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Briefe von der Heimatfront

Schafft Ordnung im Bürosex!

«Wenn das so weitergeht, streiche ich für Ihre Abteilung das Weiterbildungsseminar in Kambodscha.»
«Wenn das so weitergeht, streiche ich für Ihre Abteilung das Weiterbildungsseminar in Kambodscha.»Bild: EPA
Briefe von der Heimatfront

Schafft Ordnung im Bürosex!

19.08.2014, 18:4129.08.2014, 10:15

Die Menschen verbringen immer mehr Zeit am Arbeitsplatz – einerseits, um die wachsenden Lebenshaltungskosten zu bedienen, andererseits wegen des unbegrenzten Angebots an kostenlosen Kaffeefiltern, Klopapier und Druckerpatronen. Ist es da ein Wunder, dass sich auch die Erotik auf den Job verlegt, dass sich vereinsamte Angestellte auch im Büro Erleichterung verschaffen wollen? Der Fall des G. Müller hat gezeigt, wie nötig es ist, die Büroerotik aus der Tabuzone zu holen – und Bürophilen ein Angebot zu machen. Nur: sinnvoll und strukturiert muss es sein!

So ist wichtig, dass jeder Akt ausreichend dokumentiert und mit einer Aktnotiz vermerkt wird. Notizen wie «14.8.: 2h Youporn, danach Mails von Fangirls beantwortet» und «Andi P., 17 Minuten, Besenkammer» schaffen Ordnung im Hormonhaushalt und erlauben der Geschäftsleitung zu prüfen, ob sich die entspannte Atmosphäre positiv auf die Arbeitsleistung auswirkt oder nur eine ordinäre Sexsucht vorliegt, die eventuell mit fälligen Urlaubstagen verrechnet werden muss.

Zu einer guten Unternehmenskultur gehört auch eine Atmosphäre der Offenheit. Bei Teamsitzungen sollte daher ehrlich und ohne Scheu über Qualitätskontrollen für den Bürosex gesprochen werden. Der Teamleiter ist dabei in der Pflicht, auch unbequeme Fragen zu stellen:

«Frau Lindner, Sie haben sich Herrn Rösner im letzten Quartal dreimal verweigert. Wenn das so weitergeht, streiche ich für Ihre Abteilung das Weiterbildungsseminar in Kambodscha.»

Genauso wichtig ist es aber auch, besondere Leistungen positiv zu würdigen. In Anlehnung an den «Mitarbeiter des Monats» kann ein «Sex-Selfie des Monats» am Schwarzen Brett die Stimmung heben und ein Gefühl der Intimität, des Vertrauens schaffen.

Politiker sind der Öffentlichkeit in besonderer Weise Rechenschaft schuldig. So müssen sie etwa in Deutschland ihre Nebeneinkünfte öffentlich machen. Ähnlich könnte auch mit Nebenfrauen und -männern verfahren werden. Gerade ältere Politiker können durch eine hohe Anzahl von Geliebten Staunen und Ehrfurcht beim jüngeren Publikum hervorrufen und so neue Wählerschichten erschliessen. Andererseits lassen zu viele Geliebte Zweifel daran aufkommen, ob sich der Abgeordnete überhaupt noch auf seine anderen Pflichten wie Quizduell oder Twittervollspammen konzentrieren kann. Auch könnte der politische Meinungskampf neuen Schwung erhalten: «Mein verehrter Kollege mag zwar die Lage der Kommunen richtig beschrieben haben, dafür ist er aber eine Niete im Bett.»

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Bild:watson
Leo Fischer 
Der ehemalige Chefredaktor vom Satiremagazin «Titanic» schreibt jede Woche einen «Brief von der Heimatfront». Er liefert den deutschen Invasoren in der Schweiz Schlachtpläne, wie sie die deutsche Dominanz in den Universitäten oder dem Gesundheitswesen noch stärker durchsetzen und festigen können. Er wird aber auch seinen Landsleuten mit ordentlich Humor grob aufs Dach hauen. Mehr von Leo Fischer gibt's bei Titanic. 
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