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Postfinance schneidet im Gebührenvergleich schlecht ab. bild: keystone

Postfinance-Chef sorgt für rote Köpfe – dabei ist seine Bank schon heute eine der teureren

Ein lockerer Spruch von Bankchef Hansruedi Köng erzürnt viele Kunden. Ein Vergleich zeigt: Seine Bank gehört schon heute zu den teureren.

Publiziert: 11.05.21, 05:43 Aktualisiert: 11.05.21, 11:10
Daniel Zulauf / ch media

«Kunden, die nicht bereit sind, etwas zu bezahlen und auch keine zusätzlichen Dienstleistungen nutzen, werden wir nicht vermissen.» Diese Aussage machte Postfinance-Chef Hansruedi Köng vergangene Woche im Interview mit dieser Zeitung – und der Spruch hat seine Wirkung nicht verfehlt.

Der Artikel provozierte heftige Reaktionen: «Schau, schau. Die Arroganz der Grossbanken ist jetzt auch bei der Postfinance angekommen», kommentierte ein watson-User Köngs Gebührenstreich. Von «staatlich bewilligter Piraterie» ist in dem Forum die Rede. «Ich habe meine Postkonti schon vor Jahren gekündigt. Seither habe ich sie auch nicht vermisst», resümiert eine Leserin nicht frei von Schadenfreude.

«Nicht jammern, wenn ihr Kunden verliert»

Auch im «Blick», der den erwähnten Auszug aus dem Interview in leicht zugespitzter Form präsentierte, griffen wütende Leser zu Hunderten in die Tasten: «Gehen Sie Herr Köng – Sie wird auch niemand vermissen!», schrieb einer. Ein anderer mahnte: «Bitte in ein paar Jahren nicht jammern, wenn ihr viele Kunden verloren habt.» Dass die Postfinance mit der auf Anfang Juli angekündigten Gebührenerhöhung derart heftige Reaktionen provoziert lässt sich nicht allein mit den Kosten erklären, die manchen Kunden zusätzlich entstehen werden.

Zwar rückt die Postfinance in Sachen Preis ein weiteres Stück in die Nähe der Grossbanken vor, wie der Vergleichsdienst «Moneyland.ch» in einer direkten Gegenüberstellung relevanter Anbieter eines Privatkontos deutlich zeigt. Doch die Postfinance hatte ihren Platz als Preisführerin schon mit der letzten Preiserhöhung vor zwei Jahren an die Migros Bank verloren. Gegenüber dem Moneyland-Vergleich 2019 wird das Basisangebot der Postfinance, das neu den Namen «Smart» erhält, rund 60 Franken teurer.

Eine Postfinance-Sprecherin betonte auf Anfrage, dass die neuen smarten Bankpakete von Postfinance für etwa die Hälfte der 2.3 Millionen Kundinnen und Kunden gleichbleibende oder gar tiefere Gebühren zur Folge haben werden. Dies gelte insbesondere für jene Nutzer, die auf Papierdokumente wie Kontauszüge, Zinsabrechnungen oder Kreditkartenrechnungen verzichten könnten. Den Papierdienst, zu dem auch die beleggebundenen Zahlungsaufträge gehören, verrechnet die Post ab Juli mit einer Monatspauschale von fünf Franken oder just 60 Franken im Jahr.

Nicht zu Unrecht betont die Postfinance-Sprecherin, dass die papiergebundenen Prozesse für die Postfinance mehr Aufwand bedeuten als die digitalen Prozesse, in denen der Kunden einen grossen Teil der Arbeit selbst erledigen muss.

Postfinance erwartet Konsolidierung

Doch das Argument der verursachergerechten Preisstellung ist nur die halbe Erklärung für die Gebührenpolitik des Staatsinstituts. Das Negativzinsregime und die Suche vieler Sparer nach sicheren Plätzen Anlageplätzen haben der Postfinance in den vergangenen Jahren stark zugesetzt, zumal sie die Einlagengelder aus gesetzlichen Gründen nicht in gewinnbringende Kredite verwandeln darf.

Im Unterschied zur letzten Preiserhöhung im Jahr 2019, mit der die Postfinance auf zusätzliche Einnahmen in Höhe von über 70 Millionen Franken zielte, erwartet die Bank nun ein «Konsolidierung» der Kundschaft, wie sich Köng im Interview ausdrückte.

Kunden, die der Bank keinen Profit bringen beziehungsweise den neuen Preis nicht zahlen wollen sind unerwünscht, lässt sich die Aussage des Chefs übersetzen. So kann Postfinance Kosten sparen. Das macht der Betrieb freilich schon lange und so konsequent, dass er trotz der widrigen Rahmenbedingungen noch nie rote Zahlen schreiben musste und sogar üppige Dividenden an die Staatskasse abliefern kann, wie Köng stolz betont. So hat die Postfinance in den vergangenen Jahrzehnten rund 70 Prozent des beleggebundenen Zahlungsverkehrs von zahlreichen Geschäftsbanken übernommen und über die Masse erhebliche Kostenvorteile erzielt – bei höheren Gebühren. (aargauerzeitung.ch)

