Darum verzückt «Pragmata» die Videospiel-Gemeinschaft
Videospielentwickler Capcom hat einen Lauf: Nachdem die hauseigene Horror-Franchise «Resident Evil» mit «Requiem» eine erfolgreiche Fortsetzung erhalten hat, wird die Game-Gemeinschaft kurz danach mit einer komplett neuen Marke versorgt, die vor allem mit einer frischen Spielmechanik für Applaus sorgt.
Eine neugierige Gesellschaft
Seinen ersten Arbeitstag auf dem Mond hat sich Hugh Williams wohl etwas anders vorgestellt: Kaum ist er mit seiner Truppe gelandet, fehlt nicht nur ein ordentliches Empfangskomitee, sondern auch eine unheimliche Stille und Leere hat sich in der Basis ausgebreitet. Als dann auch noch durch ein mysteriöses Beben die Gruppe getrennt wird und die Kommunikation zur Aussenwelt etwas schwierig wird, ist die Laune gehörig im Keller.
Doch Hugh bekommt in seinem schweren Raumanzug Gesellschaft. Ein kleines Mädchen taucht plötzlich auf und wird ab sofort zu seiner Begleitung. Das neugierige Menschlein stellt sich als eine Art künstliches Computerprogramm vor, das aus Gründen durch die Mondbasis schleicht. Hugh gibt ihr den Namen Diana und nimmt sie in seine Obhut. Eine gute Idee, denn ohne die Kleine wäre er ziemlich aufgeschmissen.
Hugh und Diana schliessen sofort Freundschaft und liefern sich danach viele herzallerliebste Dialoge. Die Chemie zwischen den beiden ist sofort vorhanden und überträgt sich auch spürbar auf den Action-Part, wenn sie gemeinsam gegen aggressive Roboter kämpfen. Was auch immer genau in dieser Mondbasis passiert ist, hat das hauseigene KI-System in ordentliche Alarmbereitschaft versetzt. Denn die beiden werden nun als Gefahr betrachtet und von diversen Maschinen durch die Korridore gejagt.
Doch nur wild auf die Gestalten ballern, bringt leider keinen Erfolg. Doch Diana hat ein paar ordentliche Hacking-Fähigkeiten parat und gemeinsam kämpfen sie sich durch die Basis, um einen Weg zurück auf die Erde zu finden und das Geheimnis um die verlassene Mondbasis zu lüften.
Ein frisches Spielgefühl
Erst beim Kampf gegen die Maschinen wird das grosse Merkmal und das Aushängeschild von «Pragmata» ersichtlich: Während die Maschinenwesen auf uns zukommen, zustampfen oder zufliegen, kommen Dianas Hacking-Fähigkeiten zum Zuge, die auf dem Bildschirm während der Schiessereien in einem separaten Minibildschirm zum Zuge kommen.
Dabei ist das Ziel immer, dass man in Minispielen den grünen Eingabeknopf auf einem Feld voller Quadrate erreicht und wegen Hindernissen schon mal in der Hitze des Gefechts einen anderen Weg einschlagen muss. War man erfolgreich, werden Schritt für Schritt Panzerungen deaktiviert und sonstige Schwachstellen des Gegners entblösst und aufgezeigt. Danach greift Hugh zu seinen unterschiedlichen Ballermännern und legt los. Mit Schubdüsen kann zusätzlich ausgewichen und auch mal höher gelegene Bereiche erreicht werden.
Diese Mechanik hört sich stressig und kompliziert an, funktioniert nach ein paar Versuchen aber tadellos und sorgt für ein frisches Spielgefühl, das erstaunlicherweise auch nach mehreren Spielstunden noch motiviert, Spass macht und stets ein befriedigendes Gefühl hinterlässt, wenn ein weiterer Gegner in sich zusammenfällt und explodiert.
Abgefahrene KI-Wünsche
Man möchte meinen, dass eine kalte Mondbasis als alleiniger Schauplatz wohl schnell die Monotonie auf den Plan rufen wird, doch das Spiel hat einen besonderen Kniff, um dem Areal eine gute Portion Abwechslung zu schenken.
Denn die KI hat einen riesigen 3D-Drucker in ihrem Griff mit dem sie Teile der menschlichen Welt aus Gründen nachgebaut hat, durch die nun unser dynamisches Duo wandern wird. Diese Idee ist so abgefahren, dass man sich ihr so gar nicht entziehen kann und sich genüsslich in die KI-Wunschwelten hineinbegibt und sich berieseln lässt.
Dass da eine Portion KI-Kritik mitschwebt und generell auch die aktuelle Gesellschaft unserer Zeit den Mahnfinger zu sehen bekommt, liegt fast schon auf der Hand. Das Spiel drängt sich damit aber nie in den Vordergrund, sondern streckt uns lediglich die Hand aus, um mitzugehen und sich zwischen den Zeilen damit zu befassen. Wer tiefer eintauchen möchte liest viele Dokumente und macht sich auf die Suche nach versteckten Räumen, um mehr über die Hintergründe zu erfahren und schraubt somit die Spielzeit nach oben.
Frisch und tut gut
Fazit: «Pragmata» überzeugt mit einer frischen Spielmechanik, die trotz anfänglicher Komplexität dann doch sehr schnell gemeistert werden kann und für einen besonderen Flow sorgt, sofern man sich für das alles auch begeistern mag.
Denn wer nur in einem SciFi-Setting wild herumballern möchte, wird hier enttäuscht werden und schnell einmal abschalten, da schnelles Handeln und strategisches Denken überlebenswichtig werden. Alle anderen Motivierten bekommen für rund 10 Stunden eine gute, kurzweilige Geschichte präsentiert, die mit ihrem ganz besonderen Heldenduo in Erinnerung bleiben wird.
Dass Capcom hier zudem nach einer etwas holprigen Entwicklungszeit zielgerichtet eine komplett neue Marke aus dem Boden gestampft hat, ist zusätzlich besonders löblich und tut der aktuellen Videospiellandschaft voller Sequels, Prequels und Remakes einfach nur gut.
«Pragmata» ist erhältlich für Playstation 5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch 2 und PC. Freigegeben ab 16 Jahren.
