Wer klimabewusst lebt, profitiert vom neuen Gesetz.
bild: tbm
Wie teuer kommt uns das? Eine Rechnung zum neuen CO2-Gesetz
Die Schweiz stimmt am 13. Juni über das CO2-Gesetz ab. Es beinhaltet neue Abgaben: Wer dem Klima schadet, muss mehr bezahlen. Doch wie viel kostet dies jeden von uns? Und wie kann man sogar Geld erhalten? Einige Beispiele.
Das kann teuer werden: Nur in diesem Punkt sind sich Gegner und Befürworter des CO2-Gesetzes einig.
Die Befürworter sagen: Wenn die Schweiz jetzt nicht Massnahmen gegen den Klimawandel ergreift, wird dies das Land teuer zu stehen kommen, etwa wegen Trockenperioden, die der Landwirtschaft schaden. Und vor allem könnte dies zum Nachteil der Schweizer Wirtschaft werden: Denn die umliegenden Länder fördern innovative Technologien; ein neuer Markt entsteht, in dem die Schweiz nicht fehlen darf.
Ganz anders sehen es die Gegner. Sie sagen: Das Gesetz ist teuer, aber nutzlos. Sie befürchten nicht nur zusätzliche Kosten für Privatpersonen, sondern auch einen Standortnachteil aufgrund der hohen Abgaben. Und sie sind überzeugt: Einerseits handelt die Bevölkerung schon von sich aus immer klimafreundlicher, und die Technik macht grosse Fortschritte. Andererseits hat aus ihrer Sicht kaum einen Einfluss auf die Erderwärmung, wie viel CO2 die Schweiz ausstösst.
Drei Faktoren sind ausschlaggebend
Doch wie teuer käme das Gesetz den Einzelnen? Das hängt von drei Faktoren ab: Wie viel Benzin verbraucht Ihr Auto? Wie heizen Sie? Und wie oft fliegen Sie? In allen drei Bereichen gibt es neu höhere Abgaben (Details siehe unten). Die Absicht dahinter: Wer dem Klima schadet, der bezahlt mehr. Über finanziellen Druck soll so der CO2-Ausstoss aller gesenkt werden. Das Ziel ist ambitioniert: Bis 2030 soll er 50 Prozent tiefer liegen als noch 1990.
Doch nicht jeder muss mit dem Gesetz mehr bezahlen: Ein Teil der eingenommenen Abgaben wird an die Bevölkerung zurückbezahlt – über die Krankenkasse. Jede Person erhält gleich viel Geld: Der Bund rechnet mit 80 Franken pro Person und Jahr, die künftig zusätzlich zu den heutigen 87 Franken ausgerichtet werden. Familien erhalten den Betrag auch für die Kinder. Ob man unter dem Strich eine Abgabe bezahlt, hängt also davon ab, wie klimafreundlich man lebt. Wer energieeffizient lebt, wird sogar mit Geld belohnt.
Beispiel 1: Wer umweltfreundlich lebt, wird gut belohnt
Eine Familie, die klimabewusst lebt, profitiert. Zu den rund 350 Franken, die die Familie heute schon aus der Abgabe erhält, kommen künftig noch 320 Franken hinzu.
Beispiel 2: Das Extrembeispiel
Ob jemand künftig wirklich mehr bezahlen muss, hängt in erster Linie nicht vom Autofahren und nur bedingt vom Fliegen ab, sondern von der Heizung. Hier ein Beispiel eines Paares mit grossem, altem Haus und alter Ölheizung.
Beispiel 3. Der absolute Durchschnitt bezahlt geringfügig mehr
Im Portemonnaie der Schweizer Durchschnittsfamilie verändert sich wenig, vor allem wenn man bedenkt, dass die volle Abgabe 2030 erst anfällt und hier mit aktuellem Benzinverbrauch gerechnet wird. Vielleicht hat die Familie dann ja ein Elektroauto.
Beispiel 4: Alleinstehende haben keine Skaleneffekte
Wer alleine lebt, kann sich Nebenkosten nicht teilen; die Rückvergütung kommt nur einmal.
Beispiel 5: Das Paar, das sehr gerne reist
Neue Flugabgaben können einen Effekt haben. Man muss aber relativ viel fliegen.
