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Geisel Philippinen

Zwei Jahre war der Schweizer Vogelbeobachter in den Händen der muslimischen Rebellengruppe Abu Sayyaf. Bild: Reuters

Bewacher entwaffnet und mit Machete getötet

Schweizer entkommt der muslimischen Terrorgruppe Abu Sayyaf und tötet dabei einen seiner Bewacher 

Nach fast drei Jahren Geiselhaft auf den Philippinen ist einem Schweizer Vogelkundler am Samstag die Flucht aus den Fängen der muslimischen Terrorgruppe Abu Sayyaf gelungen. 



Bei der Flucht hat der von der Rebellenbewegung Abu Sayyaf im Süden der Philippinen entführte Schweizer einen seiner Wächter mit der Machete getötet. Dies erklärte Allan Arrojado, Kommandant des Spezialkommandos der Armee in der Provinz Sulu, laut der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Schweizer Staatsbürger befand sich seit dem 1. Februar 2012 in der Hand philippinischer Geiselnehmer. Am Samstag entkam er während eines Gefechtes mit der philippinischen Armee.

Lorenzo Vinciguerra, a Swiss wildlife photographer who was kidnapped by Islamist rebels more than two years ago, talks a military officer while being treated at Camp Bautista Station Hospital in the municipality of Jolo, province of Sulu, southern Philippines in this December 6, 2014 handout photo provided by Armed Forces of the Philippines. Vinciguerra escaped from Islamist rebels in the Philippines on Saturday, killing one of them with a machete as he made a break for freedom during a clash between the insurgents and government troops, a Philippine officer said.
REUTERS/Armed Forces of the Philippines/Handout via Reuters (PHILIPPINES - Tags: SOCIETY MILITARY RELIGION CIVIL UNREST) ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS. NO SALES. NO ARCHIVES

Lorenzo V. liegt nach seiner Flucht im Spital. Bild: keystone

Zum Kampf sei es gekommen, als die Schweizer Geisel die Machete seines Bewachers habe entwenden können, schrieb der Offizier in Sulu in einem SMS an Journalisten. Bei dem Handgemenge habe er seinem Bewacher die Machete in den Hals geschlagen. Als er schliesslich fliehen konnte, hätten die «Banditen» auf ihn geschossen, ihn aber nicht getroffen.

Er habe dem mit ihm entführten Niederländer zugerufen, ebenfalls die Flucht zu ergreifen. Dieser sei aber «sehr krank und sehr schwach» und deshalb nicht in der Lage gewesen, zu fliehen, schrieb Reuters weiter.

Die Fluchtmöglichkeit ergab sich durch eine Offensive des Militärs im Hinterland des Ortes Talipao auf der Insel Jolo im Süden des Landes. Im Schusswechsel seien fünf Rebellen getötet und sieben verletzt worden, berichtete ein Militärsprecher am Samstag.

«Den Umständen entsprechend gut»

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat am Samstag Angaben einer philippinischen Militärsprecherin bestätigt.

Der Gesundheitszustand des Schweizers sei «den Umständen entsprechend gut», teilte das EDA auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA mit. Er befinde sich gegenwärtig in der Obhut der philippinischen Streitkräfte an einem sicheren Ort auf den Philippinen und werde so rasch wie möglich in die Schweiz zurückkehren. «Das EDA hat die Neuigkeit von der Befreiung des Schweizers mit grosser Erleichterung zur Kenntnis genommen» (siehe Box).

Der Mann wurde zunächst in einem Spital in Jolo City versorgt. Die Armee veröffentlichte Fotos des beim Kampf im Gesicht verletzten Schweizers auf einer Liege. Er sah ausgemergelt aus, mit Bart und trug einen Verband um den Kopf.

Sehr erleichtert zeigte sich auch die Frau des Schweizers. «Ich freue mich einfach sehr, dass er wieder zurück kommt», sagte sie am Samstag gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Gemäss EDA ist die Ausreise des Schweizers noch vor den Weihnachtstagen geplant.

Niederländer weiter in Geiselhaft

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) spricht «speziell den philippinischen Streitkräften seinen Dank für ihr Engagement in diesem Fall aus», wie es in einer Mitteilung vom Samstag heisst.
Gleichzeitig wird bedauert, dass sich die niederländische Geisel, die am 1. Februar 2012 zusammen mit dem Schweizer entführt worden war, weiterhin in Geiselhaft befindet. Das EDA habe in der Sache auch mit den niederländischen Behörden zusammengearbeitet.
Unmittelbar nach Bekanntwerden der Entführung war eine interdepartementale Task Force gebildet worden. (sda)

Die beiden Männer waren Anfang Februar 2012 gemeinsam in die abgelegene Provinz Tawi-Tawi gereist, um seltene Vögel zu fotografieren. Dabei wurden sie von Bewaffneten entführt und später den Abu-Sayyaf-Rebellen übergeben.

Die beiden wurden auf der Insel Jolo in der Unruheregion rund 1000 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila festgehalten.

Entführung als Geschäft

In this photo taken Oct. 29, 2014, Salafi cleric Mohammed al-Shalabi, 48, widely known as Abu Sayyaf, talks during an interview with the Associated Press at a furniture store, owned by the head of Abu Sayyaf's clan, in the city of Ma'an, Jordan.  Local authorities quickly stripped away public signs of support for the Islamic State group in this desert town. Black flags have been removed from rooftops. Graffiti proclaiming the extremists’ imminent victory have been whitewashed. But supporters of the Middle East’s most radical extremist group are only laying low. Support for the Islamic State group is this vital U.S. ally, pulling support from Jordanians bitter over poverty and disenfranchisement. “I don't expect 2015 to pass peacefully,” (AP Photo/Nasser Nasser)

Rebellenchef Abu Sayyaf, im Oktober 2014. Bild: AP/KEYSTONE

Die in den 1990er Jahren mit Geld des Al-Kaida-Führers Osama bin Laden gegründete Abu Sayyaf wurde durch die Entführung zahlreicher Ausländer bekannt. Die philippinische Regierung und die USA betrachten die Rebellengruppe, die offiziell für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Süden der Philippinen kämpft, als direkten Ableger des Terrornetzwerkes. 

Erst Mitte Oktober hatten die philippinischen Dschihadisten zwei Deutsche nach sechsmonatiger Geiselhaft freigelassen. Nach Angaben eines Abu-Sayyaf-Sprechers wurde Lösegeld bezahlt. Abu Sayyaf verübte zudem zahlreiche Anschläge – darunter einige der blutigsten in der Landesgeschichte. (sda/afp/dpa/reu)

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