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Das musst du über Neodym und Indium wissen, das in deinen Geräten steckt

In Elektronikgeräten sind mehrere seltene Metalle verbaut, doch nur die Rückgewinnung von Gold ist lukrativ. Die Schweiz sollte das Recycling anders angehen. Wie, das erklärt eine Empa-Forscherin.



Das Wichtigste in Kürze: In Handys, LCD-Bildschirmen und anderen Elektronikgeräten stecken seltene Metalle wie Neodym, Indium und Gold. Nur letzteres wird durch Recycling grösstenteils wiedergewonnen. Die anderen Elemente gehen bei der Entsorgung fast komplett verloren, wie eine Studie der Empa zeigt.

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Wertvolle Rohstoffe drohen unwiderruflich verloren zu gehen. bild: shutterstock

«Der weitaus grösste Anteil an Neodym und Indium ist immer noch in den aktuell genutzten Geräten.»

Esther Thiébaud quelle: empa.ch

Elektronikhersteller hätten ein riesiges Problem, wenn ihnen Neodym und Indium ausgingen. Beide Metalle werden fast nur in China abgebaut.

Aber auch in der Schweiz schlummert ein Schatz dieser seltenen Elemente: In Elektronikgeräten, die noch in Gebrauch sind, und solchen, die entsorgt werden. Die Empa-Forscherin Esther Thiébaud hat in ihrer Doktorarbeit untersucht, wo diese Metalle in der Schweiz vorliegen und was mit ihnen geschieht, wie die Forschungsanstalt Empa schreibt.

Wo die seltenen Metalle stecken 

Den aktuellsten zur Verfügung stehenden Daten von 2014 zufolge steckten 1.7 Tonnen Indium und 39 Tonnen Neodym in den noch genutzten Elektronikgeräten in der Schweiz. Dies macht den grössten Anteil des Vorkommens der beiden Metalle in der Schweiz aus.

Der zweitgrösste Anteil findet sich in der Entsorgung und ist fast komplett für die Wiederverwertung als Elektronikbestandteil verloren, wie die Empa schreibt:

Lohnen würde sich das Recycling auch bei Indium und Neodym, wie das Forschungsteam um Heinz Böni von der Empa bereits 2015 untersuchte.

Was du über das Recycling wissen solltest

Die Rückgewinnung von Indium ist zwar technisch aufwendig und mit Zusatzkosten verbunden, was sich aber zum Beispiel mit 50 Rappen zusätzlich zum vorgezogenen Recyclingbeitrag pro LCD-Bildschirm decken liesse.

Für die Umwelt wäre die Wiedergewinnung besser als der Abbau in Minen. Vorausgesetzt, die ausgedienten Geräte werden manuell zerlegt und nicht mechanisch zerkleinert.

Bei der Rückgewinnung von Neodym sei die Bilanz für die Umwelt sogar noch besser: Das Recycling des Elements belastet die Umwelt um ein Drittel weniger als die Neugewinnung in Minen, so das Fazit der Forschenden um Böni.

Dass beide seltenen Metalle in der Schweiz so gut wie gar nicht recycelt werden, habe mehrere Gründe, schreibt die Empa. Ein Problem ist, das Elektronikgeräte noch viel zu oft im Hauskehricht landen anstatt fachgerecht entsorgt zu werden.

Aber selbst wenn sie in den Recyclingprozess gelangen, ist die finanzielle Motivation für die Recyclingunternehmen nicht hoch genug, für die Wiedergewinnung von Neodym und Indium den gleichen Aufwand zu betreiben wie für Gold.

Was wir (vorläufig) tun sollten in der Schweiz

Im Jahr 2014 erreichten 330 Kilogramm Gold aus ausgedienten Elektronikgeräten den Recyclingprozess, was einem Wert von 13'600'000 US-Dollar (rund 13'300'000 Franken) entspricht. Dem gegenüber stehen 2800 Kilogramm Neodym mit einem Wert von 200'000 Dollar (196'000 Franken) und 90 Kilogramm Indium mit einem Wert von 36'000 Dollar (35'000 Franken).

Würde man den vorgezogenen Recyclingbeitrag geringfügig erhöhen, könnte dies das Recycling der seltenen Metalle wirtschaftlich attraktiver machen, ist Thiébaud überzeugt.

Bis dahin wäre es aber zumindest sinnvoll, die Elektronikbauteile mit hohem Anteil an Indium und Neodym beim Recycling zu isolieren und zwischen zu lagern. Wo die Metalle überall drin stecken, erfährst du in der Infobox:

Gut zu wissen

Die drei Rohstoffe Gold, Neodym und Indium gehören zu den rarsten Elementen auf der Erde: Jedes der drei Metalle macht weniger als 0,0000 1% der Erdkruste aus. Sie finden sich in einer Vielzahl von elektronischen Geräten – zwar in geringen Mengen, dafür aber in Schlüsselfunktionen:
– Indium ist als Indiumzinnoxid elektrisch leitend und gleichzeitig durchsichtig. Wegen diesen Eigenschaften wird das Material etwa in LCD-Bildschirmen eingesetzt.
– Neodym wird in Verbindung mit Eisen und Bor verwendet, um starke Magneten herzustellen. Sie finden sich etwa in Festplatten, Lautsprechern, Kopfhörernund Mobiltelefonen.
– Gold ist ein sehr guter Leiter, der nicht korrodieren kann. Das ­Metall wird deshalb in Elektronikbauteilen wie Schaltkontakten oder Leiterplatten verwendet.
(Quelle: empa.ch)

(dsc/sda)

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Video: srf/SDA SRF

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • biszumbitterenende 10.01.2019 18:21
    Highlight Highlight Ich meine diese Studie der EMPA zu kennen und dachte das Recycling von Indium bringt kaum einen ökologischen Vorteil im Vergleich zur Primärproduktion, da Indium als Nebenprodukt bei der Zinkgewinnung anfällt. Eine manuelle Demontage der Geräte ist für mich kaum denkbar, das wäre der einzige Fall in dem ein signifikanter ökologischer Vorteil entsteht. Der einzige Grund beim Indiumrecycling wäre also die Abhängigkeit von China, dem Hauptproduzenten, zu reduzieren.
    Benutzer Bild
  • R. Schmid 10.01.2019 05:17
    Highlight Highlight Der Böni... Ist ja klar, dass er es anders sieht. Wenn der Aufwand sich rechnet, wird es getan.
    • @schurt3r 10.01.2019 06:26
      Highlight Highlight Was wohl der R. Schmid mit seinem ersten Satz meint?

      🧐
  • Pafeld 09.01.2019 15:42
    Highlight Highlight LCD-Bildschirme? Aber der pleonastischen Verwirrung hab ich mich doch glatt mit dem HIV-Virus infiziert. Mit IT-Technik scheint Ihr wohl ein paar Probleme zu haben.
    • DonChaote 09.01.2019 21:54
      Highlight Highlight @pafeld
      Ihnen ist bewusst, dass display nicht gleich bildschirm ist? Das wäre der screen. Display ist nur das anzeigeelement vom bildschirm. Daher eher unbegründete pleonastische verwirrung 😉
      Herz trotzdem, weil verdrückt
    • Infamie 10.01.2019 18:42
      Highlight Highlight Pafeld hat bewusst drei pleonasm eingebaut, hat er doch recht mit den LCD screens, wenn auch umgangssprachlich betrachtet.

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