Aktuelle Themen:

Der neuseeländische Richter legte dem 28-jährigen Australier Brenton Tarrant in der Anhörung offiziell Mord zur Last. Bild: EPA/AAP

Moschee-Attentäter hatte weitere Angriffe geplant und sein Manifest der Regierung gemailt

Brenton Tarrant ist am Samstag einem Richter vorgeführt worden. Laut lokalen Medienberichten hat er sein Manifest kurz vor dem Attentat der Regierung geschickt.

Publiziert: 16.03.19, 04:32 Aktualisiert: 16.03.19, 13:25

Der Moschee-Attentäter von Christchurch, Neuseeland, ist am Samstag (Ortszeit) erstmals einem Richter vorgeführt worden. Der neuseeländische Richter legte dem 28-jährigen Australier Brenton Tarrant in der Anhörung offiziell Mord zur Last.

Tarrant stellte keinen Antrag auf Freilassung gegen Kaution und bleibt weiter in Gewahrsam. Am 5. April soll er wieder vor Gericht erscheinen.

Der Rechtsextremist und frühere Fitnesstrainer erschien in Handschellen und in einem weissen Gefängnishemd vor dem Richter. Mehrere lokale Medien berichten, ein mit einem Messer bewaffneter Mann habe versucht, Zugang zum Gerichtsgebäude zu erhalten, um Tarrant zu töten. Dem Mann sei der Zutritt verweigert worden.

Der australische Regierungschef Scott Morrison hatte den Angreifer am Freitag als einen «extremistischen, rechtsgerichteten, gewalttätigen Terroristen» bezeichnet. Tarrant hatte in zwei Moscheen in Christchurch das Feuer eröffnet und 49 Menschen getötet. Darunter mehrere Kinder. 42 weitere Personen wurden zudem verletzt. Der Attentäter filmte die Tat und veröffentlichte die Aufnahmen live im Internet.

Einen Tag nach der Tat liegen noch 39 Menschen mit Schusswunden in verschiedenen Spitälern der neuseeländischen Grossstadt. Elf davon befinden sich in Intensivbehandlung.

Unter den Todesopfern des Attentats sind auch Flüchtlinge, die erst vor kurzem aus Ländern wie Syrien nach Neuseeland gekommen waren. Beim Besuch eines Flüchtlingsheims mit Muslimen sagte Premierministerin Jacinda Ardern: «Neuseeland ist in Trauer vereint.»

Schnelle Reaktion der Sicherheitskräfte

Bei dem Terroranschlag brauchte die neuseeländische Polizei insgesamt 36 Minuten vom ersten Alarm bis zur Festnahme des mutmasslichen Täters. Im Wagen des 28-jährigen Australiers wurde ebenfalls ein Sprengsatz sichergestellt, wie die Polizei am Samstag weiter mitteilte.

Der Hauptverdächtige wollte nach Angaben von Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern weitere Taten begehen. Er habe zwei weitere Schusswaffen im Auto sowie die Absicht gehabt, seine Angriffe fortzusetzen, sagte Ardern am Samstag.

Die Zeitung «New Zealand Herald» berichtet, dass Brenton Tarrant sein Manifest kurz vor dem Attentat an Regierungsmitglieder geschickt hat. Ein Sprecher der von Ardern bestätigte, dass das Schreiben weniger als 10 Minuten vor dem Angriff eintraf. «Er erklärte in der Mail seine Gründe für die Tat. Er sagte nicht explizit, dass er einen Angriff plant. Es gab keine Möglichkeit ihn aufzuhalten.»

Mehr Schutz für Moscheen

Die neuseeländische Polizei verstärkte unterdessen die Massnahmen zum Schutz muslimischer Veranstaltungen und rief die Bürger über Twitter auf, Verdächtiges sofort zu melden.

Nach den USA und Grossbritannien verstärkte auch Kanada den Schutz von muslimischen Einrichtungen. In Toronto und Montreal, den kanadischen Städten mit den grössten muslimischen Gemeinden, verstärkte die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen für die mehr als hundert Moscheen dort, wie sie in der Nacht auf Samstag mitteilte. In Québec und anderen kanadischen Orten wurden ähnliche Schutzvorkehrungen getroffen.

Der kanadische Minister für öffentliche Sicherheit, Ralph Goodale, hob allerdings hervor, dass es «keine bekannte Verbindung» zwischen Kanada und den Anschlägen in Christchurch gebe. Unverändert gelte die mittlere Alarmstufe in seinem Land.

Laxes Waffenrecht

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern kündigte als Konsequenz aus dem Anschlag eine Verschärfung der Waffengesetze an. Tarrant hatte laut Ardern im November 2017 einen Waffenschein der Kategorie A erhalten und im folgenden Monat mit dem Kauf der fünf Waffen begonnen, die er bei dem Attentat benutzte.

In Neuseeland kann jeder Bürger über 16 Jahren einen Waffenschein erhalten, wenn er zuvor einen Sicherheitskurs durchlaufen hat. Mit dem Schein können dann rechtmässig Waffen erworben werden. Damit ist das Waffenrecht in Neuseeland deutlich laxer als in Tarrants Heimatland Australien.

