Kryptowährung Ethereum überspringt Marke von 4000 Dollar
Ethereum ist auf Höhenflug.
Bild: keystone
Eine Woche nach dem Sprung über die 3000er Marke lässt Ethereum auch die 4000 hinter sich. Die nach Bitcoin zweitwichtigste Cyber-Devise steigt um rund 19 Prozent auf ein Rekordhoch von 4155.65 Dollar. Damit summiert sich das Plus seit Jahresbeginn auf etwa 460 Prozent. Bitcoin kommt im gleichen Zeitraum «nur» auf etwa 100 Prozent.
«Die Rally hat gerade erst begonnen», sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Der Kapitalzufluss in die Cyber-Devise sei ungebrochen. Investoren betrachteten Ethereum als unterbewertet. Ein Sprung über die 5000er Marke sei nur eine Frage der Zeit, mittelfristig gehe es in Richtung 10'000 Dollar.
Institutionelle Anleger seien in Kryptowährungen aktiver, als es jene glauben, die den Markt nicht verfolgen, sagte Chris Weston, Chef-Analyst des Brokerhauses Pepperstone. Dabei ziehe Ethereum ganz besondere Aufmerksamkeit auf sich. «Das ist keine Spass-Devise, sondern hat technische Anwendungsmöglichkeiten.»
Umschichtung
Einige Investoren schichteten daher offenbar Geld aus Dogecoin in Ethereum um, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Die als Parodie auf Bitcoin gestartete Cyber-Devise hat seit dem Wochenende rund ein Drittel ihres Wertes eingebüsst und kostete zuletzt etwa 0.48 Dollar. Auslöser des Kursrutsches waren Aussagen von Tesla-Chef Elon Musk, der Dogecoin in einer TV-Sendung als «Abzocke» bezeichnet hatte. Seine Raumfahrtfirma SpaceX akzeptiert Dogecoin aber als Zahlungsmittel. Musk hatte den Kurs der Kryptowährung in den vergangenen Monaten mehrfach in die Höhe getrieben und auf Talfahrt geschickt.
Anders als Bitcoin wurde Ethereum nicht als reines Zahlungsmittel konzipiert. Es ist eine Art Plattform, bei der Transaktionen an bestimmte Bedingungen geknüpft werden können. Daher spiele Ethereum bei den derzeit heissen Themen «DeFi» und «NFT» eine wichtige Rolle, sagte Krypto-Experte Emden. Decentralized Finance (DeFI) ist die Bezeichnung für Finanzanwendungen auf Basis der Blockchain-Technologie wie zum Beispiel Kreditgeschäfte und andere Bank-Dienstleistungen. «NFT» steht für Non-fungible tokens, welche ein Asset einzigartig machen. Hierbei reichen die Anwendungsfälle von Sammelkarten bis hin zu virtuellen Welten und Digital-Kunst. (aeg/sda/awp/reu)
Die grössten Spekulationsblasen und Börsen-Crashs
Der Tulpenwahn in den Niederlanden gilt als die Mutter aller Finanzkrisen. Schon im 16. Jahrhundert entwickelte sich dort ein blühendes Terminwarengeschäft mit Blumenzwiebeln. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Händler spekulierten darauf, die zu dieser Zeit besonders beliebten Gewächse bei steigenden Preisen mit Gewinn weiterverkaufen zu können ... EPA/ANP / Koen van Weel
Die Preise gingen durch die Decke, eine Tulpenzwiebel kostete mehrere Tausend Gulden. Auch Durchschnittsbürger liessen sich von der Manie anstecken. EPA / ROBIN UTRECHT
Der Crash kam 1637 und brachte die niederländische Wirtschaft in arge Schwierigkeiten. Das Wort «Blase» kannten die Niederländer damals noch nicht. Sie sprachen von «Windhandel».
