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epa04998455 A hand holds a mobile phone showing SMS roaming information in the European Parliament in Strasbourg, France, 27 October 2015. Members of the European Parliament were voting on whether to scrap data roaming charges within the EU for mobile phone users.  EPA/PATRICK SEEGER

Das Europaparlament schafft die Roaming-Gebühren per 2017 ab.
Bild: PATRICK SEEGER/EPA/KEYSTONE

Die EU schafft Roaming-Gebühren fürs Handy ab – in der Schweiz könnten deswegen die Preise sogar steigen



In der EU gehören die teuren Roaming-Gebühren ab Sommer 2017 weitgehend der Vergangenheit an. Bereits ab Frühling 2016 sollen die Mobilfunkanbieter ihre Tarife massiv senken müssen. Dies hat am Dienstag das Europaparlament beschlossen. In der Schweiz aber kassieren die grossen Telekomunternehmen weiterhin jährlich rund 800 Millionen Franken für die Mobiltelefonie im Ausland. Das Unfassbare: Salt, ehemals Orange, hat die Roaming-Tarife «bei den für die meisten Kunden relevanten Standardtarifen seit 2002 nicht mehr angepasst», sagt Telekomexperte Ralf Beyeler von Comparis.

Salt macht seit 13 Jahren Kasse mit unverändert hohen Roaming-Gebühren

Salt kontert den Vorwurf: «Wir führten bereits im Februar die Roaming-Offensive vom September 2014 weiter. Salt halbierte dabei die Gesprächstarife in Europa.» Und weiter: «Wir bieten als einziger Schweizer Anbieter seit Juli 2015 WiFi-Calling auch im Ausland an, wodurch Roaming-Gebühren weltweit gänzlich vermieden werden können.» Mit WiFi-Calling können Kunden im Ausland ohne zusätzliche Apps wie Skype oder WhatsApp zu Schweizer Tarifen telefonieren, wenn sie sich in einem WLAN befinden. WiFi-Calling entschärft die Roaming-Problematik insofern nur sehr beschränkt. 

Und Sunrise?

«Wir haben uns bewusst für eine flexible und kostengünstige Lösung mit Roaming-Optionen entschieden, die gezielt während der Ferienzeit hinzu gebucht werden können», heisst es bei Sunrise. Kunden zahlten daher für Roaming-Pakete nur dann, wenn sie diese wirklich benötigen.

Und Swisscom?

«Swisscom hat die Roaming-Preise in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt und ist gerade auf den Standardtarifen massiv günstiger als ihre Mitbewerber», heisst es auf Anfrage. So seien die Datenpreise seit 2006 um über 96 Prozent gesunken, für Telefonie um 59 Prozent und SMS um 50 Prozent.

Tatsächlich: Swisscom hat im April diesen Jahres die Roaming-Tarife mit einem Paukenschlag abgeschafft, allerdings nur für Kunden eines teuren Handy-Abos. «Viele Swisscom-Kunden zahlen keine Roaming-Gebühren mehr, wenn sie im europäischen Ausland unterwegs sind. Mit der Einführung von Natel Infinity Plus ist Telefonie, SMS und Datenroaming (bis zu 12 GB) für mindestens 30 Tage eingeschlossen», sagt Swisscom. Da die Kunden im Schnitt 22 Tage pro Jahr im Ausland ihr Handy nutzten, würden für sie somit keine weiteren Kosten anfallen.

Streit ums Roaming geht in die nächste Runde

Politiker, Konsumentenschützer und Telekomexperten kann Swisscom so nicht beschwichtigen. Munition erhalten die Kritiker von der Bundesverwaltung: In einem Bericht vom November 2014 schreibt das Bundesamt für Kommunikation (Bakom), dass die Preise für Anrufe und SMS noch immer höher seien als in der EU üblich. Mit dem faktischen Roaming Aus in der EU klafft die Preislücke zum Nachteil der in der Schweiz lebenden Handy-Nutzern bald noch weit grösser. «Bei Salt und Sunrise werden die Kunden regelrecht abgezockt», sagte der Schweizer Telekomexperte Beyeler vor den Sommerferien gegenüber watson.

Wir haben Swisscom, Salt und Sunrise gefragt, wie sie auf den Preissturz in Europa zu reagieren gedenken:

Swisscom sagt:

«Innerhalb der EU sind die Einkaufstarife für Roaming reguliert, also die Preise, die ein Anbieter einem anderen zahlen muss, wenn ein Kunde das fremde Netz benutzt. Die Schweizer Mobilfunkanbieter profitieren nicht von diesen regulierten Tarifen und müssen somit meist höhere Preise zahlen. Es ist derzeit nicht absehbar, dass sich diese Einkaufspreise an das regulierte EU-Niveau anpassen.»