Beispiel 6: Die Familie, die etwas mehr zahlen muss
Flüge in die Türkei, zwei Autos: Das sorgt für mässige Zusatzkosten. Auch hier zeigt sich: Die (fehlende) Heizung ist entscheidend.
Wie gerechnet wurde
- Die Berechnung wurde mit den maximal möglichen Abgaben im Jahr 2030 durchgeführt. Dass diese Obergrenzen ausgereizt werden, ist nicht gewiss: Bis 2030 werden die Abgaben stufenweise erhöht, abhängig davon, ob Einsparziele erreicht werden.
- Es wird mit aktuellen Zahlen gerechnet, etwa beim Benzinverbrauch. Bis 2030 dürften Motoren sparsamer sein.
- Investitionskosten, bspw. für den Ersatz von Ölheizungen, fehlen in der Rechnung. Die Gegner warnen: Die Konsumentenpreise könnten aufgrund von höheren Investitions- oder Produktionskosten steigen. Andererseits können neue Heizung längerfristig für tiefere Nebenkosten sorgen.
- Ein Teil der Abgaben fliesst in einen Klimafonds. Der andere Teil wird der Bevölkerung über die Krankenkasse zurückbezahlt. Der Bund rechnet mit zusätzlich 80 Franken Rückerstattung pro Person und Jahr (zu den heutigen 87 Franken aus der bereits bestehenden CO2-Abgabe). Die Gegner rechnen mit lediglich 30Franken zusätzlich. Sie argumentieren, dass die Einnahmen aus der Flugticketabgabe stark sinken werden, da es nach Corona weniger Flugbewegungen geben werde.
Aufforstungs-Potential in der Schweiz und weltweit
In der Schweiz befinden sich die für Aufforstung geeigneten Flächen vornehmlich im Mittelland, in den Voralpen und im Jura. Das zeigt sich deutlich in diesen Screenshots der Landesteile. Hier ist die Nordostschweiz zu sehen. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Die Südostschweiz. Hier gibt es vergleichsweise wenig geeignete Flächen. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Der Südwesten. Grüne Flächen finden sich mehrheitlich im Mittelland, dagegen kaum in den Alpen. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Der Nordwesten mit Mittelland und Jura. Hier sind am meisten grüne Flächen zu finden. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Europa im Überblick. Die Schweiz weist – neben Grossbritannien und Irland – ein grosses Aufforstungspotential auf. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Die USA und Kanada. Beide Länder verfügen zusammen über rund 180 Millionen Hektar potentieller Aufforstungsfläche. Die Great Plains dürften wohl aufgrund ihrer Bedeutung für die Landwirtschaft nicht grün gefärbt sein. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Mittel- und nördliches Südamerika. Bei den grünen Flächen im Amazonasgebiet könnte es sich zum Teil um abgeholzten Regenwald handeln. Brasilien hat etwa 50 Millionen Hektar potentielles Aufforstungsfläche. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Südliches Südamerika. Viel Aufforstungspotential gibt es in Paraguay, Argentinien und im südlichen Chile. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Nördliches Afrika und Arabische Halbinsel. Seltsam die grünen Flächen im Südosten Algeriens, also mitten in der Sahara, und in den Wüsten Saudi-Arabiens. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Südliches Afrika. Das grösste Aufforstungspotential findet sich südlich des Kongobeckens. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Zentrales und südliches Asien. Hier sind vergleichsweise nur wenige Flächen grün gefärbt. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Südostasien mit Indonesien und Neuguinea. Ausgerechnet die dicht besiedelte indonesische Hauptinsel Java ist am stärksten grün gefärbt. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Australien und Neuseeland. Viel grün vor allem entlang der australischen Ostküste. Das Land verfügt über knapp 60 Millionen Hektar potentieller Aufforstungsfläche. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Russland, das mit Abstand grösste Land der Welt, verfügt auch über das grösste Aufforstungpotential: Es sind 151 Millionen Hektar. Hier ist der europäische Teil des Landes zusammen mit dem westlichen Teil Sibiriens zu sehen. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Das zentrale und östliche Sibirien. Gut zu sehen ist übrigens, wie die Merkator-Projektion der Karte die Flächen gegen die Pole hin stark vergrössert. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
Der äusserste Osten Russlands und Alaska. Das Aufforstungspotential in Alaska ist deutlich höher. (karte: crowther lab / eth zürich) Crowther Lab / ETH Zürich
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Video: SRF / Roberto Krone
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