Schweiz öffnet Botschaft in Teheran wieder – mit einer gewichtigen Änderung
«Seit dieser Woche ist ein kleines Team der Schweizer Botschaft wieder in Teheran präsent», teilt das Aussendepartement (EDA) am frühen Freitagnachmittag mit. Es handle sich um ein «technisches Team» bestehend aus vier Schweizer Mitarbeitenden, das die «schrittweise Wiederaufnahme des Botschaftsbetriebs» vorbereite.
Es ist eine Rückkehr in ein fragiles Umfeld: Die Botschaft war am 11. März nach tagelangen Bombardements durch Israel und die USA auf Iran geräumt worden. Botschafter Olivier Bangerter schilderte nach seiner Rückkehr, wie er und sein Personal jeweils in der Nacht in den Kellerräumlichkeiten der Residenz ausharren mussten.
Zwar herrscht derzeit zwischen den USA und Iran eine Waffenruhe. Wie lange diese halten wird, ist aber ungewiss. Der Krieg kann jederzeit wieder ausbrechen.
Der Entscheid, die Botschaft schrittweise wieder zu eröffnen, sei nach einer Risikoanalyse gefällt worden, schreibt das EDA, dies «in Absprache mit Iran sowie den USA, deren Interessen die Schweiz im Rahmen ihres Schutzmachtmandats vertritt». Wann die Botschaft wieder den vollen Betrieb aufnimmt, ist offen. Das hänge von der Lageentwicklung ab: «Konsularische Dienstleistungen, einschliesslich der Visavergabe, können derzeit noch nicht angeboten werden.»
Hellhörig macht folgende Information aus der Mitteilung: «Das technische Team wird vom Schweizer Geschäftsträger geleitet.» Der Geschäftsträger ist in der Regel die Nummer Zwei einer Botschaft. Warum geht nicht Botschafter Olivier Bangerter voran?
Auf eine entsprechende Anfrage teilt das EDA mit:
Bangerter wird eine neue Aufgabe innerhalb des Departements übernehmen, die Botschafterstelle neu ausgeschrieben.
Was steckt hinter der Personalrochade?
Die Art der Information – erst auf Nachfrage – sowie die Formulierung lässt Raum für Spekulationen. Sind es tatsächlich persönliche Gründe, die den Botschafter an seiner Rückkehr hindern?
Bangerter hatte sich mit seinem Auftritt nach der Heimkehr nach Bern exponiert. Unter anderem hatte er von Weissweinvorräten in der Botschaft erzählt, was vom iranischen Botschafter in Bern prompt via «Blick» gerüffelt wurde. Im Iran ist Alkohol tabu.
Auch die Schliessung der Botschaft im März lässt Raum für Spekulationen, ob dieser Entscheid vorschnell gefällt worden sei: Vertretungen anderer EU-Staaten, etwa Finnland und Frankreich, blieben damals offen – obwohl sie keine Rolle als Schutzmacht haben. Zugleich bestätigten die Schweizer Behörden, dass keine Spezialisten des Armeedetachements AAD 10 die Ausreise Bangerters und seines Teams begleiteten. Diese Truppe ist explizit für solche Missionen ausgebildet. (aargauerzeitung.ch)
