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Was ist denn hier los? Fromme gründen ersten christlichen Sexshop

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Huch, ist das etwa ein Rosenkranz? 😇Bild: shutterstock
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Was ist denn hier los? Fromme gründen ersten christlichen Sexshop

Drei fromme Christen haben in Bielefeld den ersten Sexshop mit christlichen Werten gegründet. Porno gibt es natürlich nicht, aber immerhin Dildos.
29.07.2019, 16:2129.07.2019, 16:21

Die christliche Welt tut sich schwer mit der Sexualität. Sex diente zumindest früher der Zeugung. Und sonst nichts. Arterhaltung und Aufzucht neuer Jünger Gottes. Es war eine Pflichterfüllung. Von Lust steht in der Bibel nichts. Und wer trotzdem zu viel davon abbekam, musste beichten. Das sechste Gebot verlangte es.

Fragt sich nur, weshalb Gott den Geschlechtsverkehr so lustvoll ausgestaltet hat, wenn er als Selbstzweck und Lustgewinn sündig sein soll? Denn wäre der Beischlaf nicht mit Lust verbunden, wäre die Menschheit womöglich bereits ausgestorben.

Der christliche Erotikshop hatte am deutschen Kirchentag einen Stand.Video: YouTube/evTV

Dass sexuelle Betätigung Lust erzeugt, spricht eher für die Evolutionstheorie als die Schöpfungslehre. Die «Natur» hat uns mit dem Lustempfinden ausgestattet, damit wir uns fleissig vermehren.

Früher vermiesten die christlichen Kirchen den Beischlaf, indem sie den Gläubigen einimpften, sich nur zur Kinderzeugung zu vereinigen. Radikale Freikirchen tun dies teilweise auch heute noch. Sex erklären sie als fleischliche Versuchung, das Fleischliche ist schliesslich sündig. («Der Geist ist willig, aber das Fleisch …»)

Freiwilliger Verzicht auf Sex aus christlicher Überzeugung.Video: YouTube/Y-Kollektiv

Diese Zeiten sind für die meisten Christen vorbei. Sie haben sich emanzipiert und lassen sich nicht mehr von den Geistlichen vorschreiben, was sie im Schlafzimmer tun und lassen sollen. Allmählich suchen auch viele Freikirchen eine neue, weniger verkrampfte Haltung zur Sexualität.

Diese führt zu einer Aufweichung der Dogmen. Doch nicht etwa aus Einsicht, schliesslich gilt es weiterhin, die Wohllust zu zügeln, die das schändliche Werk des Satans sein soll. Nein, es ist der Zeitgeist, der den Wandel diktiert. Denn junge Gläubige wollen sich die Freude an der Lust nicht weiter vermiesen lassen. Diese müssen auf Teufel komm raus bei der Stange gehalten werden.

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Weit geht die Freiheit der jungen Frommen aber nicht, denn Sex vor der Ehe ist immer noch tabu. Das führt zur fragwürdigen Praxis, dass viele Freikirchler sehr jung heiraten.

Komiker Jan Böhmermann macht sich lustig über Verzicht auf Sex.Video: YouTube/NEO MAGAZIN ROYALE

In Bielefeld versuchen nun fromme Christen, aus diesem Zeitgeist ein Businessmodell zu machen. Sie haben den ersten christlichen Erotikshop eröffnet. Es sind dies die drei frommen Werber Timon Rahn, Wellington Estevo und Gerhard Peters. Ihr Onlineshop trägt den kuriosen Namen schoenerlieben.de.

So sieht der erste deutsche Erotikshop für Christen aus.
So sieht der erste deutsche Erotikshop für Christen aus.screenshot: schoenerlieben.de

Wie bitte? Seit wann ist Lieben schön? Schönheitspreis beim Sex? Die drei Herren waren wohl schon verklemmt, als sie einen Namen für ihren Shop gesucht haben. Ihr Credo: «Wir wünschen uns, dass Sex durch unseren Shop, auch innerhalb christlicher Gemeinschaften zu einem offenen Gesprächsthema wird.»

Was für eine Wortschöpfung: Erotikshop mit christlichen Werten

Sie sprechen denn auch vom Erotikshop mit christlichen Werten. Auch diese Wortschöpfung muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Pornographie gibt es natürlich im christlichen Sexshop nicht, immerhin verkauft er Dildos und Vibratoren. Ob den Online-Bestellungen eine Bibel beigelegt wird, ist nicht bekannt.

Hugo Stamm; Religionsblogger
Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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FRAGFRAUFREITAG
Vor zwei Jahren ist mein Vater gestorben. Es waren über 100 Menschen an seiner Beerdigung und viele haben geweint. Aber heute spricht fast keiner mehr von ihm. Das macht mich traurig bis wütend. Warum? Kerstin, 39
Liebe Kerstin 

Was Sie mir da schreiben ist furchtbar traurig. Aber leider wahr. Ich habe das grosse Glück, dass ich noch niemanden aus meiner Familie oder meinem Freundeskreis verabschieden musste, aber aus Gesprächen mit Bekannten weiss ich, dass es genau so ist.

