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Wir Eltern

Gibt es eine Mutter, die in den letzten Tagen nicht um ein Kind geweint hat, von dem sie noch nicht einmal den Namen weiss?

Ümit yoker / wir eltern



Ein Artikel von

Die Sorge, dass unseren Kindern etwas zustossen könnte, begleitet uns jeden Tag. Wir wittern Gefahren selbst da, wo keine sind. Wie unfassbar gross muss die Verzweiflung sein, wenn wir uns für einen Weg entscheiden, bei dem wir ihr Leben aufs Spiel setzen?

Gibt es eine Mutter, die in den letzten Tagen nicht um ein Kind geweint hat, von dem sie noch nicht einmal den Namen weiss? Gibt es Mütter, die diese Bilder gesehen haben, ein kleines Gesichtchen, vornüber in den Sand gedrückt, ein hochgerutschtes T-Shirt, Windeln, mit Meerwasser vollgesogen, und sich dabei nicht vorgestellt haben, dass es ihr Kind sein könnte?

Gibt es Mütter, die diese Bilder gesehen haben und sich dabei nicht vorgestellt haben, dass es ihr Kind sein könnte?

Wie muss es sein, eingepfercht in einem Schlauchboot zu sitzen und in den Augen seines Kindes zu sehen, dass es immer noch an das unausgesprochene Versprechen glaubt, dass wir es immer und vor jeder Gefahr beschützen werden? Gibt es einen Moment, in dem es begreift?

Kann man weiterleben, wenn man einen solchen Blick einmal gesehen hat? Wie lange krallt es sich an einem fest, in der Hoffnung, dass alles gut wird? Hat seine Mutter ihm immer und immer wieder dasselbe Lied ins Ohr gesummt, leise seine Lieblingsgeschichte erzählt und ihm ein Eis versprochen, um das allerletzte bisschen Normalität aufrechtzuerhalten? Wie oft hat sie noch an ihm gerochen? Musste sie zusehen, wie es ertrinkt?

Wie oft hat die Mutter noch an ihm gerochen? Musste sie zusehen, wie es ertrinkt?

Wie kann es noch irgendjemanden auf dieser Welt geben, der daran zweifelt, nein, der es wagt, an der unbeschreiblichen Not zu zweifeln, die eine Mutter, die einen Vater dazu zwingt, das eigene Kind dem Risiko auszusetzen, dass es irgendwann an den Strand gespült wird wie eine verdammte Glasflasche, die jemand achtlos ins Meer geworfen hat?

Ich finde keine Antwort.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 04.09.2015 12:51
    Highlight Highlight Was will uns Eltern der Artikel von "wir eltern" und watson hier eigentlich sagen? Wir sollen betroffen sein? Wir sind betroffen und könnten es herausschreien. Zufrieden? Man muss dieses Bild nicht nochmals umschreiben um sich der Grausamkeit bewusst zu sein.

    In den zerbombten Städten gibt es diese Bilder tausendfach und Kinder sterben jeden Tag auf abscheuliche Weise in Bürgerkriegen und bei Terror. Werden selbst zur Rucksackbomben ohne zu wissen das sie den Tod transportieren. Abscheulich, ja! Für mich ist das hier heuchlerische Strandbild-Aufmacher-Presse und Betroffenheitsmarketing.
    • thomei 05.09.2015 21:53
      Highlight Highlight Zeit_Genosse. Ich bin eigentlich auch deiner Meinung. Habe aber unterdessen festgestellt, dass genau dieses Bild mehr bewirkt hat, als hunderte von TV- und Zeitungsberichte und das in aller Welt.
  • Kian 04.09.2015 09:23
    Highlight Highlight Schliesse mich Karl33 und Kaiserin an.
  • koks 04.09.2015 08:32
    Highlight Highlight Wo war der #Aufschrei der Mütter, als vor Jahren schon der erste angeschwemmte tote Flüchtling auf Fotos gezeigt wurde?
  • Karl33 04.09.2015 08:08
    Highlight Highlight finde es befremdend, dass unter dem synonym wir eltern immer nur die mütter angesprochen werden. als ob väter sich um ihre kinder nicht sorgen würden. in was für einer konservativen welt lebt ihr eigentlich?
    • Anded 04.09.2015 09:54
      Highlight Highlight Ist leider so, dass in unserer konservativen Welt noch immer biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen. Dies macht es einer Frau auch schwierig, sich in einen Mann zu versetzen und umgekehrt. Also schreibt die Autorin einfach aus ihrer Sicht. Und falls du dich als Vater übergangen fühlst, und den Artikel lieber mit "Eltern" gehabt hättest. Was ist mit all den Kinderlosen, denen es auch kalt den Rücken hinunterläuft beim Anblick dieses Bildes?
    • Asha 04.09.2015 12:05
      Highlight Highlight Nein, die Frage was mit den Vätern ist, ist in diesem Fall nicht nur legitim, sondern absolut notwendig.
  • Kaiserin 04.09.2015 07:58
    Highlight Highlight Und was ist mit den Vätern?

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