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Büsi

Da Menschen mit Kopfhörern in Büros unendlich unattraktiv sind, haben wir uns für Büsis entschieden. Beginnt beides mit «Bü».
Bild: Shutterstock

Aus deinem Kopfhörer kommt: Nichts. Wenn das Büro zur paranoiden Zone wird

Telefonieren ist blöd. Reden aber auch. Was wir unternehmen, um nicht von lästigen andern Menschen gestört zu werden.



Falls jemand gerade auf einer Baustelle arbeitet und einen Gehörschutz kennt, der hundert Prozent Lärm abblockt, soll er mir das bitte mitteilen, mein roter «Arton metal» hat's nämlich noch nie getan. Also nicht auf der Baustelle, bloss im Grossraumbüro. Dummerweise kann ich mich auch nicht konzentrieren, wenn ich zum Schreiben Musik höre. Der normale Mensch im Grossraumbüro kann das ja. Den ganzen Tag über Musik hören. Jedenfalls sieht es so aus. Aber inzwischen glaube ich das nicht mehr.

Die «New York Times» hat nämlich herausgefunden, dass amerikanische Grossraumbüro-Bewohner ab 22 Jahren zunehmend Kopfhörer aufsetzen – aber gar nichts hören. Die sind gar nicht so multitasking-fähig, so «wir vereinen eben mal unser schönstes Hobby mit der Arbeit und machen daraus eine kapitalistisch effiziente Wohlfühlzone». Nein, die tun nur so! Erstens, weil die Kopfhörer sie vor Lärm schützen. Zweitens, und viiiiiel wichtiger, weil sie so weniger angesprochen werden. Alle denken ja, die Kopfhörerträger seien in die neue Adele vertieft und glücklich in the zone. Sind sie aber gar nicht. Sie wollen bloss ihre Ruhe.

Büsi

Der ganz alltägliche Autismus.
Bild: Shutterstock

Allerdings wollen sie eine andere Art von Ruhe als meine lärmfreie Ruhe. Sie wollen auch eine menschenfreie Ruhe. Eine autistische Ruhe. Und sie wollen das im öffentlichen Verkehr, bei der Arbeit, beim Shoppen, im Gym, überall, wo kein Direktkontakt mit andern notwendig ist. Sie wollen nicht mehr sprechen.

Am Telefon kann man keinen Schutzwall aus Ironie und Emojis um sich aufbauen. Am Telefon sind wir nackt. Langweilig. Unsouverän.

Dass sowas wie ein Telefongespräch allmählich ausstirbt, weil die Menschen den auditiven Direktkontakt zunehmend scheuen und viel lieber schriftlich kommunizieren, das ist keine Neuigkeit. Telefongespräche sind für heutige Verhältnisse, da die Kommunikation immer weitere, entpersönlichtere, reguliertere Umwege über Apps und Social Media nimmt, zu direkt, zu raumgreifend und zeitraubend, oft auch zu persönlich.

Ein Telefongespräch ist heute, was früher das «Beziehungsgespräch» war, eine unendlich intime, lästige Angelegenheit zwischen zwei Menschen, aus der es keinen Ausweg gibt. Etwas, das Antworten, Vereinbarungen und Bekenntnisse einfordert. Ohne Aufschub. Nichts für Prokrastinierer. Am Telefon kann man keinen Schutzwall aus Ironie und Emojis um sich aufbauen. Am Telefon sind wir nackt. Langweilig. Unsouverän. Gewiss werden heute weit mehr Anrufe auf unseren Handys bewusst ignoriert als angenommen.

Büsi

Wie schon Tocotronic sagten: Digital ist besser.
Bild: Shutterstock

Ähnlich verhält es sich nun mit dem neuen Kopfhörertrend. Du darfst mich jederzeit über den Facebook-Messenger, über WhatsApp, über den Email-Hangout kontaktieren, signalisieren die Menschen in ihren Gehörbunkern, aber sprich mich bitte nicht an. Mach dich nicht in der Aura meiner Verletzbarkeit breit, hier, im Grossraumbüro, wo wir alle einander schutzlos ausgeliefert sind.

Ich kann's verstehen. Ich hab auch schon versucht, mich unter meinem – leider sichtbar unverkabelten – Lärmschutz-Kopfhörer zu verstecken, und ein Mitarbeiter hat gestanden, dass er jeweils nach Ablauf seiner Musik den stummen Kopfhörer zur Kontaktabwehr aufbehält. Willkommen in der Welt der offiziellen Office-Paranoia.

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