Ich bin mit Ihrer Frage ein paar Tage schwanger gegangen und habe ein paar Einsichten gewonnen. Vielleicht tröstet es Sie etwas, wenn ich Ihnen sage, dass es mit grosser Sicherheit oft einfach Unsicherheit ist, die dahintersteckt.

Ich kenne das ja selber. Vor ein paar Jahren haben entfernte Bekannte von mir ein wenige Monate altes Kind verloren, ich hatte aus der Zeitung davon erfahren und es hat mich schrecklich traurig gemacht. Ich habe mich darum hingesetzt und diese meine Gefühle niedergeschrieben und dem Paar meine Beileids-Karte geschickt. Daraufhin habe ich nichts mehr gehört. Kein Dank für das Schreiben und auch kein anderes Zeichen. Ich weiss noch, dass es mich damals unglaublich verunsichert hat. Selbstverständlich ging es mir nicht um den Dank, denn ich kann ja sehr wohl nachvollziehen, dass ein Verlust dieser Art einem dermassen übermannen muss, dass darob andere Gesetze gelten. Aber es hat mich tage-, wenn nicht wochenlang nicht mehr losgelassen. Ich hatte grosse Angst, nicht die richtigen Worte gefunden zu haben, zu persönlich geworden zu sein. Oder zu wenig persönlich. War mein Schreiben vielleicht zu oberflächlich gewesen, oder das Kartensujet (ein Baum) unpassend? Hatte ich mit meiner Karte zu lange zugewartet (etwa 2 Wochen) oder hat man mir verübelt, dass ich bei der Trauerfeier nicht dabei war?

Das klingt jetzt alles sehr dramatisch und übertrieben. Aber genau so ist es mir ergangen. Ich habe mich nur noch hintersinnt. Dennoch habe ich es wieder genau so gemacht, als ein Freund seinen Vater verloren hat. Ich habe mich hingesetzt und einen Brief geschrieben. Aber es hätte genau so gut sein können, dass ich es dieses Mal gelassen hätte. Aus der nackten Angst, etwas falsch zu machen. Nicht die richtigen Worte zu finden. Nicht den richtigen Rahmen, den richtigen Zeitpunkt.

Der Tod ist eine beklemmende Angelegenheit. Wir alle wissen, dass er uns früher oder später ereilen wird. Doch solange es geht, wollen wir ihn ignorieren. Wenn er uns dann doch streift, indem er jemanden aus dem erweiterten Kreise stiehlt, dann sind wir haltlos überfordert. Unsere Kultur hat keinen gesunden Umgang mit dem Tod gelernt. Während wir darauf getrimmt sind, ihn so schnell als möglich ad acta zu legen und die Toten alsbald zu vergessen, beweinen andere Völker ihre Toten tagelang und lautstark.

So kann es schon mal geschehen, dass Eltern, die ihr Kind verloren haben, nach ein paar Jahren zu hören bekommen, sie sollen doch endlich mal damit aufhören, immer noch zu trauern. Man solle die Erinnerungsstücke doch bitte weglegen und Gras darüber wachsen lassen. Als würde die Zeit solche Wunden heilen können! Als könnte die reine Ignoranz den Verlust ungeschehen machen!

Dabei würden Menschen, die eine geliebte Person gehen lassen mussten, sehr gerne über diese reden. Sich erinnern. Bilder wieder bunter werden lassen, Rückschau halten. Die Hinterbliebenen möchten das Gefühl haben, dass auch andere Leute sich an den verstorbenen Menschen erinnern und dass dieser in dieser Reminiszenz weiter existiert. Sie möchten nicht zur Tagesordnung übergehen, kaum ist der Leichnam beerdigt. Vermutlich haben viele Menschen Angst, man würde traurige Erinnerungen wecken, wenn man über die verstorbene Person spricht. Aber Menschen, die ein geliebtes Geschöpf verloren haben, denken sowieso tagtäglich an dieses. Man muss keine Angst haben, dass man ruhende Geister weckt. Der Verlust ist da. Tag für Tag. Er wird nicht grösser, indem man ihn anspricht. Er verteilt sich, indem er von mehreren Herzen mitgetragen wird.

Sie können das Andenken an Ihren Vater nicht einfordern. Aber Sie können weiterhin über ihn sprechen, sich erinnern. Und wir alle können noch heute damit anfangen, unsere Komfortzone zu erweitern und Gefühle zu riskieren, wo diese dringend gebraucht werden. Im Wissen darum, dass wir auch nicht totgeschwiegen werden möchten.

Alles Liebe und Gute Ihnen. Ihre Kafi.
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