Sunrise sagt:

«Der Entscheid des Europaparlaments könnte – sofern er bestätigt/rechtskräftig wird – zu steigenden Einkaufspreisen führen. Wie wir bereits in der Vergangenheit festgestellt haben, versuchen die EU-Anbieter, ihren Verlust durch die angeordnete Roaming-Preissenkung ausserhalb der EU zu kompensieren. Alle nicht EU-Länder müssen also mehr bezahlen und der EU-Binnenraum wird somit «quersubventioniert». Entscheidend bei den Preisverhandlungen sind jedoch die Volumen. Je mehr Volumen angeboten werden können, desto tiefere Preise können verhandelt werden.»

Salt sagt:

«Die EU-Roamingregulierung ist vor allem politisch motiviert, um den europäischen Binnenmarkt zu fördern. Häufig sind gerade die EU-Anbieter für Nicht-EU-Länder massiv teurer als beispielsweise die Schweizer Anbieter. Salt hat bilaterale Roaming-Verträge mit über 520 Roamingpartnern abgeschlossen. Die Roamingtarife und die Abläufe müssen dabei mit jedem ausländischen Anbieter einzeln und fortlaufend neu verhandelt werden. Die Preise sind generell vom Volumen abhängig. Da die Schweiz nicht EU-Mitglied ist, sind die ausländischen Netzbetreiber auch zukünftig nicht verpflichtet, Salt die regulierten EU-Tarife zu gewähren oder gänzlich darauf zu verzichten.»

Das heisst im Klartext:

Wer bei Swisscom kein teures Infinity-Plus-Abo und bei Sunrise kein Roaming-Paket fürs Ausland bezieht, zahlt weiter hohe Roaming-Gebühren.

Ständerat verhindert günstigeres Roaming

Das Thema Roaming-Gebühren kommt regelmässig im Parlament aufs Tapet. Zuletzt hat der Ständerat im März gleich zwei Motionen abgelehnt, mit welchen der Nationalrat die Tarife für die Handynutzung im Ausland deckeln wollte, sprich genau dies tun wollte, was die EU nun beschlossen hat. Die Ständeräte argumentierten, die Telekombranche habe die Tarife in den letzten Jahren bereits stark gesenkt.

Die Schweiz sei zudem nicht Mitglied der EU, die Schweizer Mobilfunkanbieter müssten deshalb die Preise mit den europäischen Anbietern aushandeln, sagte Bundesrätin Doris Leuthard während der Ständeratsdebatte zum Thema. Dieses Problem liesse sich mit einem neuen bilateralen Abkommen lösen, das sei aber nicht in Reichweite.

Swisscom, Salt und Sunrise können sich somit weiter hinter den mehrheitlich wirtschaftsfreundlichen und konsumentenfeindlichen Schweizer Parlamentariern verstecken. «Es ist jedes Mal dasselbe», bedauert Florence Bettschart, von der Westschweizer Konsumentenorganisation FRC. Wenn es eine Debatte im Parlament gebe, bewegten sich die Anbieter ein wenig. Aber das sei Augenwischerei. Klar ist: Bei uns bleiben die Roaming-Gebühren für viele Kunden hoch. 

Bewegung in den Roaming-Streit könnte frühestens die angestrebte Revision des Fernmeldegesetzes bringen, das voraussichtlich 2016 auf den Tisch kommt. Doch selbst die Konsumentenschützer glauben nicht daran: Die Frage sei eher, ob der Wandel in der Schweiz in fünf, zehn oder zwanzig Jahren komme, sagt Bettschart.

Fazit: Der Kunde muss sich selbst helfen

Diese 9 Tipps helfen gegen saftige Handyrechnungen.

Mit Material der Agentur SDA.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • f303 28.10.2015 11:40
    Highlight Highlight An alle die jetzt sagen dann einfach ein EU-Abo machen und hier benutzen: Das geht so leider nicht.
    Die Provider setzen eine Mindestdauer Benutzung im Heimnetz voraus. Man muss also deutlich mehr im Netz in dem man das Abo gelöst hat unterwegs sein als im Ausland. Ganz doof sind die ja auch nicht. ;-)
    • schille 28.10.2015 14:35
      Highlight Highlight Steht so aber nicht in den AGBs (habe extra nochmal nachgeschaut). Nebenbei wird dieser Tarif speziell mit "Europa wird eins" beworben ;)
  • schille 28.10.2015 10:10
    Highlight Highlight Einfach ein deutsches Abo besorgen! 45EUR inkl. 2GB mit 150Mbit/s, komplette Flat zum telefonieren und das ganze gilt in der kompletten EU+CH
  • Gustav.s 28.10.2015 07:51
    Highlight Highlight Viele EU-Bürger wohnen da und arbeiten hier, noch mehr reisen durch unser Land.
    Da sollte doch ein Abkommen möglich sein. Zum Beispiel: Schweizer Anbieter verlangen keine Gebühr von EU-Bürgern und die EU keine von uns.
    Vermutlich verdienen alle Anbieter einfach zuviel an uns.
  • Donald 27.10.2015 21:01
    Highlight Highlight Ich bin gerafe interkontinental unterwerfen. Falls mich jemand anruft, muss ich Salt 4.- pro Minute bezahlen. Unglaublich... immerhin haben sie mich per SMS vorgewarnt.

