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Gaeste sitzen mitten in einem Kastanien- und Lindenwald im Aussenbereich des typischen Tessiner

Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Edvin Uncorked

Das sind die Original-Gangsters der Weinwelt

Madelyne Meyer
Madelyne Meyer

Liebe Weinfreunde und Weinfreundinnen

Der Sommer 2020 wird für immer als «Sommer in der Schweiz»-Sommer in Erinnerung gehen. Die Hoffnung, dass wir auch in den kommenden Jahren hier Ferien und Tagesausflüge machen, bleibt natürlich bestehen. Ich bin mir sicher, ihr habe mittlerweile auch schon Freunde angetroffen, die von Schweizer Ferienorten schwärmen, welche sie sonst niemals besucht hätten. Lieber saufen am Ballermann.

Ich saufe lieber in Graubünden.

Da gehe ich nämlich demnächst hin. Und dies aus zwei Gründen. Erstens weil ich in Capuns baden will und zweitens weil eine meiner Lieblingstraubensorten, der Completer, da Zuhause ist. Ich mag diesen Wein so, weil er üppig ist, aber dich trotzdem mit einer guten Säure aufweckt. Solche autochthone Traubensorten faszinieren mich ohnehin enorm, was mich dazu bringt, einen Artikel über sie zu schreiben.

Laut meinem Schweizer-Traubensorten-Guru José Vouillamoz kultivieren wir in der Schweiz 252 verschiedene Rebsorten. 31,6 Prozent der Sorten sind einheimisch (autochthon). Ein Weltrekord schlechthin.

Autochthone Traubensorten

Fühl di wie Dihei

Autochthone Traubensorten wachsen da, wo sie ihren Ursprung haben. Sie befinden sich also in ihrem aktuellen Verbreitungsgebiet, weil sie da «geboren» wurden. Diese Traubensorten entstehen meistens durch natürliche Kreuzung oder Hybride und sind meistens über 200 Jahre alt. Da sie schon eine halbe Ewigkeit an diesen Standorten gedeihen, liefern sie meistens nur unter diesen spezifischen Bedingungen ihre beste Qualität. Pflanzt man sie plötzlich irgendwo anders an...«gheien sie überen».

Beispiele für autochthone Traubensorten:

Die Liste ist nicht vollständig. Für alle, die jetzt «ABER ES GIT NA VIIIIEL MEEEEHHHH!!!!» in die Kommentare reinschiessen wollten.

Und jetzt zu den Schweizer autochthonen Traubensorten. Das erste Mal, als ich die Namen vieler dieser Traubensorten las, glaubte ich, im falschen Film zu sein.

Als hätte die Schweiz eigentlich fünf Landessprachen.

Zieht euch mal diese autochthonen Traubensortennamen rein:

Die obengenannten Traubensorten sind heute kaum mehr auffindbar. Ein paar crazy Produzenten kultivieren sie noch, aber die Erträge sind so klein, dass es rein wirtschaftlich leider keinen Sinn mehr macht (Aufwand versus Ertrag). Zudem ging die Nachfrage wegen der Beliebtheit von internationalen Traubensorten (Chardonnay, Sauvignon Blanc, Pinot Gris etc.) zurück. Zum Glück sind jene Produzenten so leidenschaftlich, dass sie dieses Kulturerbe weiterhin pflegen. In der autochthonen fünften Landessprache also: Dankscha vielmatscha!

Die gängigen autochthonen Traubensorten könnten euch bekannter vorkommen. Hier eine nicht abschliessende Auswahl:

Wieso Du Weine aus autochthonen Traubensorten ausprobieren solltest?

Autochthone Traubensorten haben sich so dermassen an ein Terroir gewöhnt, dass sie die besten Beispiele für Weine sind, die eine Region perfekt widerspiegeln. Sie sind praktisch unverwechselbar. One of a kind. The real OGs.*

So, ich habe fertig. Flasche leer.

Cheers, eure Edvin

*OG Original Gangsters

Bild

Madelyne Meyer

Die Weinwelt kann extrem elitär und exklusiv sein. Darauf hat Madelyne Meyer aber gar keine Lust. Mit ihrem unkonventionellen Weinblog Edvin hat sich die Aargauer Weinexpertin in der Schweiz einen Namen gemacht. «Meine Leser mögen wohl meine selbstironische Art. Ich nehme mich und die Weinwelt nicht todernst, zolle dem Wein aber immer genügend Respekt».

Madelyne arbeitet in ihrem Familienbetrieb für Marketing & Kommunikation und schreibt noch für den Gault Millau Channel. Das Ganze rundete sie im September 2019 mit ihrem ersten Buch «Endlich Wein verstehen» ab.
Für watson schreibt Madelyne ab sofort regelmässig exklusiv in ihrem Blog.

