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Weltmeisterschaft Vorrunde, Frankreich - Ungarn in Mar del Plata: Olivier Rouyer (li., Frankreich) und Zoltan Kereki (Ungarn)

World Cup Fight France Hungary in Mar DEL Plata Olivier Rouyer left France and Zoltan Kereki Hungary

Der Franzose Olivier Rouyer entwischt seinem ungarischen Bewacher Zoltan Kereki. Bild: imago sportfotodienst

Unvergessen

Wieso Frankreich ein WM-Spiel in grün-weissen Trikots bestritt

10. Juni 1978: Frankreich und Ungarn sind schon vor dem abschliessenden Gruppenspiel ausgeschieden. Dass die Kehraus-Partie an der WM in Argentinien in Erinnerung bleibt, verdankt sie einer Kommunikationspanne.



Mit 41 Minuten Verspätung geht es endlich los in Mar del Plata. In der argentinischen Küstenstadt haben die ungeduldigen Zuschauer schon laut gepfiffen. Sie wussten ja nicht, weshalb sich der Beginn der Partie zwischen Frankreich und Ungarn verzögert hat. Jetzt wundern sie sich.

1978 steht in vielen Stuben noch ein Schwarz-Weiss-Fernseher. Etwas, an das die FIFA schon früh denkt. Zwei Fussballteams müssen klar unterscheidbare Trikots tragen, damit jeder TV-Zuschauer sie auseinanderhalten kann. Im Februar wendet sich der Weltverband daher an den französischen und den ungarischen Verband. In einem Schreiben ordnet er an: Ungarn solle im roten Heim-, Frankreich im weissen Auswärtstrikot auflaufen.

Weltmeisterschaft Vorrunde, Frankreich - Ungarn in Mar del Plata: Dominique Rocheteau (2.v.li., Frankreich) trifft zum 3:1, daneben v.li.:  Jozsef Toth, Laszlo Balint (beide Ungarn), Claude Papi (Frankreich), Torwart Sandor Gujdar und Gy

Ein Strassenfeger ist die Partie zwischen den zwei bereits ausgeschiedenen Teams nicht. Bild: imago sportfotodienst

Franzosen ignorieren Anweisung

Doch noch vor der WM ändert die FIFA ihre Meinung und bestimmt: Frankreich hat in blau zu spielen, Ungarn in weiss. Das Schreiben trifft zwar in Paris ein. Doch die Funktionäre schenken ihm wohl zu wenig Aufmerksamkeit. Jedenfalls wird beim Aufwärmen in Mar del Plata klar: Sowohl Franzosen wie Ungarn beabsichtigen, in weiss zu spielen.

«Weisses Trikot?», fragt Frankreichs Henri Michel sein Gegenüber. «Ja, weiss», bestätigt Andras Töröcsik. Nun ist guter Rat teuer. Beide Teams haben nur weisse Trikots dabei. Die blauen hat die französische Equipe in Buenos Aires gelassen, 400 Kilometer entfernt.

Weltmeisterschaft Vorrunde, Frankreich - Ungarn in Mar del Plata: Jozsef Toth (li., Ungarn) gegen Marius Tresor (Frankreich)

World Cup Fight France Hungary in Mar DEL Plata Jozsef Toth left Hungary against Marius Safe France

Einer von Frankreichs Stars: Captain Marius Trésor pflügt den argentinischen Acker. Bild: imago sportfotodienst

Die Franzosen brauchen also Ersatz, möglichst dunklen – wegen des besseren Kontrasts zum ungarischen Jersey. Fündig werden die Franzosen beim lokalen Club Atlético Kimberley. Dieser rückt immerhin einen neutralen Trikotsatz seiner Junioren raus. Vertikal grün-weiss gestreift ist dieser und naturgemäss eher klein. Dass die Franzosen dazu blaue Hosen und rote Stutzen tragen, treibt den Puls jedes Modedesigners in ungesunde Höhen.