Ardern bestätigte, dass der Attentäter bisher nicht im Visier der neuseeländischen Sicherheitsbehörden gewesen sei, obwohl er sich im Internet extremistisch geäussert hatte. Es werde geprüft, ob der Mann den Behörden früher hätte auffallen müssen, sagte die Regierungschefin. (sda/afp/dpa/reu)

Vom Terror zum Raub – Die Rote Armee Fraktion (RAF)

Die Rote Armee Fraktion (RAF) meldet sich zurück: Ihre Mitglieder Burkhard Garweg, Ernst-Volker Wilhelm Staub und Daniela Klette (von links) sollen im Juni einen Geldtransporter überfallen haben. EPA/DPA / BKA / BKA / HANDOUT
So könnten die drei Verdächtigen heute aussehen. Mehr als zwei Jahrzehnte war die RAF der Inbegriff von Terror und Mord in Deutschland. EPA/DPA / BKA / BKA / HANDOUT
Nun ist ein neues Fahndungsfoto hinzugekommen: Einer der Täter soll bei dem Überfall keine Maske getragen haben. Das Phantombild zeigt einen etwa 50 Jahre alten Mann mit «fransigen schwarzgrauen» Haaren und Schnauzbart. Er soll schlank und 1.80 bis 1.90 Meter gross sein. Ob es sich bei dem Phantombild um Garweg oder Staub handeln könnte, ist unklar. Polizei Wolfsburg / Polizei Wolfsburg
Die RAF war aus der Studentenbewegung der 1960er Jahre hervorgegangen. Ihre Geschichte begann am 3. April 1968 mit Brandanschlägen auf zwei Warenhäuser in Frankfurt. AP / CLAUS HAMPEL
Andreas Baader und Gudrun Ensslin, die Anführer der Gruppe, wurden bereits einen Tag nach den Anschlägen verhaftet. 1970 wurde Baader gewaltsam befreit. Diese Tat gilt als eigentliche Geburtsstunde der RAF. AP / STR
An der Befreiung war die Journalistin Ulrike Meinhof beteiligt. 1972 wurden die Terroristen erneut gefasst. Meinhof beging 1976 im Gefängnis Selbstmord. AP / STR
Am 24. April 1975 besetzten Mitglieder der «zweiten Generation» der RAF die deutsche Botschaft in Stockholm. Bei der Aktion kamen zwei Diplomaten und zwei Terroristen ums Leben.
1977 erreichte der RAF-Terror seinen Höhepunkt. Am 7. April wurde Generalbundesanwalt Siegfried Buback in seiner Limousine von einem Motorrad aus erschossen. AP / PETER HILLEBRECHT
Am 30. Juli 1977 wurde der Banker Jürgen Ponto in seinem Haus ermordet. AP / ROLF CASTELHUN
Mit der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer am 5. September 1977 begann der «Deutsche Herbst». Die Kidnapper wollten die inhaftierten RAF-Gründungsmitglieder freipressen. AP / STR
Zur Unterstützung entführten palästinensische Terroristen am 13. Oktober die Lufthansa-Maschine «Landshut» nach Mogadischu in Somalia. Die Eliteeinheit GSG9 stürmte am 18. Oktober das Flugzeug und befreite die Passagiere. AP SUEDDEUTSCHER RUNDFUNK / STR
Wenige Stunden nach der Befreiung nahmen sich Jan-Carl Raspe, Gudrun Ensslin und Andreas Baader (von links) im Hochsicherheitsgefängnis Stuttgart-Stammheim das Leben. AP
Die Leiche von Hanns Martin Schleyer wurde in Mülhausen im Elsass gefunden. An der Trauerfeier nahmen Bundeskanzler Helmut Schmidt und Bundespräsident Walter Scheel (rechts) teil. AP / DIETER ENDLICHER
Am 19. November 1979 überfielen RAF-Mitglieder die Filiale der Schweizerischen Volksbank an der Bahnhofstrasse in Zürich. Bei einer Schiesserei mit der Polizei im Shopville kam eine 58-jährige Passantin ums Leben. KEYSTONE / STR
Bei der Aktion wurde der RAF-Terrorist Rolf-Clemens Wagner verhaftet. Er erhielt eine lebenslange Zuchthausstrafe, die er in Deutschland verbüsste. 2003 wurde er entlassen. POLIZEI HANDOUT / STR
Ab Mitte der 1980er Jahre verübte die dritte RAF-Generation neue Attentate. Am 30. November 1989 kam Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen bei einem Bombenanschlag ums Leben. AP / KURT STRUMPF
Am 1. April 1991 starb Detlev Karsten Rohwedder, der Präsident der Treuhandanstalt. Deren Aufgabe war die Verwertung des volkseigenen Vermögens der ehemaligen DDR. AP ARCHIV / ROLAND WEIHRAUCH
Bei einem Polizeieinsatz am Bahnhof Bad Kleinen starben am 27. Juni 1993 der RAF-Terrorist Wolfgang Grams und ein Beamter der GSG-9. Es waren die vorerst letzten Opfer der RAF, die 1998 ihre Selbstauflösung verkündete. AP / FRANK HORMANN

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben