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London sucht den Bercow-Nachfolger: Er ist der Favorit

Publiziert: 04.11.19, 12:44 Aktualisiert: 04.11.19, 13:41

Bild: EPA PARLIAMENTARY RECORDING UNIT

Acht Kandidaten, fünf Minuten Redezeit, und ein auf Händen getragener Sieger: In London waren am Montag alle Blicke auf das Parlament gerichtet, wo am Nachmittag der neue «Speaker» des Parlaments gewählt wird.

Der als Favorit für das Amt des Parlamentspräsidenten gehandelte Lindsay Hoyle sagte in einem Interview mit der Zeitung «Sunday Times», er sehe die Aufgabe des Amtes vor allem in der Rolle eines «Schiedsrichters».

Er wolle die aufgeheizte Stimmung im Parlament beruhigen – vor allem während der nächsten Brexit-Debatten, sagte der 62-Jährige weiter. Vier Frauen und vier Männer haben sich für die Nachfolge von John Bercow zur Wahl gestellt.

Lindsay Hoyle.

Der 56-jährige Bercow hatte den Posten des Parlamentspräsidenten zehn Jahre inne, Hoyle war genauso lange dessen Stellvertreter. Im Gegensatz zum lebhaften und wortgewaltigen Bercow, der das Amt mit seinen durchdringenden «Order»-Rufen prägte, betonte Hoyle im Interview, dass «die Menschen sich nicht an den Schiedsrichter erinnern wollen, sondern an das Spiel».

Konkurrenz von Labour

Hoyles stärkste Konkurrentin ist die Labour-Abgeordnete Harriet Harman. Auch die ehemalige Justizministerin setzt auf einen besänftigenden Stil. «Wir müssen aufeinander hören, anstatt uns gegenseitig anzuschreien», sagte die 69-Jährige der «Sunday Times».

Um die Transparenz des Amtes zu gewährleisten, mussten die Kandidaten zuvor ihre Bewerbungen von mindestens drei Abgeordneten aus anderen politischen Lagern absegnen lassen. Am Montagnachmittag hat jeder der Bewerber fünf Minuten Zeit, um die Parlamentarier zu überzeugen.

Bild: EPA

Der neue Parlamentspräsident braucht die absolute Mehrheit, um ins Amt gewählt zu werden. Es kann zu mehreren Runden kommen. Die Kandidaten, die unter fünf Prozent der Stimmen erhalten, fallen aus dem Rennen raus, bis am Ende ein Sieger feststeht. Dieser wird dann – wortwörtlich – auf Händen von zwei Abgeordneten zu seinem Stuhl getragen.

Legendäre «Order»-Rufe

Die Wahl des Parlamentspräsidenten erfolgt nach jeder Parlamentswahl oder nach dem Ausscheiden des Amtsträgers. Mit seinem eigenwilligen Stil stand Bercow mehr als drei Jahre lang im Zentrum der äusserst emotional geführten Parlamentsdebatten rund um den Brexit.

Seine legendär gewordenen «Order»-Rufe, mit denen er die Abgeordneten zur Ruhe ermahnte, hallten mehr als 14'000 Mal durch das Londoner Unterhaus. (aeg/sda/afp)

Das Brexit-Chaos seit Johnsons Amtsübernahme

Im Sommer 2019 hat Boris Johnson das Amt von Theresa May übernommen.
Johnson sah sich am Ziel seiner politischen Träume: Er hatte es in die Downing Street Nummer 10 geschafft.
Bereits zu seinem Amtseintritt befürchteten Kritiker, dass der Vorsteher der Tories den Bus vollends an die Wand fahren würde.
Oder würde die politische Ausnahmeerscheinung auf magische Art und Weise einen Ausweg aus der scheinbar verzwickten Situation finden?
Einige kauften ihm dies ab und sahen im 55-Jährigen genau «den richtigen Mann für den Job».
Als Johnson kurz nach Amtsantritt nach Schottland reiste, wurde offensichtlich, dass er lediglich einen No-Deal-Brexit im Angebot hatte.
Johnson hat an altbekannten Problemen zu nagen. Etwa mit dem Backstop, welcher eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland im Falle eines Brexits verhindern soll.
Auch Johnson beisst sich an Irland die Zähne aus.
Wieder ist die «Operation Yellowhammer» in aller Munde. Unter diesem Codenamen trifft unter anderem die britische Schatzkammer Vorbereitungen für einen harten Brexit.
Trotz aller Vorkehrungen könnten die Auswirkungen eines No-Deal-Brexits verheerend sein.
Boris Johnson versicherte derweil, dass er den Brexit nicht nochmals verschieben werde.
Doch die Alternativen sind dem Premierminister ausgegangen. Den Austritt verschieben will er nicht ...
... einen No-Deal-Brexit hat das Parlament abgelehnt ...
... und Neuwahlen will das Unterhaus ebenfalls nicht.
Johnson, der sich ganz auf den Plan seines Chefstrategen Dominic Cummings verlassen hatte, befindet sich in einer Sackgasse.
Johnson hat das Parlament in eine fünfwöchige Zwangspause geschickt. Die Gerichte sahen darin einen Verfassungsbruch.
Das Parlament kehrte zurück und alles fragte sich: Hat Boris Johnson die Queen angelogen?
Die ganze Sache wird immer komplizierter.
Nach der Brexit-Krise ist vor der Brexit-Krise.
Kommt es bis zum 31. Oktober tatsächlich zum Austritt? Oder wird er nochmals verschoben? So oder so, das Brexit-Theater wird vorerst kein Ende finden.

Letzter Arbeitstag für John Bercow

Video: SRF / SDA SRF

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