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Nach Webland ist Hoststar von tagelangem Server-Ausfall betroffen

Büro des Schweizer Hosting-Providers Hoststar (Archivbild).
Dieses Pressebild stellt Hoststar den Medien zur Verfügung. Aktuell gebe es «krankheitsbedingte Personalengpässe».archivBild: Hoststar

Nach Webland ist Hoststar von tagelangem Server-Ausfall betroffen – das wissen wir

Wieder sorgt ein Schweizer Hosting-Provider, der zur gleichen internationalen Holding-Gesellschaft wie Webland gehört, für negative Schlagzeilen. watson hat sich auf Spurensuche begeben.
29.01.2026, 18:2329.01.2026, 20:54

Erneut sind Kunden eines Schweizer Hosting-Providers, der wie Webland von der Miss Group übernommen wurde, von einem Serverausfall betroffen. Der aktuelle Fall dreht sich um die Berner Firma Hoststar.

Wie bei den mehrwöchigen technischen Problemen bei Webland harzt es bei der Krisenkommunikation. Die Verantwortlichen bei der schwedischen Holding-Gesellschaft relativieren – und geben der Grippe schuld.

Was ist passiert?

Der zur schwedischen Holding-Gesellschaft Miss Group gehörende Schweizer Webhosting-Anbieter Hoststar hat mit technischen Problemen zu kämpfen.

Ein betroffener Kunde erklärt, dass der Ausfall für ihn besonders ärgerlich sei: «Ich war schon vom Ausfall Ende 2025 bei Webland betroffen– offensichtlich hat man bei der Miss Group nichts dazu gelernt.»

Am Donnerstag hätten bei ihm weder die Web-Dienste, noch das E-Mail funktioniert. Mit der Information der Betroffenen habe sich das Unternehmen «ganze zwei Tage Zeit gelassen».

Hoststar war 2022 von der Miss Group übernommen worden. Gemäss Angaben der Firma beschäftigt sie rund 30 Mitarbeitende, man gehöre zu den grössten Schweizer Hosting-Anbietern mit Dienstleistungen vorwiegend in der Schweiz und Österreich. Rund 80’000 Kunden setzten auf die Lösungen von Hoststar. Insgesamt betreue das Unternehmen mehr als 180’000 Domains.

Wo ist das Problem?

Hoststar-Kunden, die am Donnerstag den Support anriefen, hörten, dass «eine Störung auf dem Server LX13» vorliege. Und: «Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Störung so schnell wie möglich zu beheben.»

«LX» steht in der Branche üblicherweise für ein Linux-basiertes Hosting-System. Wenn ein Server ausfällt, sind alle Webseiten, E-Mail-Konten und Datenbanken, die physisch auf dem entsprechenden System liegen, nicht oder nur eingeschränkt erreichbar.

watson hakte am Donnerstagmorgen beim zuständigen Verantwortlichen der schwedischen Holding-Gesellschaft Miss Group nach. Jimmie Eriksson, Chief Operating Officer (COO), erklärte:

Ein Server fiel am 27. Januar aus und sollte heute [Donnerstag] wieder betriebsbereit sein. Es handelt sich nur um diesen einen Server, nicht um das gesamte System.

Und weiter:

«Der Grund hierfür ist eine defekte virtuelle Festplatte. Es sind zwar nur sehr wenige Kunden betroffen, aber es befinden sich grosse Datenmengen auf dem Server, deren Wiederherstellung Zeit in Anspruch nimmt.»
Insider-Informationen?

watson-Redaktor Daniel Schurter ist über die verschlüsselte Messenger-App Threema auch anonym zu erreichen. Seine «Threema ID» lautet: ACYMFHZX. Oder du schreibst an daniel.schurter [at] protonmail.com. Wer sich beim Schweizer Secure-Mail-Anbieter (kostenlos) registriert, kann verschlüsselte E-Mails verschicken.

Hoststar, das den Hauptsitz in Fraubrunnen im Kanton Bern hat, betreibt gemäss eigenen Angaben seine Infrastruktur mit über 500 Servern an mehreren Standorten – angeblich ausschliesslich in der Schweiz. Das Unternehmen hat keine eigenen Rechenzentren, sondern setzt wie Webland auf «Colocation». Das heisst konkret, man mietet Flächen in Dritt-Rechenzentren.

Was ist an dem Fall ungewöhnlich?

Der watson-User, der vom Hoststar-Ausfall betroffen ist und den Fall gemeldet hat, kommentiert:

«Das Muster ist wiederum dasselbe: Vollmundige Versprechen auf der Website bezüglich Redundanz, Absicherung und Verfügbarkeit – der betroffene Server ist aber infolge ‹Hardwaredefekt› seit dem 27. Januar vom Netz. Die Kommunikation ist noch schlechter als bei Webland – Hoststar hat nicht mal eine Status-Website.»