Weitere Infos über Madelyne und Wein findest du hier:
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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • marsel 02.08.2020 10:17
    Highlight Highlight ABER ES GIT NA VIIIIEL MEEEEHHHH!!!!
  • -thomi- 31.07.2020 19:52
    Highlight Highlight Hat Ihnen José auch erzählt, wass passiert ist, als er rausgefunden hat, dass Cornalin gar nicht autochthon ist und eigentlich Landroter (Rouge du pays) heisst, Cornalin aber auch für eine Rebsorte aus dem Aostatal verwendet wird? Kam nicht gut an im Wallis... 😂
    • Jamaisgamay 31.07.2020 20:55
      Highlight Highlight Uiii, das ist eine furchtbar komplizierte Geschichte. Es gibt ganz viele Verknüpfungen zwischen Rebsorten aus dem Aosta-Tal und dem Wallis.
      Cornalin d'Aoste heisst im Wallis Humagne Rouge (finde ich eine fürchterliche Sorte🤷)
      Cornalin du Valais= Landroter/Rouge du Pays ist eine natürliche Spontankreuzung aus den Aostataler-Sorten Mayolet und Petit Rouge. Gibt's aber so nicht im Aostatal, hat da keinen Namen.🤷🤷🤷
    • Jamaisgamay 31.07.2020 21:07
      Highlight Highlight Es war eine bewusste (Marketing)-Entscheidung, den Landroter/Rouge du Pays auf Cornalin umzutaufen, irgendwann 70erJahre oder so.
      Peinlich wars dann erst, als sich herausstellte, dass Cornalin du Valais /= Cornalin d'Aoste.
  • fools garden 31.07.2020 15:33
    Highlight Highlight Madelyne, wir haben hier vor 20 Jahren unter Anderem etwas Petite Arvine angebaut es geht im prächtig.
    Sorry für die Schleichwerbung, aber vielleicht hast Du mal Lust auf eine sehr unbekannte Weinecke Südwest Frankreichs.
  • Jamaisgamay 31.07.2020 13:47
    Highlight Highlight Eigentlich haben ja auch die 'grossen', internationalen (=französischen) Sorten einen Ursprung und sind dort authochton. Meiner Meinung nach bringen auch diese Sorten in ihrer ursprünglichen Heimat ihre besten Weine hervor:
    Pinot/Chardonnay -> Burgund
    Merlot, Cab Sauvignon -> Bordeaux
    Syrah -> Nord-Rhône
    Malbec -> Cahors
    • -thomi- 31.07.2020 19:55
      Highlight Highlight Und natürlich Gamay -> Beaujolais 🤣 Leider bin ich beim Burgund nicht mehr so ganz sicher. Meyer Näckel von der Ahr, Felton Road aus NZ Ata Rangi aus ebenda, produzieren alle mindestens auf 1er Cru Niveau.
    • Jamaisgamay 31.07.2020 20:39
      Highlight Highlight Gibt's Gamay ausserhalb BoJo 🤔🤔😱😱🤣🤣
    • -thomi- 01.08.2020 07:42
      Highlight Highlight @Jamais, ja... In der Schweiz cuvetiert man ihn ja auch mit Pinot zu Dôle. Gérald Besse macht auch welchen. Ihm traue ich zu, dass was Gutes draus wird. Ist die zweitmeist angepflanzte rote Sorte in der CH. Dann gibts Gamay auf dem Balkan (Kosovo, Serbien, Mazedonien), Libanon, Türkei. Aber auch Kalifornien, Oregon, Michigan, Kanada, usw...
  • Mr. Hoffmann 31.07.2020 13:16
    Highlight Highlight Adolf Boner - Master of the Completer Universe
  • Jamaisgamay 31.07.2020 13:14
    Highlight Highlight Auch über Räuschling und Heida könnte man diskutieren. Räuschling stammt aus der Oberrheinischen Tiefebene, Heida (=Païen, Savagnin, Weisser Traminer) als eine der ältesten bekannten Rebsorten irgendwo aus Ost-Frankreich (Franche-Comte bis Lorraine)
    • -thomi- 31.07.2020 19:56
      Highlight Highlight Gibt noch Gwäss (Gouais Blanc). Ein Hektärchen im Wallis oder so. Aber Gouais steht bei vielen weissen Rebsorten irgendwo im Stammbaum, vom Furmint bis zum Sauv B. Und über Räuschling muss man definitiv diskutieren. Guter Most!
    • Jamaisgamay 01.08.2020 10:19
      Highlight Highlight Gwäss/Gouais/Heunisch hat über 80 'Kinder', darunter Chardonnay, Gamay, Aligoté (alle mit Pinot), Riesling, Blaufränkisch und auch Furmint. Aber mit Sauvignon hat Gouais nichts zu tun.
    • -thomi- 01.08.2020 11:21
      Highlight Highlight Sorry, war etwas unpräzise. Sauv B. Ist über Savagnin eine Halbnichte (oder wie man das nennt). Aber Sie haben schon recht. Sind wohl zwei verschiedene Stammbäume. Aber mindestens 81 "Kinder" reichen ja auch.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Jamaisgamay 31.07.2020 13:14
    Highlight Highlight Hmmm. Ich glaube nicht, dass Vouillamoz Neuzüchtungen aus dem 20Jh wie Chardoris, Millot-Foch, Cabernello, Doral und Charmont zu den 'authochtonen Rebsorten zählt. Die sind einfach selten, weil sie sich (aus Gründen) nicht durchgesetzt.

