Man habe eine Lösung gefunden für den blockierten Container in Hamburg mit Medizinalgütern, teilte der Bund heute mit.
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Diese Länder blockieren derzeit Schutzmaterial auf dem Weg in die Schweiz
«Mit dem in Hamburg blockierten Container zeichnet sich eine Lösung ab», teilte Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, Staatssekretärin des Seco heute Mittwoch am Point de Presse in Bern mit.
Wie der «Tagesanzeiger» heute berichtete, blockiert der Deutsche Zoll in Hamburg einen Schiffscontainer mit Medizinalgütern, der eigentlich für die Schweiz bestimmt wäre. Der Container enthält eine Lieferung aus China, Deutschland diente nur als Transitland. Laut Ineichen-Fleisch habe man bezüglich des Containers nun eine Lösung gefunden.
Lastwagen noch immer blockiert
Anders klingt es im Falle eines Lastwagens, der ebenfalls an der deutschen Grenze zur Schweiz blockiert wird. Wie die «NZZ am Sonntag» publik machte, hindert der deutsche Zoll seit mehreren Tagen einen Lastwagen mit rund 240'000 Schutzmasken am Weitertransport in die Schweiz.
«Wegen des Camions sind wir in engem Kontakt mit den Behörden», so die Sprecherin des Seco. Dass sich auch hier eine Lösung abzeichnet, konnte Fleisch-Ineichen nicht bestätigen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel äusserte sich an einer Medienkonferenz zu den blockierten Lieferungen und dem Vorwurf eines Exportverbots. «Es gibt kein Exportverbot. Wir wollen einfach sichergehen, dass die medizinischen Materiale in die richtigen Hände kommen.»
Weitere Blockade in Italien
Nebst den beiden blockierten Lieferungen in Deutschland gibt es einen weiteren Fall in Italien. Dort wurde gemäss den Behörden eine Lieferung von Desinfektionsmitteln unterbrochen. «Auch hier sind wir im Gespräch mit den Behörden», sagt Fleisch-Ineichen.
Ob die Blockade der Länder überhaupt legal ist, wird sich zeigen. «Es gibt Ausnahmen und Sonderfälle, die eine Blockade von Gütern rechtfertigen, wir werden nun abklären, ob es sich um einen solchen Fall handelt», informiert Fleisch-Ineichen.
«Hoffen, dass die Bestände reichen»
Über den Lagerbestand müsse man sich laut Behörden aktuell noch keine Sorgen machen. «Was Schutzmasken und Hygienemasken angeht, bestehen Reserven», so Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit.
Laut Mathys habe der Bund ein Lager an 13 Millionen Schutzmasken. Mehr als die Hälfte davon wurde bereits auf die Kantone verteilt. «Aktuell sind noch sieben Millionen im Bestand des Bundes.»
Der Verbrauch der Masken steige jedoch deutlich. «Wir sind bemüht, die nötigen Mengen laufend zur Verfügung zu stellen. Wir hoffen, dass die Bestände reichen werden.» Man stehe mit den Kantonen in engem Kontakt und stelle das Material kontingentiert zur Verfügung. «Wir sind auch dabei, neues Material zu bestellen», so Fleisch-Ineichen, Staatssekretärin des Seco.