«Gründerkrach» 1873: Nach dem deutschen Sieg über Frankreich 1870/71 und der Gründung des Deutschen Reiches war die Konjunktur heiss gelaufen. Innerhalb von nur zwei Jahren wurden allein in Preussen 500 neue Aktiengesellschaften gegründet. Eisenbahngesellschaften nahmen hohe Kredite auf, um ihr Netz auszubauen ...
1873 schlug die Stimmung an den Märkten jäh um. Der «Gründerkrach» stürzte das Kaiserreich für Jahre in die Rezession. Die Regierung von Otto von Bismarck führte Schutzzölle ein, um das Land gegen Importe abzuschotten. Bundesarchiv, Bild 183-R15449 / CC-BY-SA
«Panik von 1907»: Im Oktober 1907 versuchten in den USA zahlreiche Sparer verzweifelt, ihr Geld bei den Banken abzuheben – und brachten die angeschlagenen Geldhäuser damit erst recht in Schwierigkeiten.
Das Phänomen ist seitdem als «Bank Run» bekannt – und wird von Politikern weltweit gefürchtet. Bild: Massenandrang der Sparer vor der städtischen Sparkasse in Berlin, 1931. o.Ang.
Der Schwarze Donnerstag: Einer der folgenreichsten Börsenabstürze der Geschichte fing ganz harmlos an. Der 24. Oktober 1929 sollte ein Handelstag wie jeder andere werden, als gegen 11 Uhr Chaos ausbricht. Nach jahrelangen Kursgewinnen im Dow Jones, auf die auch Kleinanleger aufgesprungen waren ...
wollten plötzlich alle nur noch eins: verkaufen. Der Schwarze Donnerstag geht in die Geschichte als Startpunkt von Weltwirtschaftskrise und grosser Depression ein.
Nach Jahren des Booms brechen 1997 in Südostasien die Börsen ein. Viele Investmentfonds ziehen panisch ihr Geld aus Ländern wie Südkorea oder Malaysia ab und investieren es lieber in den USA. Dort befeuert es bald die nächste Blase. AP/AP / Thaksina Khaikaew
Die Dotcom-Blase: Angetrieben vom Hype um das Internet stürmen Technologie-Indizes wie der NASDAQ oder der deutsche Nemax in immer neue Rekordhöhen. Der Börsengang der ehemaligen Siemens-Sparte Infineon wird damals derart gehypt, dass die Handelssysteme zusammenbrechen. AP/AP / Richard Drew
Im März 2000 folgt der Absturz: Panisch ziehen Börsianer ihr Kapital ab. Viele Kleinanleger verlieren ihr Vermögen. In Deutschland wurde 2003 der Nemax durch den TecDax ersetzt. In den USA reagierte die Notenbank mit einer Zinssenkung – und befeuerte damit die Immobilienblase. AP/AP / Mark Schiefelbein
US-Immobilienkrise, 2007: Über Jahre befeuern günstige Kredite den Bau von Einfamilienhäusern in den USA. Viele Familien gehen dazu über, ihr Eigenheim komplett auf Pump zu kaufen. Die Banken wiederum verpacken die Kredite in sogenannte Derivate und verkaufen sie weiter. Das Vorgehen soll angeblich die Risiken der Geldgeber bei einem Zahlungsausfall minimieren ... EPA/EPA / JUSTIN LANE
Das Gegenteil ist der Fall: Als ab August 2007 die Immobilienpreise zu sinken beginnen, entwickelt sich ein Strudel, der zahlreiche Banken mit sich zu reissen droht. Überall auf der Welt müssen Staaten «systemrelevante» Geldhäuser mit Milliardensummen retten. EPA/EPA / TANNEN MAURY
Bitcoin-Crash, 2018: Im Januar halbiert sich der in Rekordhöhen gestiegene Preis der bekanntesten Kryptowährung innert Tagen. Wie es weitergeht, ist offen. AP/AP / Lee Jin-man
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Video: watson / Helene Obrist, Emily Engkent
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