    Magliasina und alle anderen Chatzeseicherli sind ältere Kreuzungen mit der amerikanischen Vitis labrusca, also auch nicht authochton. Bleiben von der ersten Liste Eyholzer Roter, Himbertscha, Lafnetscha.


    • Edvin Uncorked 31.07.2020 19:19
      Highlight Highlight Danke für Deine wertvollen Hinweise. Es ist schön zu sehen, dass Du dich bei jedem meiner Beiträge so einbringst. Das zeigt Leidenschaft und Deine Liebe zum Detail. Einheimische“ Traubensorten wäre hier sicher geeigneter als „autochton“. Ob diese nun aus Hybride, Kreuzungen oder spontantem Ursprung stammen, sprengt den Edvin-Content-Rahmen ;-)
    • Jamaisgamay 31.07.2020 20:19
      Highlight Highlight Hehe. Gern&Danke. Ich find's cool, wie du das hier rüberbringst. Die Weinwelt braucht einen unverkrampftereren Zugang. Ich selbst pendle halt zwischen oberlehrerhaftem Besserwissertum und totalem Frei- und Querdenken Hat Gründe🤣.

      Die Weinwelt ist klein. Wir werden uns mal begegnen.
    • Edvin Uncorked 31.07.2020 21:12
      Highlight Highlight Würde mich freuen! Ich bin mir sicher, dass ich/ wir noch viel von Dir lernen werde/n!
  • azoui 31.07.2020 12:35
    Highlight Highlight Chasselas, ist doch Gutedel und somit sicher nicht autochtton?
    Heida, oder auch Paien genannt, ist Savagnin?
    • Jamaisgamay 31.07.2020 13:17
      Highlight Highlight Doch, laut Vouillamoz ist die Region Genfersee als Ursprung von Chasselas am wahrscheinlichsten.

      Savagnin /Heida -> anderer Kommentar
    • -thomi- 31.07.2020 20:03
      Highlight Highlight ... und er würde auch Fendant dazu sagen. Chasselas ist ein Ort im Mâconnais, nach dem die Sorte benannt wurde. Warum auch immer.
    • Jamaisgamay 31.07.2020 20:36
      Highlight Highlight @thomi: der Name Chasselas wird erstmals 1654 erwähnt, im Maconais. Fendant taucht erst im 18Jh auf, in der Waadt, nicht im Wallis -- Vouillamoz.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Andreas Peyer (1) 31.07.2020 12:02
    Highlight Highlight Das Bild zeigt das «Grotto Grassi» in Tremona, Ticino...
    Grossartige Location, gutes Essen, schönes Weinangebot,
    • Jamaisgamay 31.07.2020 19:03
      Highlight Highlight Gibt's da auch Bondola? Das ist nämlich "die" autochtone Rebsorte des Tessins.
  • MeinAluhutBrennt 31.07.2020 11:56
    Highlight Highlight bitte bitte und nochmals bitte: hört subito mit diesem oberpanne "OG" Shit auf.2
  • Maya Eldorado 31.07.2020 11:45
    Highlight Highlight Was ist mit den Tessiner Chatzesaicherli. Das ist meine liebste Traunbensorte zum essen. Ich finde sie seit ein paar Jahren nicht mehr.
    • azoui 31.07.2020 12:33
      Highlight Highlight Du meinst den Americano? Den findet man im Tessin nach wie vor. Wird hauptsächlich für Grappa angebaut. Trinkt man ihn als Wein, bitte vorher die Unterhosen straff ziehen,
    • Vintage 31.07.2020 12:34
      Highlight Highlight Uva Americana, ein Hybrid. Für die Weinherstellung nicht zu empfehlen.
    • Paperina 31.07.2020 12:52
      Highlight Highlight meine Oma machte aus Americano-Trauben wunderbaren Traubensaft, der Onkel Grappa, und ich mittlerweile Konfitüre - yap! Mein Vater hat von Oma's Rebe ein Ästchen in den Aargau mitgenommen, wo die Americano-Traube wunderbar gedeiht. Auf dem Markt in Oerlikon kriegst Du sie im Herbst ab und zu. Ansonsten melde Dich so gegen Ende September bei mir, ich kann Dir welche geben :-)
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