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Video: watson/lea bloch

«In Eritrea bist du Eigentum der Regierung» – zwei eritreische Geflüchtete klären auf

Der Eritreer Berih Adhanom lebt seit fünf Jahren in der Schweiz. Sein grösster Wunsch ist es, seine Familie wiederzusehen. Doch diese befindet sich im Kriegsgebiet Tigray und er erreicht sie seit über zwei Monaten nicht. Die Situation in Eritrea und für Eritreer in der Schweiz ist komplex – ein Überblick.
Publiziert: 24.01.2021, 17:44Aktualisiert: 24.01.2021, 11:34
Lea Bloch

Im äthiopischen Gebiet Tigray, das an Eritrea grenzt, wird derzeit ein blutiger Bürgerkrieg geführt. Es wird vermutet, dass der eritreische Diktator Isayas Afewerki der Drahtzieher des Konfliktes ist. Ausgetragen wird der Konflikt demnach zwischen der regionalen Regierung Tigrays und der Zentralregierung Äthiopiens. Angeblich ist diese mit der Regierung Eritreas verbündet, wie sich durch eritreische Truppen, die ins Kriegsgebiet gesandt wurden, vermuten lässt.

Die meisten Informationen, die über den Krieg vorhanden sind, stammen von der äthiopischen Zentralregierung. An unabhängige Informationen zu gelangen, ist kaum möglich. Es wird angenommen, dass Tausende von Menschen starben und viele in den Sudan geflohen sind.

Wie der Ethnohistoriker Wolbert Smidt gegenüber dem «Echo der Zeit» erklärte, sei die Situation sehr komplex. Das Tigray-Gebiet sei alles andere als eine friedliche Region, in der auch ein tiefes Misstrauen stecke. Dies sei unter anderem dem Krieg zwischen den Triginer und Eritrea, der bis 2001 herrschte, verschuldet.

Bild: watson
«In Eritrea sind die Menschen Eigentum der Regierung.»
Okbaab Tesfamaria, Eritreischer Medienbund Schweiz

Wie der Krieg Geflüchtete beeinflusst

Das Massaker, das zurzeit im Tigray-Gebiet stattfindet, beeinflusst auch die in der Schweiz lebenden Eritreer und Eritreerinnen stark. Eritreische Flüchtlinge, die der dortigen Diktatur entkommen wollen, flüchten oftmals nach Äthiopien oder in den Sudan. Dies führt dazu, dass sich viele Eritreer zurzeit in Flüchtlingslagern im Kriegsgebiet Tigray befinden. Okbaab Tesfamariam, der Mediensprecher des Eritreischen Medienbunds Schweiz, erklärt dazu im Video: «In Eritrea lebst du als Mensch quasi für die Diktatur. Du bist Eigentum der Regierung und darum flüchten viele Menschen aus dem Land.»

Die gesamte Tigray-Region ist seit dem 4. November von der Kommunikation mit der Aussenwelt abgeschnitten. Aufgrund dessen können Familienangehörige nicht erreicht werden. Das führt dazu, dass viele Geflüchtete in der Schweiz nicht wissen, wo sich ihre Familie aufhält. So geht es auch Berih Adhanom, ein eritreischer Geflüchteter, der seine Situation im obigen Video beschreibt.

Berih lebt seit fünf Jahren in der Schweiz und hat versucht, einen Familiennachzug zu beantragen. Denn seit fast sieben Jahren hat er seine Familie nicht mehr gesehen. Dazu kommt, dass er seit Anfang des Krieges keinen Kontakt mehr zu ihnen herstellen konnte. Doch ein Familiennachzug zu beantragen, ist für Berih Adhanom mit seinem Aufenthaltsstatus F (vorläufige Aufenthaltsbewilligung) kaum möglich.

Die Gesetze zum Familiennachzug in der Schweiz

Dafür gelten folgende gesetzliche Bedingungen, die erfüllt werden müssen:

  • Es dürfen lediglich Ehepartner und Partnerinnen und Kinder in die Schweiz geholt werden. Was bedeutet, dass unbegleitete Minderjährige in der Schweiz kein Recht auf Familiennachzug haben.
  • Der Antrag darf erst drei Jahre nach dem erhaltenen F-Ausweis gestellt werden.
  • Es muss ein Nachweis erbracht werden, dass die Geflüchteten die nötigen finanziellen Mittel haben, um den Unterhalt der Familienmitglieder sicherzustellen.
  • Die Wohnung muss – nach schweizerischen Gepflogenheiten – gross genug für die ganze Familie sein.

Berih Adhanom und Okbaab Tesfamariam, der Mediensprecher des eritreischen Medienbunds Schweiz, zeigen im folgenden Video auf, inwiefern der Tigray-Konflikt eritreische Menschen in der Schweiz beeinflusst.

Video: watson/lea bloch
Zeichnungen eines eritreischen Künstlers, der Folter am eigenen Leib erlebt hat. Die Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats hat sie mit seiner Erlaubnis zusammen mit ihrem Bericht veröffentlicht. Im Bild die Foltermethode «Helikopter».
Foltermethode «Helikopter» am Boden.
Foltermethode «Otto».
Foltermethode «Almaz» («Diamant»).
Foltermethode «Fackel».
Foltermethode «Ferro»: Eine sadistische Art, die Hände eines Gefangenen zu fesseln. Durch Zudrehen wird der Blutfluss gestoppt.
«Toilette» für Gefangene.