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Die russische Zensurbehörde Roskomnadzor behauptet, die Auflistung russischer Militäropfer sowie getöteter ukrainischer Zivilisten und Kinder in einem Wikipedia-Artikel sei falsch.
Die russische Zensurbehörde Roskomnadzor behauptet, die Auflistung russischer Militäropfer sowie getöteter ukrainischer Zivilisten und Kinder in einem Wikipedia-Artikel sei falsch.Bild: EPA

Russland droht Wikipedia mit Sperre – wenn weiter über Kriegsopfer informiert wird

02.03.2022, 08:0002.03.2022, 13:21

Russlands Zensurbehörde droht, die gesamte Wikipedia im Land zu sperren, wenn die Online-Enzyklopädie nicht Informationen über die Opfer russischer Soldaten und militärische Gewalt gegen Zivilisten löscht. Dies berichtete «Vice» in einem in der Nacht auf Mittwoch publizierten Artikel.

Wie der Bellingcat-Forscher Aric Toler am Dienstag via Twitter publik machte, erhielten die russischen Wikipedia-Autoren die Warnung des «Föderalen Dienstes für die Überwachung von Kommunikation, Informationstechnologie und Massenmedien», besser bekannt als Roskomnadzor. Gleichzeitig wurde ihnen gedroht, dass die ganze Wikipedia-Website gesperrt werde, wenn sie nicht kooperierten.

Begründung: Der betreffende Wikipedia-Artikel verstosse gegen russisches Gesetz. Die Zensurbehörde zitierte ausdrücklich die Auflistung russischer Militäropfer sowie ukrainischer Zivilisten und Kinder als falsch – und fordert die Betreiber der Website auf, diese Informationen zu löschen.

Der Tweet des Belingcat-Journalisten, einer in den Niederlanden ansässige Gruppe für investigativen Journalismus, die sich auf Faktenprüfung und Open-Source-Informationen spezialisiert hat.
Der Tweet des Belingcat-Journalisten, einer in den Niederlanden ansässige Gruppe für investigativen Journalismus, die sich auf Faktenprüfung und Open-Source-Informationen spezialisiert hat.screenshot: twitter

Nicht der erste Zensurversuch

Ein Wikipedia-Autor erzählte «Vice», dass dies nicht die erste Drohung von Roskomnadzor sei. Sie hätten im Laufe der Jahre bereits ein paar Dutzend erhalten. Diese seien auf Wikipedia (auf Russisch) öffentlich dokumentiert.

Zum Zeitpunkt des Berichts führte der Wikipedia-Artikel «Russische Invasion in der Ukraine (2022)» laut «Vice» Zahlen der Opfer sowohl der russischen als auch der ukrainischen Regierung auf, die allerdings stark variierten:

  • «Die Ukraine behauptet, dass 352 Zivilisten getötet und 1684 verwundet wurden und mehr als 110 ukrainische Soldaten getötet wurden; Russland behauptet, dass 200 ukrainische Soldaten getötet wurden und zwei russische Soldaten.»
  • Die Ukraine behauptet, dass es 5710 russische Militäropfer und 200 Gefangene gegeben habe.

Am Dienstag hatte die gemeinnützige Stiftung, die hinter dem Wikipedia-Projekt steht, eine Erklärung zur Unterstützung des freien Zugangs zu Informationen während des Ukraine-Kriegs veröffentlicht. In dieser Erklärung heisst es:

«Die Wikimedia Foundation arbeitet aktiv mit betroffenen Gemeinschaften zusammen, um potenzielle Bedrohungen für Informationen auf Wikimedia-Projekten zu identifizieren, und unterstützt freiwillige Redakteure und Administratoren, die als erste Verteidigungslinie gegen die Manipulation von Fakten und Wissen dienen.»
quelle: wikimediafoundation.org

Quellen

(dsc)

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34 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hans Jürg
02.03.2022 08:14registriert Januar 2015
Das Putin-Regime kann nur drohen und morden.
Warum versuchen die das nicht mal mit Argumenten und stellen sich dem demokratischen Wettbewerb im eigenen Land?
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Lai Nair
02.03.2022 09:07registriert Dezember 2016
Hallo Putinzkis: dann sperrt doch einfach alles, was euch nicht passt, denn dann gibt es in eurem Land bald gar nichts mehr zu lesen, zu sehen oder zu hören. Käme auch wohl entgegen, wenn euer ganzes Volk nur noch euch und dem sog. "Präsidenten" folgen würde. Vergesst aber nicht, dass dies eigentlich nur Wunschträume sind, welche euch umgeben.
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dega
02.03.2022 08:49registriert Mai 2021
Ui, da hat aber Wikipedia schiss.... LOL wie dumm ist das denn...🤦‍♂️
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32 Karikaturen, die Putins Angriffskrieg auf den Punkt bringen
Die nur schwer verdaulichen Ereignisse rund um den Ukraine-Krieg im Spiegel der Karikaturistinnen und Karikaturisten.

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