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Vladimir Petkovic wird zur EM vollständig geimpft – bei den Spielern wird die Zeit knapp. Bild: keystone

Petkovic hat bereits eine Dosis erhalten – das ist der Impfplan der Fussball-Nati

Heute in einem Monat bestreiten die Schweizer Fussballer ihr erstes Spiel an der EM gegen Wales. Nationaltrainer Vladimir Petkovic ist bereits ein erstes Mal geimpft – wie sieht es für die Spieler aus? Das sind die Hintergründe zur Nati-Impfstrategie.

Publiziert: 12.05.21, 15:10
etienne wuillemin und françois schmid-bechtel / ch media

Es wird eine Reise ins Ungewisse. In genau einem Monat spielt das Schweizer Fussball Nationalteam seine erste EM-Partie. In 12 Städten Europas findet diese EM statt. Die 24 Teams werden pausenlos am Reisen sein. Was einst als Jubiläumsturnier zum 60-jährigen Bestehen des europäischen Fussballverbands Uefa gedacht war, wird wegen Corona zur Herausforderung.

«Wir sind als Fussballer in der zweiten Reihe – und das ist richtig so.»

Vladimir Petkovic, Nationaltrainer

Die grösste Angst: Dass ­Corona auch noch während der EM wütet, und sich darum plötzlich ein ganzes Team oder mehrere Spieler in Isolation begeben müssen. Hoffnung macht der Fortschritt bei den Impfungen. Die Frage ist einfach: Reicht die Zeit, damit die Nationalspieler und der Staff rechtzeitig fürs Turnier geimpft werden?

Wie gross ist das Risiko der Nebenwirkungen?

Letzte Woche kommunizierte Swiss Olympic, dass Schweizer Sportlerinnen und Sportler nun ebenfalls Zugang zu Impfungen erhalten werden. Dies, nachdem nun der Impfstoff in den allermeisten Kantonen für sämtliche Bevölkerungsschichten zugänglich ist. An dieses Programm ist auch das Fussball Nationalteam angeschlossen.

Nationaltrainer Vladimir Petkovic und einige Staffmitglieder haben die erste Impfung bereits erhalten. Petkovic sagt: «Wichtig war, dass die Älteren Leute und die Risikogruppen priorisiert wurden. Wir sind als Fussballer in der zweiten Reihe – und das ist richtig so.»

Das Vorbereitungs-Camp der Schweizer Nati in Bad Ragaz beginnt am Mittwoch 26. Mai in Bad Ragaz. Der Flug nach Baku steht am 6. Juni auf dem Programm. Petkovic wird seine zweite Impfdosis wohl kurz vor Beginn des Zusammenzugs erhalten. «Ganz ohne Risiko ist das wegen den Nebenwirkungen nicht, aber die Vorteile überwiegen für mich», sagt er.

EM-Gegner Italien ist ­bereits geimpft

Komplizierter ist die Lage für die Spieler. Weil die meisten Schweizer in internationalen ­Ligen quer verteilt über ganz Europa spielen und in den letzten Wochen ein ziemliches Stress-Programm absolvierten mit meist zwei Partien pro ­Woche, konnten sie nicht in globo frühzeitig geimpft werden. So, wie das der zweite Schweizer EM-Gegner Italien anfangs Mai ­gemacht hatte.

Die Juventus-Spieler Giorgio Chiellini (rechts) und Federico Chiesa anfangs Mai auf dem Weg, um sich impfen zu lassen. Bild: keystone

Zudem überwiegt bei den meisten Klubs wegen des dichten Programms derzeit die Vorsicht. «Das Risiko von Nebenwirkungen und damit eines Ausfalls des betreffenden Spielers in entscheidenden Partien wollen viele Klubs nicht eingehen», ­erzählt Petkovic. Stand jetzt ist noch kaum ein Schweizer ­Nationalspieler geimpft.

«Der Staff wird nahezu komplett geimpft sein bis zur EM.»

Martin Maleck, Nationalmannschaftsarzt

Was bedeutet das nun? Der definitive Entscheid, wie das weitere Vorgehen aussieht, ist noch nicht gefällt. Das wahrscheinlichste Szenario sieht so aus: Sobald die Spieler in der Schweiz eingetroffen sind, wird jenen, die das möchten, ein Impftermin organisiert. So würden die Spieler dann nach der ersten Impfung an die EM ­reisen. Die zweite Dosis jedoch erst nach dem Turnier erhalten. Eine Impfpflicht gibt es indes für niemanden.

Zeitproblem? Auch eine Impfdosis mindert das Risiko einer Ansteckung

Gemäss jetzigen Erkenntnissen ist das Risiko einer Erkrankung am Coronavirus zwischen 60 und 70 Prozent kleiner für Personen, die bereits eine Impfdosis erhalten haben. Heisst: Die Impfung könnte sich für die Nati lohnen, auch wenn es vor der EM noch nicht für die zweite Dosis reicht. Martin Maleck, der Schweizer Teamarzt, sagt auf Anfrage: «Der Staff wird nahezu komplett geimpft sein bis zur EM. Das mindert das ­Risiko schon erheblich. Aktuell laufen Abklärungen, ob zusätzliche Impfungen für Spieler in der Schweiz noch möglich sein werden. Aber aufgrund der individuellen Reisedispositionen gestaltet sich das kompliziert.»

