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Selfie mit dem argenitischen Horror-Starlet Luz Cipriota.
Selfie mit dem argenitischen Horror-Starlet Luz Cipriota.
bild: annette scharnberg
Mein Cannes-Tagebuch (4)

Cannes ist voll der Horror, aber genau das ist manchmal enorm wohltuend

17.05.2014, 17:1523.06.2014, 09:55

Die Lady neben mir heisst Luz, ist 28 und seit November mit einem Filmkomponisten verheiratet, Model und irgendwie auch Schauspielerin und sie freut sich über alle, die sie im Kinofoyer fotografieren wollen. Luz Cipriota aus Argentinien spielt in «Still Life» eine Investigativ-Journalistin, die gegen Veganer vorgeht, denn diese sind dermassen militant, dass sie ihre Hunde mit Menschenfleisch füttern. Dabei machen die argentinischen Rinderzüchter im Film doch einen enorm guten Eindruck, so ungefähr stellt man sich Dieter Meier bei seinem Vieh vor.

Leider haben wir die liebe Luz nach einer Stunde schon wieder verlassen, denn für die Mitternachtsvorstellung der Sonderreihe «Blood Window», in der genau das gezeigt wird, was drauf steht, also ein Kinofenster zum Blutigen, war das einfach viel zu langweilig.

Ich glaube ja fest an die kathartische Kraft des Horrorfilms, ich schlafe danach gut, ein spritziger Horrorfilm ist für die gestresste Seele, was eine Thai-Massage für den wehen Rücken: In der Konzentration auf den Schmerz der anderen und im Schock darüber, lösen sich die eigenen Verkrampfungen ungemein effizient. Ein schöner Slasher ist ein gutes Ruhekissen, aber leider nicht «Still Life».

Für Luz freut es mich trotzdem: Denn lieber in einem schlechten C-Horrorfilm als in einem A-Porno mitspielen, wie meine geschätzte Kollegin vom Schweizer Fernsehen um 1 Uhr früh sagte.

so sieht die liebe Luz im Film aus...
bild: simone meier
...und so als Model
screenshot: simone meier

Überhaupt: Cannes ist voll der Horror, pardon, voller Horror! Der Marché du film quillt über mit den Schlachthäusern der Fantasie, und auch in der Abteilung «Semaine de la critique» gibt es gute Teenie-Quäl-Filme, einen davon hab ich grad gesehen, nämlich den Amerikaner «It Follows», und ich muss sagen, da war ich jetzt schön froh, dass sich die Darsteller vor dem Film schnell vor die Leinwand stellten. Es geht ihnen gut. Im Film natürlich nicht.

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Es ist da mal wieder so, dass die ausbrechende Sexualtätigkeit von jungen Menschen sicher nichts Gutes bedeuten kann, wir kennen das ja seit Anbeginn des Horrorfilms, und siehe da, der Horror ist gar eine sexuell übertragbare Krankheit. Wer nämlich mit einem befallenen Partner Sex hat, wird so lange von zombieartigen Monstern, die nur er oder sie sehen kann, verfolgt, biss er die Krankheit in einem neuen Geschlechtsakt weitergibt. Das klingt jetzt krude, ist aber ganz anders gefilmt, nämlich mit einem grossen Flair für die neurotische Zerbrechlichkeit der pubertären Tage. Sogar die Dialoge stimmen und die Kamera hat eine geradezu fabelhafte Arbeit verrichtet in irgendeiner fahlen amerikanischen Kleinstadt.

Auch dieser Film soll irgendwie der Horror werden. Ich freu mich drauf.
Auch dieser Film soll irgendwie der Horror werden. Ich freu mich drauf.
bild: wild bunch

In der amerikanischen Grosstadt, also New York, haben dagegen Jessica Chastain und James McAvoy riesige Beziehungs- und Lebensprobleme, und das wundert mich gar nicht, die beiden spielen in «The Disappearance of Eleanor Rigby» zwei Erwachsene, die sich beim kleinsten Problem zu den Eltern flüchten, eine zunehmende gesellschaftliche Tendenz, der ich rein gar nichts abgewinnen kann. Aber ich hab der Chastain zugesehen und gedacht: Wow, es gibt schon wahnsinnig schöne Frauen. Aber sie würden definitiv am schnellsten was fürs Überleben lernen, wenn man ihnen ein paar Zombies auf den Hals schickte.

Apropos New York: «Welcome to New York» mit Gérard Depardieu, ein Film, der mit dem Festival direkt nichts zu tun hat, aber dafür mit dem Leben des Dominique Strauss-Kahn, soll ja nur entstanden sein, weil Depardieu mal wieder mit ein paar nackten Frauen was drehen wollte. Angeblich. Und Depardieu wirke dabei wie ein «Rhinozeros bei einem dreifachen Orgasmus», sagen Menschen, die schon eine Ahnung haben von dem Film. Das will ich selbstverständlich sehen. Im Gegensatz zum Schweizer Fernsehen habe ich allerdings keine Karten dafür bekommen, aber immerhin einen Schlangensteh-Geheimtipp. On va voir.

So sah unsere Festival-Russin übrigens 2013 aus in Cannes.
So sah unsere Festival-Russin übrigens 2013 aus in Cannes.
Bild: EPA
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