Albaniens KI-Ministerin «Diella» muss vor Gericht
Eine KI soll als Ministerin gegen Korruption im Beschaffungswesen tätig werden. Diese aussergewöhnliche Idee liess sich Albaniens Premier Edi Rama einfallen und lancierte besagtes Konzept im vergangenen Jahr. Nun befindet sich die künstliche Intelligenz namens Diella in ernsthaften Schwierigkeiten: Ihre Entwicklerinnen sollen Betrügerinnen sein.
5 bis 10 Millionen Euro
Die nationale Informationsagentur «Akshi» ist unmittelbar dem Premier untergeordnet und entwickelte den Chatbot gemeinsam mit Microsoft. Im Dezember 2025 wurden sowohl die Agenturleitung als auch ihre Stellvertreterin unter Hausarrest gestellt. Ihnen wird vorgeworfen, eine kriminelle Vereinigung zu führen, die öffentliche Aufträge manipuliert, bevorzugte Firmen bedient und Wettbewerber durch Nötigungen bis hin zu Entführungen aussortiert hat. Schätzungen zufolge lenkte die mutmasslich korrupte KI-Ministerin 5 bis 10 Millionen Euro auf illegale Weise um, wie die NZZ berichtete.
Kritikerinnen und Kritikern zufolge bekämpft Diella Korruption nicht, sondern verschleiert sie. Der Quellcode sei nicht einsehbar, Entscheidungsgrundlagen blieben unklar, und die Verantwortlichkeit bei Fehlern sei ungeklärt. Die Opposition lehnte das Projekt von Anfang an als verfassungswidrig und propagandistisch ab.
Anila Bisha ist die Schauspielerin, die Diella Stimme und Aussehen gab. Sie reicht nun Klage ein. Ihr Avatar werde ohne Zustimmung verwendet; der ursprüngliche Vertrag für den e-Albania-Chatbot sei Ende 2025 ausgelaufen. Die Regierung weist die Vorwürfe als haltlos zurück.
Rama stellte die virtuelle Ministerin im Herbst 2024 vor und betonte ihre Vorteile: Die KI vergleicht Angebote bei öffentlichen Ausschreibungen automatisch und soll Bestechung komplett ausschliessen. Mit dem Spruch «Diella hat keine Cousins» machte Rama ausgerechnet auf das Vetternwirtschaftsproblem in Albanien aufmerksam.
