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Die Bundeswehr testet die Mitarbeiter einer deutschen Fleischfabrik auf das neue Coronavirus – ein solcher lokaler Ausbruch wirkt sich sofort auf den R-Faktor aus. Bild: keystone

Deutschland meldet R-Faktor von 2,88: Das sind die Gründe und so steht's in der Schweiz

Die Ansteckungsrate in Deutschland ist in den letzten Tagen deutlich über die kritische Schwelle von 1 gestiegen – das sind die Gründe dafür und so sieht die Situation in der Schweiz aus.

Publiziert: 22.06.20, 19:33 Aktualisiert: 23.06.20, 12:04

Coronavirus in Deutschland

Deutschland hat bereits Ende Januar die erste Person positiv auf das Coronavirus getestet. Danach ist die Kurve stark angestiegen. Bis zu 6000 Neuinfizierte sind zu Spitzenzeiten täglich dazu gekommen.

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Nach einem strikten Lockdown hat man das Virus in Deutschland in den Griff bekommen. Wenig überraschend sind die Zahlen nach den Lockerungen – wie auch in der Schweiz – wieder leicht angestiegen.

Täglich positiv Getestete in Deutschland

Bild: watson/ecdc

Inzwischen zählt Deutschland rund 190'000 positiv Getestete, also rund 230 Infizierte pro 100'000 Einwohner. Damit haben sich verhältnismässig weniger Leute infiziert als in der Schweiz (rund 370 Infizierte pro 100'000 Einwohner).

Am Montag meldet Deutschland ausserdem insgesamt 8885 Todesopfer im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Anstieg des R-Faktors

Die obere Grafik zeigt klar: Die Fälle in Deutschland nehmen wieder leicht zu. Und das wirkt sich sofort auf den R-Faktor, die sogenannte Reproduktionszahl, aus. Der R-Faktor besagt, wie viele weitere Personen eine einzige infizierte Person ansteckt. Liegt sie über dem kritischen Wert von 1, wird sich das Virus rein rechnerisch exponentiell ausbreiten.

Inzwischen schätzt das deutsche Robert Koch Institut (RKI) die Reproduktionszahl auf 2,88 (die aktuellste Schätzung wird jeweils für die Situation vor fünf Tagen berechnet und betrifft demnach den 17. Juni 2020). Obwohl diese Zahl aufgrund der Aktualität noch mit vielen Unsicherheiten verbunden ist, ist sie auf den ersten Blick alarmierend – schliesslich ist sie vom Maximalwert von Mitte März nicht mehr weit entfernt.

Entwicklung des R-Faktors in Deutschland

Der geschätzte R-Faktor (pink) und der Unsicherheitsbereich (grau). Bild: watson/robert koch institut

Doch die Experten vom RKI geben vorläufig Entwarnung: Schuld am Anstieg sind regionale Ausbrüche. Dazu zählt unter anderem der Ausbruch im grössten europäischen Schlachtbetrieb, in dem bisher über 1300 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

Am 17. Juni – und von diesem Tag stammt wie erwähnt die letzte Schätzung des R-Faktors in Deutschland – waren erst knapp die Hälfte dieser Fälle bekannt.

Zum erhöhten R-Faktor haben allerdings auch lokale Ausbrüche in den Bundesländern Hessen und Berlin beigetragen.

Angepeilter Zielwert

Um das Virus einzudämmen, versucht man auch in Deutschland, einen R-Wert von unter 1 zu erreichen. Er spielt schlussendlich auch eine grosse Rolle in der Diskussion um allfällige weitere Lockerungen – oder ob sogar bisherige Lockerungen zurückgenommen werden müssen. So fordert beispielsweise SPD-Politiker Karl Lauterbach für den Kreis Gütersloh, wo der betroffene Schlachtbetrieb zu Hause ist, einen erneuten Lockdown.

Auf nationaler Ebene scheint dies allerdings nicht nötig zu sein. Das Robert Koch Institut erklärt, dass sich die Fallzahlen in Deutschland insgesamt auf tiefem Niveau befinden: «Die weitere Entwicklung muss in den nächsten Tagen beobachtet werden, insbesondere in Bezug auf die Frage, ob es auch ausserhalb der beschriebenen Ausbrüche zu einem Anstieg der Fallzahlen kommt.»

R-Faktor in der Schweiz

Die «Swiss National Covid-19 Science Task Force» gibt auch für die Schweiz eine Schätzung der Reproduktionszahl heraus – allerdings betrifft die aktuellste Berechnung bei uns jeweils den Zeitpunkt vor 11 Tagen.

Die neusten Zahlen zeigen also die Situation vom 11. Juni 2020. Die Reproduktionszahl lag in der Schweiz an diesem Tag mit 1,08 leicht über der kritischen Grenze von 1.

In einem ähnlichen Bereich bewegt sie sich seit dem 30. Mai, an dem sie die Grenze von 1 erstmals wieder überschritten hat – es handelte sich um den Samstag am sonnigen Pfingstwochenende. Für diesen Tag meldete das BAG 41 positiv getestete Fälle.

Entwicklung Reproduktionszahl Schweiz

Bild: ncs-tf

Covid-19: «Contact Tracing» einfach erklärt

Eine Smartphone-App kann Leute warnen, die mit einer infizierten Person in engerem Kontakt standen. So lässt sich die Verbreitung des Coronavirus wirksam eindämmen. (Screenshot: srf.ch)
Der Stadtstaat Singapur bekämpft Covid-19 mit der «TraceTogether»-App, die auf hunderttausenden iPhones und Android-Geräten installiert ist. Die Funktionsweise ist ganz einfach ... EPA / WALLACE WOON
1. Man lädt die App aus dem offziellen App Store herunter und öffnet sie.
2. Man wird gebeten, Bluetooth auf dem Mobilgerät zu aktivieren, und man soll einwilligen, Standortdaten mit dem Gesundheitsministerium zu teilen.
3. Nun wird erklärt, dass mithilfe von Proximity-Technologie gemessen werden kann, wie nahe sich App-Benutzer kommen.
4. Um mitzumachen, muss man nur die eigene Handynummer eingeben und erhält daraufhin zur Bestätigung einen PIN-Code.
Wichtig zu wissen: Die höchst sensiblen Daten werden nicht wie in China oder Südkorea verwendet, um auf öffentlichen Online-Karten den Aufenthaltsort von Virusträgern anzuzeigen. Es geht darum, dass potenziell Infizierte persönlich gewarnt werden.
Der Datenschutz kann laut Experten gewährleistet werden, wobei es eine sichere Server-Infrastruktur braucht. Und wenn die Pandemie beendet ist, kann auch die App von den Handys gelöscht werden. KEYSTONE / ANTHONY ANEX

So wirkt sich eine Maske auf die Verbreitung von Viren aus

Video: watson

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