(ohe)
Grippe und Covid-19 im Vergleich
Bei der Diskussion um den Coronavirus wird oft die Grippe zum Vergleich herangezogen. Die WHO nennt Gemeinsamkeiten und Unterschiede:
EPA / ALEX PLAVEVSKI
Ähnlich ist demnach die Ausprägung der Infektionskrankheiten: Beide sind von einem Virus verursachte Atemwegserkrankungen, deren Verlauf sehr unterschiedlich sein kann - von symptomlos oder mild bis hin zu sehr schwer, mitunter gar tödlich. EPA / IGOR KUPLJENIK
Beide Erreger werden vorwiegend über Tröpfchen etwa beim Sprechen oder Husten oder auch direkten Kontakt übertragen. Darum greifen bei beiden auch die gleichen Vorsichtsmassnahmen: gute Handhygiene, in den Ellbogen oder ein Taschentuch husten, Kontakt zu Infizierten vermeiden. KEYSTONE/TI-PRESS / Alessandro Crinari
Unterschiede gibt es laut WHO bei der Ausbreitungsgeschwindigkeit: Influenza habe eine kürzere Inkubationszeit zwischen Ansteckung und der Ausbildung erster Symptome, zudem erfolgten die Ansteckungen in den Infektionsketten rascher aufeinander. Bei Covid-19 liege dieses Intervall bei etwa 5 bis 6 Tagen, bei Influenza bei 3 Tagen. Das bedeute, dass sich Influenza rascher verbreiten kann als Covid-19. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Hinzu komme, dass bei Influenza oft schon vor der Ausprägung von Symptomen weitere Menschen angesteckt würden. Bei Covid-19 seien zwar Übertragungen 24 bis 48 Stunden vor dem Auftreten von Symptomen bekannt, sie seien aber nach derzeitigem Kenntnisstand anders als bei der Grippe selten und spielten für die Weiterverbreitung kaum eine Rolle. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Ein weiteres wichtiges Kennzeichen ist die Ansteckungsrate. Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 wird nach WHO-Daten von einem Infizierten im Mittel an zwei bis zweieinhalb weitere Menschen weitergegeben - und damit an mehr als bei Influenza. Wegen der unsicheren Datenlage und verschiedenen den Wert beeinflussenden Effekten sei ein Vergleich bei diesem Aspekt aber nur eingeschränkt möglich, heisst es von der WHO. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Erhebliche Unterschiede gibt es im Bezug auf Kinder: «Kinder sind bedeutsame Treiber für die Übertragung von Influenzaviren in der Gemeinschaft», so die WHO. Für den Covid-19-Erreger zeigten erste Auswertungen, dass Kinder weniger betroffen sind als Erwachsene und nur selten deutliche Symptome entwickeln. Vorläufige Daten lassen demnach zudem annehmen, dass Kinder sich vor allem bei Erwachsenen anstecken - Erwachsene aber umgekehrt kaum bei Kindern. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
Schwere bis lebensbedrohliche Verläufe gibt es nach bisherigen Auswertungen bei Covid-19 häufiger als bei der Grippe. Der WHO zufolge ist der Verlauf bei 15 Prozent der Infizierten so schwer, dass eine zusätzliche Versorgung mit Sauerstoff nötig wird. EPA / JALIL REZAYEE
Bei 5 Prozent der Infizierten ist demnach künstliche Beatmung nötig. Auch die Todesrate liegt wohl höher als bei der normalen saisonalen Grippewelle - exakte Angaben lassen sich dazu aber derzeit kaum machen. AP / Sakchai Lalit
Als besonders von schweren Verläufen betroffene Risikogruppen gelten bei Influenza Kinder, Schwangere, Ältere sowie Menschen mit chronischen Krankheiten oder geschwächtem Immunsystem. Bei Covid-19 gehören Kinder und Schwangere nach derzeitigem Wissensstand nicht zu den Risikogruppen. EPA / NICOLA FOSSELLA
Zu beachten ist auch der Unterschied bei den Möglichkeiten für Behandlung und Vorsorge. «Zwar gibt es bereits eine Reihe klinischer Tests von Medikamenten in China, und es sind mehr als 20 Impfstoffe gegen Covid-19 in der Entwicklung, bisher aber gibt es keine zugelassenen Impfstoffe oder Therapien für Covid-19», so die WHO. Bei Influenza hingegen gebe es sowohl schützende Impfungen als auch zugelassene antivirale Medikamente. EPA / ALEX PLAVEVSKI
Die Forschung sucht fieberhaft nach Medikamenten gegen das Coronavirus
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