Aktuelle Themen:

Liz Cheney kämpft gegen Donald Trump – aber die Wahrheit wird ihr zum Verhängnis

Die mächtige Republikanerin Liz Cheney sagt Donald Trumps Lügen über die Präsidentschaftswahl den Kampf an. Das kostet sie nun ihr Amt – und womöglich ihre politische Karriere.

Publiziert: 12.05.21, 13:38 Aktualisiert: 12.05.21, 16:11
Fabian Reinbold, Washington / t-online

Hat die Trump-Anhänger gegen sich: Liz Cheney. Bild: keystone

Ein Artikel von

Auf ihren letzten Metern nahm sie kein Blatt vor den Mund. Donald Trumps Lügen über die vergangene Wahl stellten für die US-Demokratie eine «Bedrohung, wie es noch nie gab» dar. Er habe «die Wahl stehlen» wollen. Und wer seine Lügen decke, «ermutigt den Lügner» nur. 

Es war keine Demokratin, die spät am Dienstagabend im US-Kongress so redete, sondern eine der mächtigsten Republikanerinnen – noch. Denn ihr Widerspruch zu Trump wird Liz Cheney nun mit hoher Wahrscheinlichkeit ihr Amt kosten und bis auf weiteres ihre politische Karriere in der Partei.

Die Tochter des berüchtigten einstigen Ex-Vizepräsidenten Dick Cheney und die aktuelle Nummer drei der Republikaner im US-Repräsentantenhaus soll abberufen werden. Schon am Mittwoch dürfte es so weit sein.

In Washington ist man sich sicher, dass eine Mehrheit gegen die 54-Jährige steht. Der Tag markiert damit nicht nur den jähen Stopp einer republikanischen Karriere, sondern er verdeutlicht auch, wie gross die Macht des abgewählten Trump und seiner Verschwörungstheorien über seine Partei weiterhin ist.

Die Republikaner kehren zu Trump zurück

Cheney, eine Hardlinerin in der Aussen- und Sozialpolitik, gilt vielen Republikanern wegen ihrer klaren Worte gegen Trump nun als Verräterin. Sie hatte im Januar den Bruch mit ihm vollzogen, nachdem dessen Anhänger gewaltsam das Kapitol gestürmt hatten. Kurz darauf stimmte sie dafür, Trump des Amtes zu entheben – als eine von nur zehn Republikanern in der über 200-köpfigen Fraktion.

Trumps treue Anhänger hatten daraufhin im Februar erstmals versucht, sie von ihrem Posten zu entfernen. Damals scheiterten sie noch: Cheney gewann die geheime Abstimmung mit 145 zu 61 Stimmen. Dann passierten zwei Dinge.

Zum einen schwenkten wichtige Republikaner um, allen voran Kevin McCarthy , der Anführer der Republikaner im Repräsentantenhaus. Im Januar hatte auch er gesagt, Trump trage Verantwortung für die Gewalt im Kapitol. Doch bald schon flog McCarthy nach Mar-a-Lago, um sich mit Trump zu zeigen.

Trump ledert wieder los

Der Mann aus Kalifornien hat ein klares Ziel: Er will mit Trumps Hilfe die Halbzeitwahlen 2022 gewinnen und dann selbst mächtiger «Speaker» im Repräsentantenhaus werden. Schliesslich ist Trump an der Parteibasis weiterhin beliebt – dort glaubt auch eine Mehrheit seine Theorien über einen angeblichen Wahlbetrug.

Über den 6. Januar will McCarthy gar nicht mehr reden und so geht es plötzlich sehr vielen Republikanern. Sie wollen den Anschlag auf die Demokratie weder thematisieren noch im Parlament aufklären. Als Liz Cheney dennoch weiterhin Trump in der Sache widersprach, rückte Anführer McCarthy von ihr ab. In der vergangenen Woche entzog er seiner Nummer drei dann auch in aller Öffentlichkeit das Vertrauen.

Interessieren Sie sich für die US-Politik? Washington-Korrespondent Fabian Reinbold schreibt einen Newsletter über seine Eindrücke aus den USA und die Zeitenwende nach dem Ende der Trump-Präsidentschaft. Hier können Sie die «Post aus Washington» kostenlos abonnieren, die dann einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Zum anderen liess Trump einfach nicht locker. Immer wieder teilte er in Gesprächen in Mar-a-Lago und in seinen Pressemitteilungen gegen Cheney aus. Seit Anfang Mai spricht Trump wieder häufiger von einer angeblich gestohlenen Präsidentschaftswahl im November. Seine Pressemitteilungen drehten sich in den vergangenen zwei Wochen oft um die, wie er es am Sonntag formulierte, «Fake-Präsidentschaftswahl».

Eine Nachfolgerin von Trumps Gnaden

Ihr Mandat im Kongress hat Cheney noch bis Ende 2022 inne – bis vor kurzem galt ihre Wiederwahl im konservativen Bundesstaat Wyoming als sicher. Doch Trump machte bereits klar, dass er einen innenparteilichen Konkurrenten gegen Cheney ins Rennen schicken werde. Seine Widersacherin soll nicht nur das Amt in der Partei, sondern auch ihren Sitz im Kongress verlieren.