«Ich appelliere an die Eigenverantwortung aller. Bedeutet: Keine Freunde, kein Ausgang – einfach nur Zeit bei der Familie.»

Vladimir Petkovic, Nationaltrainer

Einige Schweizer Nationalspieler, die bereits an Corona ­erkrankten, werden ohnehin nur eine Impfdosis erhalten. Das ist bei Shaqiri, Schär, Seferovic, Mbabu, Widmer und Edimilson Fernandes der Fall. Bei Akanji geht man mittlerweile davon aus, dass er sich gar nicht angesteckt hat, sondern Opfer eines falsch-positiven Tests war.

Xherdan Shaqiri hatte das Coronavirus bereits. Bild: keystone

So oder so: Die Zeit rund um die EM wird wegen Corona auch für die Spieler speziell. Einen ­Lager-Koller befürchtet Nationaltrainer Petkovic indes nicht. «Allein schon wegen des ständigen Tapetenwechsels mit den verschiedenen Spielorten.» Und er ergänzt: «Ich werde alles ­dafür tun, um eine Sieger-Atmosphäre zu kreieren.»

Ein erstes Zückerchen werden die Spieler nach dem Camp in Bad Ragaz erhalten. Petkovic gewährt ihnen zwei freie Tage bei der Familie. «Klar appelliere ich an die Eigenverantwortung aller. Bedeutet: Keine Freunde, kein Ausgang – einfach nur Zeit bei der Familie. Ich bin überzeugt, dass die Spieler in diesen Tagen viel positive Energie für das Turnier tanken werden.» Wales, Italien und die Türkei sollen es zu spüren bekommen.

Die 13 schönsten WM-Momente der Schweizer Fussball-Nati

13. Schweiz – Holland 3:2, WM 1934 Bei ihrem allerersten Spiel an einer Weltmeisterschaft gewinnt die Schweiz im San Siro sensationell dank Brillenstürmer Poldi Kielholz.
12. Schweiz – Südkorea 2:0, WM 2006 Der Torjubel Philippe Senderos', dem Blut über die Nase rinnt, ist ein Bild für die Schweizer Fussballewigkeit. AP / KAI-UWE KNOTH
11. Schweiz – Italien 2:1 und 4:1, WM 1954 Zum Auftakt der WM im eigenen Land schlägt die Schweiz Italien mit 2:1. Aufgrund des Modus trifft sie noch einmal auf die Azzurri und schlägt sie auch ein zweites Mal (4:1).
10. Die Nacht von Sheffield, WM 1966 Zwei junge Engländerinnen nehmen das Schweizer Trio Werner Leimgruber, Leo Eichmann und Köbi Kuhn im Mini Cooper mit, es wird ein lustiger Abend. Weniger lustig findet es Nati-Trainer Dottore Alfredo Foni, er erwischt die drei, verzichtet im Startspiel gegen Deutschland auf sie.
9. Schweiz – Brasilien 1:1, WM 2018 Die Nati ringt Rekordweltmeister Brasilien zum Auftakt ein 1:1 ab. Heroisch ist vor allem die Leistung von Valon Behrami, der Superstar Neymar nicht zur Entfaltung kommen lässt. AP/AP / Darko Vojinovic
8. Schweiz – USA 1:1, WM 1994 Leider gibt es doch einen zweiten wie Bregy – nämlich Eric Wynalda. Nach 28 Jahren aber endlich der erste WM-Punkt für die Schweiz. KEYSTONE / STR
7. Schweiz – Deutschland 4:2, WM 1938 Trotz 0:2-Rückstand schlägt die Nati die Elf von Adolf Hitlers Nazi-Deutschland im Achtelfinal sensationell und zieht in den Viertelfinal ein.
6. Schweiz – Honduras 3:0, WM 2014 Die Schweiz braucht einen Sieg für die Achtelfinal-Qualifkation. Dank einem Hattrick von Xherdan Shaqiri kein Problem. AP / FELIPE DANA
5. Schweiz – Brasilien 2:2, WM 1950 Zweimal geht der WM-Gastgeber und -Favorit vor der unfassbaren Menge von 142'000 Zuschauern in Führung, zweimal gelingt Servette-Legende Jacky Fatton der Ausgleich.
4. Schweiz – Ecuador 2:1, WM 2014 Nach Valon Behramis Sturmlauf erlöst Haris Seferovic die Schweiz in der 94. Minute. Der wichtige Auftaktsieg ist in letzter Sekunde geschafft. AP / THEMBA HADEBE
3. Schweiz – Spanien 1:0, WM 2010 Das hätte niemand gedacht: Dank dem goldenen Tor von Gelson Fernandes und einer überragenden Defensivleistung schlägt die Schweiz zum Auftakt den Europa- und späteren Weltmeister. AP / Roberto Candia
2. Schweiz – Rumänien 4:1, WM 1994 Es ist die beste Partie der goldenen Generation um Chapuisat, Sforza, Knup und Co. und nach dem 1:1 gegen die USA die Qualifikation für den Achtelfinal. KEYSTONE / STR
1. Schweiz – Togo 2:0, WM 2006 50'000 Fans schreien die Schweizer zum Sieg gegen Togo und damit zur Achtelfinal-Qualifikation. Ein Stadion in Rot-Weiss, Gänsehaut-Atmosphäre pur! AP / EUGENE HOSHIKO

Schweizer Nationalspielerinnen über Rassismus

Video: watson

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