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Der Blausee ist weltbekannt für sein blaues Wasser: Doch in den letzten Jahren wird er nach Regenfällen immer mal wieder hässlich trüb. Bild: own work/Adrian Michael

Tausende tote Fische und trübes Wasser: Illegale Entsorgung soll Blausee vergiftet haben

Ein Umweltkrimi im Berner Oberland: Illegale Entsorgungen in einer Baugrube, plötzliches Fischsterben und ein trüber Blausee – wurde der See vergiftet?

Publiziert: 16.09.20, 09:57 Aktualisiert: 16.09.20, 13:19

Seit 2018 hat der berühmte Blausee im Berner Oberland mit Problemen zu kämpfen. Fische sterben, das Wasser ist eine Sauce und die Betreiber sind geschockt. Unter Verdacht steht jetzt die illegale Entsorgung von kontaminiertem Altschotter beim Steinbruch oberhalb des Sees. Gibt es einen Zusammenhang?

«Das war ein gewaltiger Schock, den See so zu sehen», sagt Stefan Linder von der Blausee AG gegenüber dem SRF. «Wir hatten eine blau-grüne Sauce im See.» Die Fischzuchtanlage wurde ebenfalls hart getroffen: Über zwei Jahre starben dort tausende Forellen. Der Schaden beläuft sich mittlerweile auf 2 Millionen Franken.

Eine Untersuchung der toten Forellen und des Wassers des Blausees ergibt: Das Wasser ist kontaminiert. Es wurden krebserregende Stoffe und erhöhte Konzentrationen von Schwermetallen gefunden.

«Im Steinbruch Mitholz sind rund tausend Tonnen Schottermaterial illegal deponiert worden.»

Jacques Ganguin, Vorsteher Amt für Wasser und Abfall Bern

Recherchen der «Berner Zeitung», des Recherchedesks von Tamedia und der «Rundschau» von SRF ergaben, dass in den letzten Jahren beim Steinbruch Mitholz oberhalb des Sees illegal kontaminierte Metalle entsorgt wurden. Diese stammen aus dem Lötschbergtunnel, der zurzeit saniert wird. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass der Altschotter als Giftmüll entsorgt werden muss. Dies wurde aber gemäss den Recherchen so nicht eingehalten.

Auch der Kanton Bern bestätigt diesen Verdacht: «Im Steinbruch Mitholz sind rund tausend Tonnen Schottermaterial illegal deponiert worden», so Jacques Ganguin, Vorsteher Amt für Wasser und Abfall Bern.

Ein schrecklicher Fund: Seit 2018 sterben regelmässig Forellen. Bild: screenshot srf

Steinbruch weist jede Schuld von sich

Marcel Rychen, Verwaltungsratspräsident der SHB Steinbruch Mitholz AG, ist sich keiner Schuld bewusst. «Wir weisen die Anschuldigungen der Blausee AG in aller Form zurück», sagt Rychen gegenüber der «Rundschau». «Wenn es Missverständnisse gab, haben wir transparent und schnell gehandelt», sagt Rychen. Man habe die widerrechtlich deponierten tausend Tonnen wieder ausgebaggert und korrekt entsorgt.

«Die Abklärungen der Behörden und Laboruntersuchungen haben gezeigt, dass nie eine Gefahr für Mensch und Umwelt bestand», so Rychen. Der Kanton hat am 30. Juni Grundwasserproben genommen und keine Kontaminierung festgestellt.

Zusammenhang nicht ausgeschlossen

Die Proben der Blausee AG zeigen das Gegenteil: Es wurden die selben Giftstoffe wie in den verendeten Fischen gefunden. Für Stefan Linder ist der Fall klar: «Wir haben sehr viele und sehr klare Indizien, dass das Gift vom alten Schotter stammt», sagt er dem SRF.

Mitte Juni wurde ein Teil der Aktivitäten in der offenen Kiesgrube durch das Berner Amt für Wasser und Abfall gestoppt. Die beteiligten Unternehmen wurden angewiesen, den Altschotter fortan in eine spezialisierte Anlage nach Wimmis zu bringen und nicht weiter in den Steinbruch zu schütten.

Dass der Altschotter illegal entsorgt worden sei, steht ausser Frage. Das Amt schliesst einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen am Blausee und den illegalen Entsorgungen nicht aus. «Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Altschotter punktuell belastet war. Sollten aber überhaupt Schadstoffe ins Grundwasser gelangt sein, gehen wir davon aus, dass es bis zum Blausee einen grossen Verdünnungseffekt gäbe», so Ganguin.

Die Unternehmen dürfen aber weiterhin den Schotter in den Steinbruch leeren, um ihn von dort aus auf Lastwagen umzuladen. Die Blausee-Besitzer befürchten, dass bei Regenfällen weiterhin Schadstoffe in die Umwelt gelangen. Deshalb haben sie Strafanzeige eingereicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits. (cki)

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Video: SRF / Roberto Krone

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