Darum wird dich «Life is Strange: Reunion» (vielleicht) berühren
Das allererste «Life is Strange» hinterliess 2015 seine Spuren in der Videospiellandschaft: Die emotionale Geschichte zwischen Max und Chloe ging tief und zeigte uns wieder mal, wie sehr Videospiele berühren können. Auch wenn wir spieletechnisch kaum gefordert wurden, hat uns dieses Abenteuer oft kalt erwischt. Durch diverse Entscheidungen nahm die Geschichte eine andere Wendung und bei manchen Weggabelungen wollten wir gar nicht erst weiterspielen.
Entscheidungen fällen
Nach dem ersten Hit wurde das «Life is Strange»-Universum mit diversen Titeln erweitert. Doch die beiden liebgewonnenen Figuren wurden dabei links liegen gelassen respektive mussten auf eine richtige Fortsetzung lange warten. Erst das letzte Abenteuer «Double Exposure» machte gen Ende klar, dass die beiden jungen Frauen bald ein richtiges Wiedersehen feiern dürfen.
Nun ist «Reunion» da und lässt uns vor dem Spielbeginn gleich heftig nachdenken. Denn bevor wir loslegen dürfen, müssen wir uns festlegen, welche Entscheidungen wir damals in den Vorgängern getroffen haben und wie wir zu den einzelnen Figuren stehen, denen wir im Verlauf der verschachtelten Handlung begegnet sind.
Ein grosses Unglück verhindern
Nach den ersten dramatischen Entscheidungen schlüpfen wir vorerst in die Rolle von Max, die an einer Universität Fotografie lehren darf und mittlerweile auch die Fähigkeit der Zeitmanipulation wieder intus hat.
Als sie mit eigenen Augen sieht, wie ein riesiges Feuer ihren geliebten Campus zerstört, dreht sie die Zeit kurzerhand zurück, um das Unglück zu verhindern. Diese eine Entscheidung hat bereits ein paar ordentliche Konsequenzen im Gepäck, denen wir uns nun in den kommenden rund zehn Stunden stellen müssen.
Die Logik muss draussen bleiben
Parallel wird Chloe von heftigen Albträumen oder Erinnerungen heimgesucht, die sie wieder mit Max vereinen. Dass diese Zusammenkunft im «Life is Strange»-Universum eigentlich keinen Sinn ergeben darf, wird nicht nur den Spielenden bewusst. Auch die jungen Frauen sind verwirrt und müssen gemeinsam mit der neuen Situation und ganz vielen Gefühlen zuerst klarkommen.
Dass das alles hinten und vorn nicht aufgehen kann und ein Zeitparadox das nächste jagt, blenden wir aus, um uns in erster Linie daran zu erfreuen, dass diese Kultfiguren endlich ein Wiedersehen feiern dürfen. Doch wie wird sich die Beziehung zwischen ihnen entwickeln? Das dürfen wir, so gut wir können und wollen, beeinflussen, müssen aber auch hier wieder mit Konsequenzen rechnen.
Eine Verschwörung in der Kleinstadt
Das drohende Inferno in der Zukunft bietet Nährboden für allerlei Dramen. Denn es geht hier nicht bloss um ein simples Feuer, das den Campus bedroht, sondern auch um eine städtische Verschwörung, in der gar ein Geheimbund, diverse Lehrkräfte und dubiose Gestalten mit drinstecken.
Also begibt man sich auf Spurensuche und unterhält sich mit diversen Figuren, um die nötigen Infos aus ihnen herauszuquetschen. Landet man in einer Dialog-Sackgasse, wird die Zeit zurückgespult und das Gespräch in eine andere Richtung geschoben, bis man alle Fakten und Hinweise beisammen hat, damit die Geschichte weitergehen kann.
Keine spielerischen Überraschungen
Auch «Reunion» ist wie die Vorgänger spielmechanisch simpel und stellt uns Rätsel vor die Nase, die sich fast schon alleine lösen. Wir steuern die Figuren durch simple Räume und Gebäude, die wir schon aus dem direkten Vorgänger her kennen, und erleben kaum eine Überraschung.
So zwingen wir uns fast schon durch Szenerien am Fliessband, um die Story nach vorne zu drücken und treffen natürlich hie und da ein paar ordentliche Entscheidungen, die sich auf das Ende oder eher auf die Endergebnisse des Spiels auswirken.
Emotionales Fest, aber nicht für alle
Optisch muss man sich mit Standardanimationen und holprigen Bewegungen der Figuren begnügen. Doch das ist okay, denn «Reunion» lebt vor allem durch das Wiedersehen der zwei Hauptfiguren, deren enge Bindung aber nur diejenigen nachvollziehen können, die damals ihr erstes Abenteuer ohne Kompromisse geliebt haben.
Wer neu in diesem Universum ist, wird sehr viele Fragen haben und die Faszination dieser Figurenkonstellation schlicht nicht nachvollziehen können. Für alle anderen ist es aber ein grosses emotionales Fest, Max und Chloe wiederzusehen und alles daranzusetzen, dass die beiden endlich das bekommen, was sie auch seit vielen Jahren verdienen.
Ans Herz gewachsen
Fazit: Das grosse Wiedersehen mit Max und Chloe ging mir näher als gedacht. Dass das ewige Drama zwischen den beiden nun eine letzte Chance bekommen hat, um die zwei endlich wieder zusammenzubringen, war die Hauptmotivation, mich durch die dann doch sehr langweiligen Szenerien zu bewegen.
Spielmechanisch wird hier bei «Reunion» wahrlich nur allersimpelste Kost spendiert und die aufgetischten Rätsel sind fast schon eine Frechheit. Doch nach jedem seichten Schauplatz nimmt die Story mit ihrem wieder grandios ausgewählten Indie-Soundtrack immer mehr an Fahrt auf und die Motivation brennt lichterloh.
Und gegen Ende wird alles wie gewohnt richtig schön dramatisch, sodass man nach dem Abspann einfach nur vor dem Bildschirm sitzen bleibt, um sich zu vergegenwärtigen, wie sehr einem Max und Chloe über die Jahre ans Herz gewachsen sind und nun (hoffentlich) ihre Ruhe gefunden haben.
«Life is Strange: Reunion» ist erhältlich für Playstation 5, Xbox Series X/S und PC. Freigegeben ab 16 Jahren.
