BDP
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BDP-Bundesraetin Eveline Widmer-Schlumpf,  spricht an der Delegiertenversammlung der Buergerlich-Demokratischen Partei Schweiz, BDP, am Samstag, 11. Januar 2014, in Thun. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

BDP-Parteipräsident Martin Landolt will die Berner Sektion von der SVP-Linie wegbringen. Bild: KEYSTONE

Tiefpunkt einer Partei

Das Debakel bringt BDP der CVP näher 

Nach der schmerzhaften Schlappe im Heimkanton Bern geht die BDP über die Bücher: Denn mit jeder verlorenen Stimme wackelt auch der Bundesratssitz von Eveline Widmer-Schlumpf.



antonio fumagalli, aargauer Zeitung

Ein Artikel der Aargauer Zeitung

Beim Fünfjahrjubiläum der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) im letzten November stimmte Präsident Martin Landolt grosse Töne an: «Gekommen, um zu bleiben, wir gehen nicht mehr weg. Gekommen, um zu bleiben, wie ein perfekter Fleck», rief er in Anlehnung an einen Song der deutschen Popgruppe «Wir sind Helden» den Parteimitgliedern zu. Die Begeisterung im Saal war gross, schliesslich durfte man den Jahrestag nach zahlreichen Wahlerfolgen auf nationaler und kantonaler Ebene mit geschwellter Brust feiern. 

Am Sonntag folgte nun der Aufprall auf dem harten Boden der Realität. Bei den Wahlen in den Grossen Rat des Kantons Bern verlor die BDP 11 der 25 Sitze, die sie vier Jahre zuvor auf Anhieb gewinnen konnte. Sogar der Fraktionschef wurde abgewählt. 

Die Ohrfeige schmerzt umso mehr, weil sie in einem für die BDP absolut zentralen Kanton erfolgte. Bern ist die mit Abstand stärkste Kantonssektion, die nicht weniger als die Hälfte der zehn Bundesparlamentarier stellt. Die Berner Schlappe zieht dabei auch der nationalen Partei den Boden unter den Füssen weg: Wie das Zentrum für Demokratie Aarau (ZDA) – gewichtet nach den jeweiligen Kantonsgrössen – berechnet, sinkt der BDP-Anteil an den kantonalen Parlamentsmandaten von 4 auf nunmehr 3,1 Prozent. 

Bei der BDP leckt man sich nun die Wunden: Nach dem Höhenflug vor vier Jahren habe man mit einer Stagnation oder einem leichten Rückgang des Wähleranteils rechnen müssen, der Einbruch in diesem Ausmass sei aber «völlig überraschend» gewesen, sagt Hansjörg Hassler, Chef der Bundeshausfraktion. Dass die Berner Kantonspartei keine Listenverbindungen eingegangen ist, sei im Rückblick ein Fehler gewesen. «Sie haben sich wohl zu sicher gefühlt», so Hassler. 

Für BDP-Präsident Landolt hat sich die Berner Sektion zu wenig stark von der SVP, aus der sie herausgewachsen ist, emanzipiert. «Wenn eine Partei einfach mit einem anderen Namen und einem anderen Stil die gleiche Politik weiterführt, bevorzugen die Wähler das Original», sagt Landolt. Anlässlich einer Vorstandssitzung am Freitag will er die Frage der inhaltlichen Positionierung «dezidiert ansprechen». 

Je geschwächter, desto abhängiger

Mit dem Berner Ergebnis gewinnt auch eine andere Debatte wieder an Brisanz: die Fusion der BDP mit der CVP. Landolt sieht dazu zwar «nach wie vor keinen Anlass» und auch CVP-Präsident Christophe Darbellay betont auf Anfrage, es gebe keinen Grund, an der bestehenden, engen Zusammenarbeit zu rütteln. Dennoch ist klar: Der Handlungsspielraum wird für die geschwächte BDP kleiner. «Je mehr sie an Selbstbewusstsein verliert, desto abhängiger wird sie», sagt ZDA-Politologe Daniel Bochsler. 

Und für die traditionell in den katholischen Kantonen starke CVP wäre eine engere Kooperation die willkommene Gelegenheit, sich in den protestantischen BDP-Stammlanden festzusetzen. Im Februar bezeichnete CVP-Fraktionschef Filippo Lombardi im Interview mit der «Nordwestschweiz» eine gemeinsame Fraktion denn auch als «realistische Option», die er «befürworte». 

Mit einer kriselnden Partei im Rücken wird die Zukunft von BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf immer ungewisser. Verliert die Partei bei den nationalen Parlamentswahlen 2015 Anteile, wackelt der Sitz der Finanzministerin noch mehr als ohnehin schon – und die Fusionsdiskussion würde erst recht befeuert. 

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