Gesellschaft & Politik
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Zusammenbruch JugoslawienZusammenbruch Jugoslawien

Grenzverschiebungen auf dem Balkan 1989-2008 Bild: „Breakup of Yugoslavia“ Made by Hoshie/wikimedia

Jugoslawien-Konflikt

Der Anfang vom Ende: Vor 25 Jahren zerbricht die Kommunistische Partei Jugoslawiens – eine Serie von blutigen Kriegen mit über 100'000 Opfern nimmt ihren Lauf

Vor einem Vierteljahrhundert ging die Kommunistische Partei Jugoslawiens unter. Es folgten blutige Bürgerkriege und das Ende des Vielvölkerstaates. Heute ist eine verstärkte Nostalgie zu bestaunen.



Dass es dazu überhaupt kommen konnte, wird von der Mehrheit der jugoslawischen Völker auch heute den Serben als der grössten Nation zugeschrieben. Seit 1987 war der spätere Kriegsherr Slobodan Milosevic als Parteichef der alles bestimmende Politiker Serbiens.

Yugoslav president Slobodan Milosevic waves to his supporters, at the election campaign rally in Kusjak, Tuesday, Sept. 12, 2000. President Slobodan Milosevic chose a barren plateau by the Danube River to launch his re-election campaign, Tuesday, lauding the resilient spirit of the Yugoslav people and accusing the West of blocking the nation's recovery. (AP Photo/Darko Vojinovic)

Slobodan Milosevic in einer Aufnahme aus dem Jahr 2000. Bild: AP NY

Er liess mit seinem grossserbischen nationalistischen Programm seit 1989 die Autonomen Provinzen Vojvodina und Kosovo mit Ungarn und Albanern gewaltsam gleichschalten. Dann folgte die Republik Montenegro.

Neue strategische Ziele für Milosevic waren Kroatien und Bosnien, wo grosse serbische Minderheiten lebten. Nur in Slowenien gab es keinen Ansatzpunkt, weil die Republik praktisch ohne Minderheiten war.

Am 1. Dezember planten die Serben trotzdem einen Massenauflauf in Ljubljana, um die widerspenstigen ungeliebten Brüder in die Knie zu zwingen. Nachdem Slowenien die Demonstration verboten hatte, wurden die zwei Millionen Slowenen mit einer Wirtschaftsblockade belegt.

Karte Jugoslawien

Ethnien und Religionszugehörigkeiten im Vielvölkerstaat Jugoslawien 1991. wikimedia

Schicksalshafter Parteikongress

In dieser aufgeheizten Atmosphäre begann am 20. Januar 1990 der 14. Parteikongress, auf dem sich zwei unvereinbare Staatskonzepte gegenüberstanden: Die Serben strebten nach einer Zentralisierung und damit nach ihrer Vormachtstellung.

Slowenen und Kroaten traten für eine weitere Dezentralisierung bis zur Autonomie oder sogar Unabhängigkeit ein. Die in Belgrad unterlegenen Delegierten aus beiden Republiken verliessen den Kongress und sprengten damit die gesamte Partei. Es folgte auch die staatliche Trennung – allerdings blutig.

Jugoslawien zerfiel in sieben unabhängige Staaten. Doch weil sie zu den Ärmsten der Armen in Europa zählen, greift seit Jahren eine Jugo-Nostalgie um sich: Das Gefühl,

 «wir können als Ministaaten nichts ausrichten»,

denn die Einwohnerzahlen liegen zwischen 620'000 Menschen in Montenegro und sieben Millionen in Serbien.

Chronologie des Konflikts

Vergangenheit nicht bewältigt

Das untergegangene Jugoslawien besass über 23 Millionen Bürger. In gut besuchten historischen Ausstellungen werden darüber hinaus die Jahrzehnte zwischen 1960 und Mitte der 80er Jahre als «goldenes Zeitalter» vermittelt.

Ein möglicherweise entscheidender Grund für die fehlende Prosperität ist die ausgeblendete kriegerische Vergangenheit. Nirgendwo gibt es eine nennenswerte Lustration, also den Ausschluss von Personen aus öffentlichen Ämtern, die in den 90er Jahren in Nationalismus und Kriegsverbrechen verstrickt waren.