Cheney hofft laut Beobachtern darauf, dass der Wind in der Partei noch einmal drehen könnte – und sie dann als eine der wenigen Aufrechten dastehen könnte, die Trumps Unwahrheiten die Stirn geboten haben. Vor einer Woche schrieb Cheney einen Meinungsbeitrag in der «Washington Post». Ihr politisches Schicksal war ihr da bereits klar. Sie werde den demokratischen Prozess beschützen, schrieb Cheney, «egal wie die kurzfristigen politischen Konsequenzen ausfallen».

Ihre Nachfolgerin soll die relativ unbekannte Abgeordnete Elise Stefanik aus dem Bundesstaat New York werden. Auf vielen Politikfeldern ist die 36-Jährige deutlich gemässigter als Cheney. Doch das ist bei den Republikanern nur noch zweitrangig. Stefaniks wichtigste Qualifikation: Sie steht treu an der Seite Donald Trumps.

Trump und Bolton - eine Feindschaft in Bildern

Aussenpolitik nach Bauchgefühl, gefährliches Unwissen und ein unbändiger Wunsch nach einer zweiten Amtszeit - so beschreibt der frühere nationale Sicherheitsberater John Bolton den Regierungsstil von US-Präsident Donald Trump. AP/AP / Pablo Martinez Monsivais
Wenn man in den Bilderdatenbanken nach Fotos der beiden Politiker sucht, so fällt eines schnell auf: Man kommt auf den Gedanken, dass Bolton sein kritisches Buch schon lange geplant hat. AP/AP / Evan Vucci
«Es ist wirklich schwierig, irgendeine signifikante Entscheidung Trumps während meiner Zeit im Weissen Haus zu identifizieren, die nicht von Überlegungen zu seiner Wiederwahl getrieben war», schreibt Bolton in einem vorab vom «Wall Street Journal» veröffentlichten Kapitel. AP/AP / Andrew Harnik
Bolton schreibt der Zeitung zufolge, dass ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump nicht nur wegen der Vorwürfe in der Ukraine-Affäre, sondern auch wegen anderer Fälle gerechtfertigt gewesen wäre. Trump habe mehrfach strafrechtliche Ermittlungen zugunsten von «Diktatoren» unterbunden, etwa in Bezug auf China und die Türkei. Dabei sei es unter anderem um Ermittlungen gegen die Unternehmen ZTE und Halkbank gegangen, schreibt Bolton demnach. «Das Verhaltensmuster sah nach Behinderung der Justiz als Alltagsgeschäft aus, was wir nicht akzeptieren konnten», so Bolton. Er habe seine Bedenken damals auch schriftlich an Justizminister William Barr gerichtet. www.imago-images.de / Andrew Harrer
So habe Trump etwa nicht gewusst, dass Grossbritannien eine Atommacht sei und einmal gefragt, ob Finnland zu Russland gehöre, wie Bolton schreibt. Zudem soll Trump einen Nato-Austritt ernsthaft erwogen und eine Invasion Venezuelas als «cool» bezeichnet haben. www.imago-images.de / Oliver Contreras
Während eines Treffens mit dem Nordkoreaner 2018 habe Aussenminister Mike Pompeo Bolton einen Zettel zugesteckt, in dem jener über Trump geschrieben habe: «Der redet so viel Scheisse». AP/AP / Evan Vucci
«Ein Präsident darf die legitime Macht der Regierung nicht missbrauchen, in dem er seine persönlichen Interessen mit den Interessen des Landes gleichsetzt ...», schreibt Bolton über Trump. imago stock&people / ZUMA Press
Zur Frage, ob Trumps Handeln in der Ukraine-Affäre zu einer Amtsenthebung hätte führen sollen, nimmt Bolton nicht eindeutig Stellung. Er lässt aber keinen Zweifel daran, dass er Trumps Vorgehen für politisch motiviert und falsch hielt. «Ich dachte, die ganze Angelegenheit war schlechte Politik, juristisch fragwürdig und für einen Präsidenten inakzeptables Verhalten», zitiert die «Washington Post» aus Boltons Buch. Trump habe sich gegenüber der Ukraine von verschiedenen «Verschwörungstheorien» beeinflussen lassen, so Bolton. AP/AP / Pablo Martinez Monsivais
Bolton beschreibt auch, wie Chinas Xi Trump bei einem G-20-Gipfel gut vorbereitet und ausführlich schmeichelte, was dem US-Präsidenten spontane Zugeständnisse abtrotzte. Trumps Berater hätten sich im Nachhinein bemüht, die Situation wieder geradezurücken. Bei einem weiteren Treffen habe Trump Xi sogar gesagt, dieser sei «die tollste Führungsperson der chinesischen Geschichte». Die Lage der Menschenrechte in China - etwa die Demokratiebewegung in Hongkong oder die unterdrückte muslimische Minderheit der Uiguren - hätten Trump demnach nicht interessiert. Trump soll Xi sogar zur weiteren Unterdrückung und Internierung der muslimischen Minderheit in Umerziehungslagern ermuntert haben. AP/AP / Carolyn Kaster
AP / MARKUS SCHREIBER
imago stock&people / ZUMA Press
www.imago-images.de / Al Drago
Donald Trump,Wilbur Ross,Mike Pompeo,John Bolton,Peter Navarro AP / Susan Walsh
AP/AP / Andrew Harnik

Dieses Video soll Trump während des Impeachment-Verfahrens zum Verhängnis werden

Video: watson

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben