Charlie Hebdo
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epa04538896 French soldiers patrol the Parvis des Droits de l'Homme (Human Rights Square) in Paris, France, 23 December 2014. The French army and Police have been asked to send reinforcement by French Prime Minister Manuel Valls and Interior Minister Bernard Cazeneuve,  after the incident in Nantes where a van hit ten persons the previous day. French President Francois Hollande announced the death of one of the victims earlier on 23 December.  EPA/ETIENNE LAURENT

Französische Soldaten patrouillieren in der Nähe des Eiffelturms. Bild: ETIENNE LAURENT/EPA/KEYSTONE

Blutbad bei «Charlie Hebdo»

Die Terrorgefahr in Europa ist so gross wie nie seit 9/11 – weitere Anschläge sind absehbar

Seit den Anschlägen in Madrid und London vor zehn Jahren haben die Dschihadisten ihre Taktik geändert. Heute sind vorab Einzeltäter am Werk, womit die Terrorgefahr zunimmt. 

Sie wussten, wann sie angreifen mussten: Am Mittwoch kurz vor 11.30 Uhr stürmten die mutmasslichen Attentäter Saïd und Chérif Kouachi die Redaktion von «Charlie Hebdo» in Paris. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Mitarbeiter der Satirezeitung zu ihrer wöchentlichen Redaktionskonferenz versammelt. Am Ende waren zwölf Menschen tot.

Zuerst hatten sich die Terroristen anscheinend in der Hausnummer geirrt. Doch die Bewaffnung mit Sturmgewehren und Munitionswesten ist für Experten ein sicheres Indiz, dass der Anschlag nicht zufällig erfolgte, sondern geplant war. «Das waren keine Amateure. Es sah aus wie eine Kommandoaktion», sagte ein arabischer Geheimdienstler der «Washington Post».

«Ziemlich ungewöhnlicher Angriff»

Der schwerste Terroranschlag in Europa seit rund zehn Jahren – die Terrorserie in Russland und Breiviks Massaker in Norwegen ausgenommen – hat offenkundig einen islamistischen Hintergrund. Ob es eine Verbindung zur Terrormiliz IS oder zu Al Kaida gibt, ist noch unklar. Die Attentäter sollen sich als Al-Kaida-Kämpfer ausgegeben haben. Experten verweisen jedoch darauf, dass sich der Anschlag vom Mittwoch von früheren Attentaten des Terrornetzwerks unterscheidet.

07.01.2015: Schiesserei beim Satiremagazin «Charlie Hebdo»

«Es ist ein ziemlich ungewöhnlicher Angriff einer dschihadistischen Organisation. Es handelt sich weder um ein Selbstmordattentat noch um einen Bombenanschlag», sagte Daniel Benjamin, der ehemalige Anti-Terror-Koordinator des US-Aussenministeriums, der «Washington Post»: «Es gibt nicht viele Fälle, in denen Al-Kaida-nahe Zellen derartige Schiessereien verübt haben.»

Anschläge von Einzeltätern

Allerdings hat sich das Vorgehen islamistischer Terroristen im westlichen Europa seit einiger Zeit verändert: Die Anschläge auf den öffentlichen Nahverkehr in Madrid 2004 und London 2005 wurden nach «klassischer» Al-Kaida-Manier mit Bomben und Selbstmordattentätern verübt, um wahllos möglichst viele Menschen zu töten. 2006 wurde ein Anschlag mit Kofferbomben im Kölner Hauptbahnhof vereitelt, weil die Sprengsätze versagten. Doch seither dominieren Anschläge von Einzeltätern, so genannten «einsamen Wölfen».

Gerade Frankreich hat in den letzten Jahren einiges erlebt. Im März 2012 verübte der selbsternannte Dschihadist Mohammed Merah in der Stadt Toulouse mehrere Anschläge, bei denen drei jüdische Schulkinder, ein Rabbiner und drei Soldaten der französischen Armee getötet wurden. Am 30. Mai 2014 erschoss der französische Syrien-Heimkehrer Mehdi Nemmouche vier Menschen im Jüdischen Museum in der belgischen Hauptstadt Brüssel.

A police officer stands guard in front of the Jewish Museum in Brussels June 2, 2014. The 29-year-old Frenchman arrested on Friday over the fatal shooting of three people at Brussels' Jewish Museum spent a year in Syria after becoming radicalized during the last of five stays in jail in France, a prosecutor said on Sunday. When he was arrested in the southern France city of Marseille, Mehdi Nemmouche was carrying in his luggage weapons and clothes similar to those used in the shooting last weekend, Paris prosecutor Francois Molins told a news conference, saying there was a

Polizeiwache vor dem Jüdischen Museum in Brüssel nach dem Anschlag vom 30. Mai 2014. Bild: FRANCOIS LENOIR/REUTERS

Kurz vor Weihnachten ereigneten sich drei weitere Vorfälle: Am 20. Dezember stürmte ein 20-jähriger Konvertit, der ursprünglich aus Burundi stammte, ein Polizeirevier in einem Vorort der Stadt Tours. Er verletzte drei Polizisten, bevor er selbst erschossen wurde. Am Tag darauf verletzte ein offensichtlich psychisch gestörter Franzose nordafrikanischer Abstammung in Dijon mit seinem Auto 13 Passanten. Am 23. Dezember raste ein 37-Jähriger auf dem Weihnachtsmarkt von Nantes mit dem Auto in eine Menschenmenge, elf Personen wurden teils schwer verletzt.

Diese Abfolge liest sich wie ein Vorspiel zum Massaker bei «Charlie Hebdo». Terrorexperten sind nicht überrascht, dass Frankreich ins Visier der selbst ernannten Gotteskrieger geraten ist. Mehr als fünf Millionen Muslime leben im Land, viele in den heruntergekommenen Banlieues, wo sie kaum eine Perspektive haben. Manche suchen ihr Heil in der religiösen Radikalisierung.

3000 Europäer beim IS

Von den rund 3000 Europäern, die sich nach Schätzungen der EU der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak angeschlossen haben, stammt mehr als jeder dritte aus Frankreich. Nach ihrer Rückkehr könnten sie versuchen, den Dschihad nach Europa zu tragen, wie das Beispiel des Attentäters von Brüssel zeigt. Westliche Sicherheitskreise spekulieren gemäss der «Süddeutschen Zeitung», dass die IS-Führung solche Attacken in Europa unbedingt wolle.

Ähnliches wird von der Al Kaida vermutet, die in letzter Zeit gegenüber dem IS propagandistisch ins Hintertreffen geraten ist. Das Terrornetzwerk wolle sich mit spektakulären Anschlägen im Westen in Erinnerung rufen und so dem IS die Rolle als Anführer des globalen Dschihad streitig machen, heisst es in Analysen von Sicherheitsexperten.

Eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Der blutige Anschlag auf die Satirezeitung war nicht das letzte Attentat dieser Art. Die Terrorgefahr in Europa ist laut dem CNN-Analysten Paul Cruickshank «so gross wie nie seit dem 11. September 2001». Hauptgrund sind die Aktivitäten des IS. Auch bislang weitgehend verschonte Länder wie Deutschland müssen sich auf einiges gefasst machen: «Es ist nicht die Frage, ob ein Anschlag passiert, sondern nur noch, wann er geschehen wird», sagte ein hochrangiger deutscher Sicherheitsbeamter der «Süddeutschen Zeitung».

Solidarität mit «Charlie Hebdo» in aller Welt

08.01.2015: So berichteten die Zeitungen über die Attacke auf «Charlie Hebdo»



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    Alle Leser-Kommentare
  • Babalu 08.01.2015 20:55
    Highlight Highlight In Bagdad sind während der Irak-Invasion durch den Westen während mehreren Monaten jeden Tag im Schnitt über 30 Zivilisten getötet worden. Insgesamt sind über 50 000 irakische Zivilisten durch die US-britische Koalition getötet worden, darunter über 150 irakische Journalisten. Die "freien" westlichen Medien haben über diese Seite des Irakkrieges sehr dürftig berichtet. Jede Gewalt ist zu verurteilen, es sollte auch jedes Leben auf dieser Welt gleich viel wert sein.
  • Dr. Zoidberg 08.01.2015 19:10
    Highlight Highlight vielleicht sollte man lieber mal ländern wie syrien, dem irak oder afghanistan helfen, anstatt waffen hinzuschicken und die bevölkerung mit drohnen zu massakrieren. oder vielleicht in den ban lieus oder den deutschen "problemvierteln" den jungen leuten eine perspektive verschaffen. ihnen eine chance auf bildung und einen beruf geben. aber dass ist ja mühsam, ausgrenzen und ausschaffen ist ausserdem billiger. und das geld für die kriege sichert ja schliesslich auch arbeitsplätze in europa.

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