Former Bosnian Serb leader Radovan Karadzic addresses the court of the International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia in The Hague Netherlands in this image taken from TV, Wednesday Oct. 1, 2014. Karadzic insisted Wednesday that United Nations prosecutors do not have

Der ehemalige Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadciz, vor dem UNO-Kriegsverbrecher-Tribunal in Den Haag (2014). Bild: AP/ICTY via Associated Press Television

Einige der ganz grossen Vordenker und Drahtzieher aller Verbrechen sind vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag verurteilt worden. Die grosse Masse der Befehlsempfänger, der Befehlsausführer und manchmal Massenmörder hat aber bis heute nichts zu befürchten.

Kriegsverbrechen aufarbeiten

Im Jahr 2011 schlossen sich Hunderte privater Organisationen (NGO) in allen Nachfolgestaaten unter dem Namen REKOM zusammen, um eine Million Unterschriften zu sammeln.

Damit sollten alle Regierungen gedrängt werden, Regionale Kommissionen (eben REKOM) zu bilden, um das Schicksal der Opfer, der immer noch Vermissten und Vertriebenen sowie die vielen Kriegsverbrechen wissenschaftlich, aber ohne Schuldzuweisung aufzuschreiben.

Nur die Hälfte der Unterschriften kam zusammen. In vielen Staaten wie zum Beispiel in Serbien, Bosnien und Montenegro sitzen daher die alten nationalistischen Spitzenpolitiker immer noch an den Schaltstellen der Macht – heute als Demokraten und glühende Europäer. (wst/sda/dpa)

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • AJACIED 10.02.2015 21:43
    Highlight Highlight Jaja da sind wieder die Leute di in das gleiche Horn blasen.
    Es ist immer leichter mit dem Finger auf Serbien zu zeigen. Denkt mal nach zum Streit gehören immer zwei.
    Aber ok Mann hört das was mann will. Die Leute werden mit gewissen Nachrichten dazu gebracht das zu glauben was mann dort hört.
  • Illyrer 16.01.2015 22:18
    Highlight Highlight Über 800'000 Albaner vertrieben, blutiger Krieg, über 10'000 albanische Todesopfer. Man wollte einen gewaltfreien Widerstand leisten. Dies ging aber leider nicht und so musste die Nato zurecht intervenieren und Serbien bombardieren. Ibrahim Rugova, früherer Präsident von Kosovo, galt als Symbolfigur des gewaltfreien Widerstandes.
  • Mr. Kr 16.01.2015 20:35
    Highlight Highlight Villeicht verstehen dann auch die Schweizer was die unterschiede bei uns sind..
  • Brandroid 16.01.2015 19:49
    • goschi 16.01.2015 22:28
      Highlight Highlight Ach bitte, infopartisan ist ein derart billiges, abstruses und zusammengedichtetes Sammelsurium von Verschwörungstheorien, dass man sich schon alleine dadurch disqualifiziert, dass man einen Link darauf postet.

      Man kann natürlich bis auf alle Ewigkeit die Schuld auf andere schieben, statt die eigene Verantwortung wahrzunehmen, es löst nur keinerlei probleme sondern verhindert im Gegenteil sogar jegliche Aufarbeitung der Geschehnisse.

      Ganz Ex-Jugoslavien sollte sich endlich aus der dauernden Opfer-Rolle herauslösen und objektiv auf die Vergangenheit blicken.
    • Jay_Jay 17.01.2015 00:54
      Highlight Highlight @goschi: du sprichst mir aus der Seele! Mag's nicht mehr hören! Es waren immer die anderen.... Bla bla bla und auch wenn sie versuchten Jugoslawien zu zerstören, den KRIEG haben eben nicht sie angefangen! Wir alle wissen wer ihn angefangen hat und WARUM er angefangen wurde...
    • AJACIED 15.02.2015 17:10
      Highlight Highlight Blabla Jayjay. Herr Marionette

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