Fans helfen dem «Lokalteam»

Mit dem Vorhandensein von Trikots sind aber noch nicht alle Probleme aus der Welt geschafft. Denn diejenigen von Kimberley haben keine Rückennummern. Also müssen diese eiligst noch angebracht werden. Dass sie nicht immer mit der Nummer auf der Hose übereinstimmen, wird in Kauf genommen. Claude Papi kommt so zur Ehre, sein einziges Spiel an einer WM mit der Nummer 10 bestreiten zu dürfen – vorgesehen war für ihn die 12.

Bildnummer: 01127711  Datum: 10.06.1978  Copyright: imago/WEREK
Andras T

Ungarns Töröcsik setzt sich gegen Lopez durch. bild: imago sportfotodienst

Dass die Franzosen das Trikot des lokalen Teams tragen, hat einen angenehmen Nebeneffekt: Die argentinischen Zuschauer stehen hinter der «Equipe Tricolore», die an diesem Nachmittag gar zur vierfarbigen Truppe geworden ist. Vielleicht auch deshalb gewinnt Frankreich das offensiv geführte Spiel gegen Ungarn 3:1, nachdem es zuvor gegen Italien und WM-Gastgeber Argentinien jeweils 1:2 verloren hatte.

Frankreich – Ungarn 3:1

Estadio Mundialista, 23'127 Zuschauer. Schiedsrichter: Coelho (Brasilien).
Tore: 1:0 Lopez (22.), 2:0 Berdoll (37.), 2:1 Zombori (41.), 3:1 Rocheteau (42.).
Frankreich: Dropsy; Trésor; Janvion, Lopez, Bracci; Petit, Bathenay, Papi (46. Platini); Rocheteau
(75. Six), Berdoll, Rouyer.
Ungarn: Gujdar; Balint; Martos, Kereki, Toth; Nyilasi, Pinter, Zombori; Pusztai, Töröcsik, Nagy (73. Csapo).

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Die vier Tore der Partie. video: youtube/sp1873

Funktionär kostet die Panne den Kopf

Offen ist, ob die Behauptung des französischen Nationaltrainers Michel Hidalgo zutrifft. In seiner Autobiographie schreibt er, die Ungarn hätten ihre roten Trikots dabei gehabt, sich aber geweigert, diese anzuziehen. Die Ungarn selber sagen im Stadion, die roten befänden sich im 30 Kilometer entfernten Mannschafts-Quartier.

Der französische Verband kommt wegen seines Lapsus mit einem scharfen Verweis davon. Konsequenzen hat der Vorfall für den zuständigen Funktionär: Er wird entlassen.

Rarität ein Fall fürs Museum

Unklar ist der Verbleib der legendären Kimberley-Trikots. Die Zeitung «La Capital» aus Mar del Plata ging der Frage 2018 nach. Die Bedeutung dieser Trikots habe damals niemand erfasst, sagte ein früherer Klubpräsident. Bis heute ist nach der Partie nur eines der 14 an die Franzosen abgegebenen Trikots wieder aufgetaucht. Die Nummer 5, die François Bracci trug, ist mittlerweile im FIFA-Museum in Zürich ausgestellt.

Weltmeisterschaft Vorrunde, Frankreich - Ungarn in Mar del Plata: Laszlo Pusztai (li., Ungarn) gegen Francois Bracci (Frankreich)

World Cup Fight France Hungary in Mar DEL Plata Laszlo Pusztai left Hungary against Fran

François Bracci, dessen Trikot heute im Museum zu sehen ist, gegen Laszlo Pusztai. Bild: imago sportfotodienst

In grün-weissen Trikots laufen die Franzosen trotz ihres Sieges nie mehr auf. Blau ist ihre Farbe, in diesen Trikots werden sie 1998 und 2018 Weltmeister. Den WM-Final 2006 verlieren «les Bleus» gegen Italien – in weiss.

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