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Rhode

Armin Rhode in Aktion. Bild: spiegel.de

Armin Rohde im «Tatort»: Geliebtes Biest

Als Vatertier im Kampfmodus rettete Armin Rohde am Sonntag den Kölner «Tatort». Kein anderer leuchtet zurzeit im Fernsehkrimi so rigoros die Grauzonen zwischen Gut und Böse aus. Eine Hommage.

Christian Buss



Ein Artikel von

Spiegel Online

Diese Pranken können liebkosen. Und würgen. Manchmal beides zusammen. So viel Zärtlichkeit, so viel Zerstörungswille, wie der 100-Kilo-Koloss Armin Rohde am Sonntag in der ansonsten eher unterkühlten Kölner «Tatort»-Episode «Dicker als Wasser» verstrahlte, kriegt man selten in ein und derselben Rolle zu sehen.

Rohde spielte den Kleingangster Trimborn, der auf eigentümliche Weise um seinen Sohn buhlt. Er drückte dessen besten Freund die Luft ab, drohte der Freundin über einem selbst zusammengerührten Pudding und prügelte den Jungen immer wieder in den kriminellen Familienbetrieb zurück. Sah er die Einheit von Vater und Sohn bedroht, zeigte er der Welt sein Haifischlächeln.

Liebe? Angst? Gier? Was genau war eigentlich die Motivation von Rohdes Verbrecher-Vater? Gut möglich, dass sich der Schauspieler selbst solche Fragen gar nicht stellt. Er ist wohl das, was man einen Instinktschauspieler nennt. Gut oder böse? Unerheblich, mit solch moralischem Gedöns halten sich nur Krimi-Spiesser auf.

Armin Rohde aber ist der Mann fürs Ambivalente. Schon vor dem Gangster-Stück an diesem Sonntag hat er für den «Tatort» furiose Vatertiere gegeben. Etwa in der legendären Kölner Folge «Bestien» 2001, wo er einen Rocker-Daddy auf dem Rachepfad gespielt hat. Oder jüngst in dem letzten Frankfurter «Tatort» mit Joachim Król, für den er als trauernder Vater Geiseln nimmt, um mit ihnen eine Art moralisches russisches Roulette zu spielen. Brutal, der Mann. Anrührend, der Mann.

Arbeiterkind und Filmstar

Sogar fettleibigen Provinzpolitikern ringt er zarte Facetten ab. So wie gerade erst im März in Hartmut Schoens ARD-Gesellschaftsstück «Unverschämtes Glück», in dem Rohde einen Kommunalpolitiker mit Herzinfarktrisiko und Treuedefizit gegeben hat, der dem Parteijob den Rücken kehren will, nachdem er alles vermasselt hat. Darf man mit so einem sympathisieren? Klar.

Ostern hat Rohde seinen 60. Geburtstag gefeiert; man sieht ihm sein Alter nicht an. Inzwischen hat das Arbeiterkind aus Gladbeck, Vater Bergarbeiter, Mutter Krankenschwester, fast eine darstellerische Statur wie Götz George erreicht. Er betritt – hoppla, hier komm ich! – den Raum und füllt ihn dann aus. Breitbeinig, risikobereit, feinnervig. Ein Sensibelchen im ewigen Kampfmodus.

Apropos Götz George: In dem NS-Melodram «Jud Süss - Film ohne Gewissen» spielte er 2010 dessen umstrittenen Vater Heinrich. Der Auftritt war keine zwei Minuten lang, aber doch eindrücklicher als die Verkörperung von George Senior durch George Junior im ARD-Dokudrama vor zwei Jahren. Noch so eine paradox aufgeladene Rohde-Performance: Opportunismus, Künstlerhybris, Weltumarmungslust – Rohde liess in seiner kurzen, kompakten und saukomischen Darstellung des barocken Volksschauspielers und NS-Mitläufers unterschiedlichste Charakterzüge aufblitzen.

Der spät Erblühte hat eben seit einem Auftritt in Söhnke Wortmanns «Der bewegte Mann» 1994 gelernt, wie man in kleinsten Rollen maximale Aufmerksamkeit generiert («Ist da etwa Lauch in der Suppe?»). Rohde spielte damals eine Mischung aus Schlachter, Spiesser und Lederschwulen. Eine Zeitlang hatte man ein bisschen Angst, er würde sich nie aus dem Käfig des komischen Kleindarstellers befreien können.

Dass es anders gekommen ist, ist auch Lars Beckers Krimi-Reihe «Nachtschicht» zu verdanken, in der er seit 2003 den Ermittler Erich Bo Erichsen vom Kriminaldauerdienst gibt. Die Reihe pendelt zwischen Grossstadtpanorama, Milieu-Groteske und nachtschwarzem Hardboiled-Thriller, genau die richtige Tonlagenmischung, um Rohde zu Höchstform auflaufen zu lassen. Gut und böse sind hier nicht so übersichtlich getrennt; wo Rohdes Cop steht, blieb anfangs unklar. Schon weil er aussieht wie ein Lude.

Ende April läuft eine weitere Episode – programmatischer Titel: «Wir sind alle keine Engel» –, in der er mit offenem Hemd, Schmalzmatte und getönter Brille den Cop gibt und Verdächtige aufs Zwei-Klassen-System der Verhörzellen hinweist: Die einen haben W-Lan und Cola-Automaten, die anderen nichts davon, hehe. Dann umarmt er die armen Würstchen mit seinen Pranken, und man weiss wieder mal nicht so recht, ob er sie streicheln oder strangulieren will. Sexy beast.

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