofort an den richtigen Schrauben. Die Wertschätzung und Empathie des früheren spanischen Professionals kommt Xhaka zupass. «Wir hatten früh ein sehr gutes und langes Gespräch, in dem er mir klargemacht hat, wie sehr er auf mich setzt und welche wichtige Rolle er für mich in seinem Spiel vorsieht.»

Seit Mikel Arteta Arsenal-Trainer ist, spielt Granit Xhaka wieder besser. Bild: AP

In neun von zehn Liga-Partien unter Arteta gehörte Schweizer zum Stamm und verlor in drei Wettbewerben nur ein Duell. «Meine Leistungskurve zeigt wieder nach oben. Da ist einer mit einem Plan gekommen, mit einer klaren Idee für mich als Spieler.» Xhaka blüht regelrecht auf, seit Artetas Engagement unterlaufen ihm kaum mehr Fehler. «Ich lerne jeden Tag von ihm, er macht mich noch besser.» Der Baske versteht die komplexen Zusammenhänge und setzt auf Werte, die Xhaka behagen: «Charakter, Teamspirit und Disziplin.»

Wechsel-Gedanken sind wieder weg

Ein vorzeitiger Ausstieg aus dem bis 2023 fixierten Vertrag ist in weite Ferne gerückt. Das Projekt Berlin ist vom Tisch; die Hertha hatte – damals noch unter Jürgen Klinsmann – mit einer hoch dotierten Offerte um Xhaka geworben.

Jürgen Klinsmann hätte Granit Xhaka gerne nach Berlin geholt. Bild: EPA

Zur Einigung kam es nicht, Arteta sprach sich vehement gegen einen Verkauf der Londoner Schlüsselfigur aus. Er wollte unter keinen Umständen auf seinen Chef-Passeur verzichten, der auf Klub- und Nationalmannschaftsebene die beeindruckende Zwischenmarke von 434 Partien vorzuweisen hat und seit seinem Debüt beim FC Basel im Schnitt auf gegen 80 Minuten Einsatzzeit pro Partie kommt.

Für Kränkungen ist beidseits kein Platz mehr. Selbst das enttäuschende Out in der Europa League gegen Olympiakos Piräus löste keine neuerliche Debatte aus. Im FA-Cup steht in knapp zwei Wochen der Viertelfinal gegen Sheffield United an, in der Premier League ist eine Top-4-Klassierung nach zuletzt drei Siegen in Folge zumindest wieder denkbar.

Einer wird die positive Entwicklung im Norden Londons mit Glücksgefühlen verfolgt haben: Vladimir Petkovic. Im EM-Jahr ist der Schweizer Nationalcoach mehr denn je auf seinen Mittelfeldstrategen angewiesen. Von Xhakas Verfassung hängt die SFV-Auswahl entscheidend ab. Der Gunners-Protagonist seinerseits freute sich über die Vertragsverlängerung des Schweizer Selektionärs: «Ich schätze seine Arbeit sehr, er hat ein Top-Standing im Team.» (dab/sda)

Die Rekordspieler der Schweizer Nati

Rang 25: Roger Wehrli, 69 Länderspiele (1978–1989). Stand: 1.07.2021 IMAGO / Pressefoto Baumann / IMAGO / Pressefoto Baumann
Rang 24: Blerim Dzemaili, 69 Länderspiele (2006–2018). EPA/KEYSTONE / WALTER BIERI
Rang 23: Fredy Bickel, 71 Länderspiele (1936–1954). PHOTOPRESS-ARCHIV / STR
Rang 22: Stéphane Henchoz, 72 Länderspiele (1993–2005). IMAGO / Contrast / IMAGO / Contrast
Rang 20: Raphael Wicky, 75 Länderspiele (1996–2007). KEYSTONE / ALESSANDRO DELLA VALLE
Rang 20: Tranquillo Barnetta, 75 Länderspiele (2004–2014). freshfocus / Andy Mueller/freshfocus
Rang 18: Admir Mehmedi, 76 Länderspiele (seit 2011). EPA / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Rang 18: Johan Djourou, 76 Länderspiele (2006–2018). PPR / NICK SOLAND
Rang 17: Haris Seferovic, 78 Länderspiele (seit 2013). keystone / GIAN EHRENZELLER
Rang 16: Ciriaco Sforza, 79 Länderspiele (1991–2001). KEYSTONE / STR
Rang 14: Severino Minelli, 80 Länderspiele (1930–1943). Presse Sports / Presse Sports/freshfocus
Rang 14: Andy Egli, 80 Länderspiele (1979–1994). KEYSTONE / KARL MATHIS
Rang 13: Patrick Müller, 81 Länderspiele (1998–2008). KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Rang 12: Valon Behrami, 83 Länderspiele (2005 – 2018). AP/AP / Manu Fernandez
Rang 11: Alex Frei, 84 Länderspiele (2001–2011). KEYSTONE / MICHELE LIMINA
Rang 10: Ricardo Rodriguez, 85 Länderspiele (seit 2011). KEYSTONE / ANTHONY ANEX
Rang 9: Hakan Yakin, 87 Länderspiele (2000–2011). KEYSTONE / WALTER BIERI
Rang 8: Gökhan Inler, 89 Länderspiele (2006–2016). Insidefoto / Insidefoto/freshfocus
Rang 7: Johann Vogel, 94 Länderspiele (1995–2007). KEYSTONE / EDDY RISCH
Rang 6: Xherdan Shaqiri, 95 Länderspiele (seit 2010). EPA/KEYSTONE / WALTER BIERI
Rang 5: Granit Xhaka, 98 Länderspiele (seit 2011). KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Rang 4: Stéphane Chapuisat, 103 Länderspiele (1989–2004). KEYSTONE / TEAM
Rang 3: Stephan Lichtsteiner, 108 Länderspiele (2006–2020). Daniela Frutiger / Daniela Frutiger/freshfocus
Rang 2: Alain Geiger, 112 Länderspiele (1980–1996). KEYSTONE / STR
Rang 1: Heinz Hermann, 118 Länderspiele (1978–1991). KEYSTONE / STR

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