Eine öffentlich einsehbare Status-Seite bietet Hoststar tatsächlich nicht an. Und ein Testanruf von watson auf der Support-Hotline endete mit einer automatischen Ansage, die die Kundschaft verärgern dürfte:

«Unsere Hotline ist aktuell aufgrund von Wartungsarbeiten geschlossen.»

Der zuständige Manager in Schweden versucht, die Probleme auf Anfrage zu relativieren:

«Alle betroffenen Kunden auf diesem Server haben Informationen in ihrem Kundenbereich («Mein Konto«) erhalten. Leider ist unsere telefonische Hotline aufgrund von krankheitsbedingten Personalengpässen vorübergehend geschlossen. Der Server sollte heute [Donnerstag] wieder funktionieren, und wir hoffen, dass alle Mitarbeiter am Montag wieder im Einsatz sind.»

Bleibt die Frage offen, warum es wie beim Webland-Ausfall keine technische Ausfallsicherheit gibt. Denn das passt überhaupt nicht zum Werbeversprechen, das der Hosting-Provider auf seiner Website macht:

«Wir garantieren für unsere Server eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent. Die gesamte Serverinfrastruktur wird 365 Tage im Jahr rund um die Uhr überwacht. Ausserdem ist die Server-Hardware zu 100 Prozent mit redundanten Komponenten ausgestattet und wird im Minutentakt automatisch über drei Backbones kontrolliert. Mit unserer Infrastruktur bieten wir Ihnen eine überdurchschnittlich hohe Zuverlässigkeit an!»
quelle: hoststar.ch

Die 2014 gegründete Miss Group ist eine internationale Webhosting-Gruppe mit Hauptsitz in Schweden, die in den Vorjahren mit einer aggressiven Wachstumsstrategie und vielen Firmenübernahmen auffiel. Anfang 2025 wurde bekannt, dass der Gründer und die bisherigen Geldgeber, eine Investmentgesellschaft, einen Exit vorbereiten. Die Holding könnte noch 2026 verkauft werden.

Alles Cloud oder was?

On-Premise-Infrastruktur (oft auch «on prem» oder «On-premises IT» genannt) meint Hardware und Software, die von einem Unternehmen selbst betrieben wird, respektive im eigenen Rechenzentrum läuft. Die Server befinden sich auf Gelände im eigenen Verantwortungsbereich und werden von eigenem Personal gewartet.

Hingegen bieten Hyperscaler wie Amazon Web Services (AWS) oder Microsoft ihre massive Infrastruktur als Public-Cloud-Dienste an, die für jeden zugänglich sind. Dazu betreiben sie weltweit verteilt Rechenzentren (mitsamt eigenen Datennetzen). Gegen Bezahlung können sich Dritte einmieten und je nach Bedarf Server-Leistung sowie Speicherplatz und Softwarepakete beziehen.

Eine Private Cloud kombiniert die Vorteile einer Public Cloud mit der Sicherheit und Kontrollierbarkeit der Infrastruktur vor Ort. Die Software kann innerhalb des eigenen Rechenzentrums eines Unternehmens, in einer Dritteinrichtung oder über einen Private-Cloud-Anbieter «gehostet», also dort betrieben werden.

Colocation (auch Server Housing genannt) bedeutet, dass ein Unternehmen seine eigenen Server in einem externen Rechenzentrum auf einer angemieteten Fläche betreibt. Strom, Kühlung, Netzwerk und physische Sicherheit gibt es durch den Vertragspartner, für die Server-Hardware ist man aber selbst verantwortlich.

Editorial Bild

Quellen

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Die beliebtesten Kommentare
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KarlWeber
29.01.2026 21:13registriert März 2017
"Wenn ein Server ausfällt, sind alle Webseiten, E-Mail-Konten und Datenbanken, die physisch auf dem entsprechenden System liegen, nicht oder nur eingeschränkt erreichbar"

Nein das sollte so nicht stimmen. Moderne IT Lösungen sind eigentlich Redundant aufgebaut und ein einziger defekter Server sollte noch keinen merkbaren Einfluss auf die Verfügbarkeit haben.
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Revan
29.01.2026 19:32registriert Mai 2019
99.0% sind knapp 9h pro Jahr...das wird dann wohl nix mit der SLA-Einhaltung in diesem Jahr. Und wie kann ein Serverausfall (1!) überhaupt zu einer Downtime führen? Selbst wenn man beim failover geschlampt hat, müsste der ja zumindest nach einigen Minuten manuell switchen können. Ein längerer Ausfall kann eigentlich nur bedeuten, dass es nie eine Redundanz gab.
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Fips34
29.01.2026 21:25registriert August 2025
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