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Kafi bevorzugt Ehrlichkeit gegenüber Höflichkeit ...  Bild:

FRAGFRAUFREITAG

FragFrauFreitag

Mein Freund ist ziemlich jünger als ich und wir sind jetzt schon ein Jahr zusammen. Wir haben viele Gemeinsamkeiten, aber sind auch sehr unterschiedlich. 



Dabei bin ich mir nicht immer sicher, ob gewisse Unterschiede altersbedingt sind. Grundsätzlich führen wir eine sehr harmonische und ausgeglichene Beziehung. Ich mache seit kurzem eine Coaching-Weiterbildung. In der letzten Zeit bemerkte ich, dass sich mein Freund nervt, wenn ich ihm Anekdoten aus dieser Weiterbildung erzähle. Er äussert, ihn interessiere dies nicht im Geringsten. Ich habe versucht ihm aufzuzeigen, dass ich auch nicht immer alles hochinteressant finde, was er erzählt (er arbeitet eher im technischen Bereich), dies jedoch ein Teil von ihm sei, man nach der Arbeit auch das Bedürfnis hat das Erlebte mit dem Partner zu teilen und ich ihm deshalb auch zuhöre und seine Interessen somit wertschätze. Er konnte dies jedoch nicht nachvollziehen und meinte, ich solle ihm sagen wenn mich etwas nicht interessiert und dann erzähle er halt nicht weiter. Es ist jetzt auch nicht so, dass ich stundenlang erzähle. Es ist mir sehr wohl bewusst, dass man nicht alles in die Beziehung reinbringt und immer abwägen sollte, was Platz hat und was nicht. Deshalb erzähle ich wenige Dinge und wäge immer vorher ab. Themen, welche mich faszinieren, möchte ich jedoch mit meinem Partner teilen können. Ob es am Alter oder an unterschiedlichen Interessen liegt, bin ich mir nicht sicher. Dies kannst Du sicher aus der Ferne auch nicht konkret beurteilen, aber hättest Du mir einen Rat, wie ich mit den Veränderungen und den Auswirkungen auf die Beziehung besser umgehen könnte? Liebe Grüsse, Inge, 34

Liebe Inge 

Was ich da lese, klingt extrem anstrengend. Sie wägen immer vorher ab, was Sie zuhause erzählen? Wirklich? Ernsthaft? Ohne Witz? Das ist ja ein elender Eiertanz, so was.

Ich weiss, dass es viele Menschen gibt, die finden, dass man sich gegenseitig zuhören muss, unabhängig davon, ob es einen interessiert, oder nicht. Aber ich ticke da etwas anders. Und zwar eher so, wie Ihr Freund. Für mich ist kein Zeichen von Respekt, wenn man dem anderen vorheuchelt, dass man an seinem Output interessiert ist. Sondern eher das Gegenteil. Ich persönlich würde mich eher verarscht fühlen als bestätigt, wenn ich wüsste, dass mir mein Gegenüber nur aus Anstand zuhört. Mir ist es viel lieber, wenn ich frisch und frei drauflos plappern kann und man mir klipp und klar sagt, wenn das jetzt nicht ein Thema ist, was ich weiter auszuführen brauche. Oder meinetwegen sogar, dass ich mal die Klappe halten soll.

Vielleicht ticke ich in dieser Beziehung eher wie ein Mann, aber ich weiss lieber, woran ich bin, als dass ich auf rohen Eiern gehe und ständig überlege, ob ich dies oder das jetzt erzählen soll/darf. Es ist doch vollkommen ok, dass es Themen gibt, die den anderen nicht in diesem Rahmen begeistern und faszinieren, wie sie mich umtreiben. Man kann doch nicht die Erwartung haben, dass sich der Partner für alles interessiert. Das ist doch nur menschlich und hat für mich nichts mit fehlendem Respekt zu tun.

Eine Weiterbildung ist eine spannende Sache. Für Sie. Für jemanden außenstehendes ist es das unter Umständen nicht. Das müssen Sie akzeptieren. Und im Gegenzug auch nicht mehr immer Interesse vortäuschen, wenn Ihr Freund aus seinem trockenen sachlichen Berufsalltag erzählt. Eine Beziehung definiert sich auch darüber, ob man genügend gemeinsame Interessen hat und wie man mit den nicht gemeinsamen umgeht. Meiner Meinung nach darf es sehr wohl Bereiche geben, die man nicht nonstop zusammen bespricht, weil sie eben nicht auf gemeinsamem Interesse beruhen.

Eine Beziehung ist ein Verbund zweier Menschen, die beschlossen haben, ein Stück ihres Lebens gemeinsam zu gehen. Das muss nicht in der totalen Symbiose stattfinden, in der man gemeinsam verschmilzt und sich für jeden Furz des anderen interessiert. Meiner Meinung nach befruchtet es eine Liebe sogar, wenn jeder auch noch eigene Interessen hat, die er nicht vollumfänglich mit dem anderen teilt.

Seien Sie doch froh über die Transparenz Ihres Freundes. Diese ist eher ein Zeichen seines Vertrauens, als seiner Respektlosigkeit Ihnen gegenüber. Er mutet Ihnen seine Ehrlichkeit zu. Probieren Sie es doch auch aus! Es ist befreiend, wenn man sich nicht von vornherein den Kopf des anderen zerbrechen und sich überlegen muss, was man erzählen darf und was nicht, sondern es sich auch direkt gegenseitig sagen kann. Für mich klingt das nach einem sehr erwachsenen Vorgehen Ihres jüngeren Partners. I like!

Ganz herzlich, Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

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Bild: Kafi Freitag

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