    Es könnte aber sein, dass Themen wie eSIM oder Google Fi den Markt schon bald kräftig durchschütteln.
  • azoui 27.10.2015 20:50
    Highlight Highlight für grenzgänger die sich mehrheitlich in der ch aufhalten, empfehle ich salt euro pack classic. kostet zwar 100 sfr, pro monat, läuft ein jahr und muss direkt bezahlt werden. man hat aber "all you can eat" bis auf daten im ausland, die sind auf 1gb pro monat limitiert. für mich ist das bei den gegebenen umständen, optimal.
  • Kaspar Floigen 27.10.2015 20:36
    Highlight Highlight Zusammenfassend: den Verlust der Netz-Neutralität werden wir wohl über nehmen, aber den Trostpreis, die günstigeren roaming Gebühren, die bekommen wir nicht. Hab ich das richtig verstanden?
    • Donalf 28.10.2015 18:50
      Highlight Highlight Richtig, aber wir wollen ja ein Insel sein! Der Weg dahin ist weit und teuer. Schlaue wollen über EU-Abo ausweichen, VORSICHT!
  • 2sel 27.10.2015 20:35
    Highlight Highlight Ist doch ganz einfach: Immer in dem Land, in dem man sich befindet eine Prepaid Sie kaufen...
    • Herr Lehmann 27.10.2015 20:57
      Highlight Highlight Wenn man öfters in dieses Land reist, oder länger dort bleibt - dann schon! Aber für 1 Woche Ferien- neue Ausland SimCard ?
    • Fachmann 27.10.2015 22:07
      Highlight Highlight Je nachdem wieviel du telefonierst oder surfst lohnt sich der Kauf einer Prepaid Karte sehr schnell. (Dank Whatsapp Calling brauchst du eigentlich nur noch Internetzugang, mehr nicht.)

      Noch besser ist, wenn du dich vorbereitest und vor dem Urlaub via Ebay eine Prepaid Karte von Three UK bestellst. Für 15 £ kannst du damit in halb Europa telefonieren und surfen (3 GB für 30 Tage).

      Weitere Infos siehe http://prepaid-data-sim-card.wikia.com/
  • Aaron 27.10.2015 20:08
    Highlight Highlight Ich möchte lieber das Internet behalten!
  • Oberon 27.10.2015 19:23
    Highlight Highlight Das ist doch okay immer noch viel zu billig in der Schweiz. Die Leute wollen einen Alleingang dann soll sie auch dafür zahlen.
    • Marco86 28.10.2015 11:06
      Highlight Highlight Lasst uns doch sofort der EU beitreten! Egal ob sie funktioniert - dabei sein ist alles....
  • jaran17 27.10.2015 18:45
    Highlight Highlight Dass unsere Provider überteuert sind ist nichts neues. Jedesmal wenn ich im Ausland unterwegs bin, erschrecke ich aufs neue.
    Gerade weile ich 3 Monate in Frankreich und habe mir für diese Zeit ein Abo von free gekauft. kostet pro Monat 20€ plus einmalig 10€ für die SIM. Alles innerhalb FR ist inklusive. und auch ausserhalb vieles, z.B. das telefonieren ins Schweizer Festnetz.
    insgesamt kostet mich das weniger als ein vergleichbares Abo eines CH-Providers in einem Monat!!!
    • User01 27.10.2015 22:35
      Highlight Highlight Die Schweiz hat die doppelte Bevölkerungsdichte verglichen mit Frankreich, also benötigen wir mehr Antennen, damit die Datenübertragung nicht zur Schneckenpost wird. Weiter gelten in der Schweiz für unser Mobilfunknetz Grenzwerte für nichtionisierende Strahlung, die um einen Faktor 10 strenger sind als in Europa üblich. Kann eine Antenne 10x weniger stark strahlen, benötigt es 100x mehr Antennen, die die gleiche Fläche abdecken. Noch Fragen?

Im Netz kursieren Verschwörungstheorien über das 5G-Netz – 14 Fakten, die du kennen musst

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen 5G-Netz.

Die Schweizer Mobilfunkanbieter rühren die Trommel für das Mobilfunknetz der 5. Generation. Sunrise und Swisscom gehören weltweit zu den ersten Mobilfunkfirmen mit einem 5G-Netz. Salt zieht in der zweiten Jahreshälfte nach.

Doch was die einen freut, verunsichert andere: Wie viele neue Antennen braucht es? Steigt mit 5G die Strahlenbelastung? Kann das neue Netz gar Krebs verursachen?

Nebst Warnrufen von seriösen Ärzten kursieren im Internet auch abstruse Verschwörungstheorien, die nur ein Ziel …

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