Nordkoreas berüchtigte Hacker – so arbeitet die Lazarus Group

Die Lazarus Group schlägt weltweit zu...
Die kriminelle Organisation ist für einige der schlimmsten Hackerangriffe und Beutezüge der IT-Geschichte verantwortlich.
«Wir glauben, dass Lazarus in den nächsten Jahren eine der grössten Gefahren für den Bankensektor, Finanz- und Handelsgesellschaften sowie Casinos darstellen wird», warnt die Sicherheitsfirma Kaspersky Lab. AP/AP / Damian Dovarganes
Die Hackergruppe beherrscht Aufklärungs- und Sabotage-Missionen, bedient sich aber auch der Methoden gewöhnlicher Cyber-Krimineller, um Geld zu machen. Sicherheitsforscher sprechen von einer «Malware-Fabrik», die im Laufe der letzten 10 Jahre hunderte Schadprogramme entwickelt und in die Welt gesetzt habe.
Erstmals für Schlagzeilen sorgte die Lazarus-Gruppe 2007 durch die «Operation Flame», das war ein Hackerangriff auf die südkoreanische Regierung. Es folgten unter anderem Server-Überlastungsangriffe (DDoS-Attacken) auf Finanzinstitute, Medien und andere private Unternehmen.
Jüngster Coup soll angeblich die Ransomware-Attacke mit dem Lösegeld-Trojaner «WannaCry» sein, die im Mai 230'000 Windows-Computer lahmlegte. Wobei festzuhalten gilt... EPA/EPA / RITCHIE B. TONGO
... dass die Beweislage alles andere eindeutig ist. Zwar wollen Sicherheitsforscher «enge Verbindungen» zu früheren Lazarus-Angriffen entdeckt haben. Doch beschränkt sich dies auf gemeinsame Code-Fragmente und Angriffs-Infrastruktur und könnte auch von (unbekannten) Dritten verwendet worden sein. AP/Yonhap / Yun Dong-jin
Fakt ist auch: Es spricht einiges gegen die Lazarus-Gruppe als Täterschaft. Nicht zuletzt die stümperhafte Umsetzung des Malware-Angriffs. Die Schadsoftware war nicht sauber programmiert, schlecht konzipiert und erzielte darum bis heute relativ wenig Lösegeld (im tiefen sechsstelligen Bereich). AP/AP / Andrew Harnik
Ganz anders ein Angriff, der mit grösster Wahrscheinlichkeit auf das Konto der Lazarus-Gruppe geht. 2014 attackierten die Hacker Sony Pictures mit dem Ziel, möglichst grossen Schaden anzurichten, was ihnen auch gelang. Sie drangen in die Server der Filmproduktionsfirma ein, stahlen laut eigenen Angaben bis zu 100 Terabyte Daten und veröffentlichten einen Teil im Internet, bevor sie alles löschten. Betroffen waren auch Hollywood-Stars... AP/AP / Damian Dovarganes
... es landeten private Korrespondenz, Gehaltslisten und Handynummern im Internet. Bei Wikileaks wurde der Mail-Verkehr von Sony-Managern mit teils brisantem Inhalt veröffentlicht. AP/AP / Luca Bruno
Die Sony-Pictures-Hacker nannten sich selber «Guardians of Peace», kurz GOP. Doch ergaben unabhängige Untersuchungen Hinweise auf die Lazarus Group. GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Christopher Polk
Der Hackerangriff soll die Rache für den Hollywood-Film «The Interview» gewesen sein, der sich über Nordkorea und dessen Diktator lustig machte. GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Marcus Ingram
Dass Kim Jong-un den Angriff auf Sony Pictures befahl, ist bis heute nicht bewiesen worden. Die Filmproduktionsfirma wurde aber von Unbekannten erpresst, «The Interview» nicht zu veröffentlichen. Der Kinostart fiel ins Wasser. YONHAP/KCNA / Kcna
Die Hacker seien professionell organisiert. Sowohl die Angriffstechniken als auch der Umgang mit infizierten Systemen liessen auf eine grosse Organisation schliessen.
Den Sicherheitsforschern zufolge hat sich Lazarus in jüngster Zeit der Beschaffung von finanziellen Mitteln zugewendet. Der Modus Operandi gehe dabei weit über das bei Cyberkriminellen übliche Mass hinaus.
In Phase 1 verschaffen sich die Hacker unbemerkt Zugriff auf die Computer-Systeme möglicher Opfer. Sie nutzen Sicherheitslücken in Microsoft-Software oder locken Ahnungslose auf Webseiten, wo Malware lauert. Dann folgt Phase 2...
... geht's ans Eingemachte. In Phase 4 sammeln die Hacker möglichst viele Informationen über die Infrastruktur des Angriffsziels. Sie durchstöbern Backup-Server und knüpfen sich auch den Mail-Server vor, wo sehr viele wertvolle Informationen liegen...
In der letzten Phase gehts ans Absahnen. Die Hacker wissen genug über das fremde IT-System, um ihre Malware gegen Sicherheitsmechanismen zu wappnen. Nun werden bei Hackerangriffen auf Finanzinstitute die Konten angezapft und Transaktionen durchgeführt.
Eindrücklich demonstriert wurde diese Vorgehen 2016: Da stahlen die Hacker unglaubliche 81 Millionen US-Dollar. Das Opfer: Die Zentralbank von Bangladesh. Und die Beute wäre noch viel grösser ausgefallen, wenn... (Illustration: Kaspersky)
... nicht ein kleiner Tippfehler dazwischengekommen wäre. Die Überweisung sollte an eine Stiftung in Sri Lanka gehen, aber statt «foundation» schrieben die Hacker «fandation». EPA/EPA / MARK R. CRISTINO
Der Name der Hackergruppe geht übrigens bis auf eine biblische Figur zurück. Jesus erweckte Lazarus von den Toten – hier auf einem Bild des berühmten Renaissance-Malers Michelangelo. Lazarus kommt aber auch als IT-Begriff vor (Wikipedia). EPA/EPA / FACUNDO ARRIZABALAGA
Sicher ist: Die Lazarus Group wird wieder für Schlagzeilen sorgen.

Wenn Erwachsene mit Geld umgehen würden, wie es Kinder tun

Video: watson / Knackeboul, Madeleine Sigrist, Emily Engkent

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