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Ein Video und seine Geschichte

Einer filmt, die anderen schauen weg: Das verstörende Video einer Mutter und ihrer Tochter

Vernachlässigte Kinder, Minderjährige in der Obhut von Alkohol- und Drogenabhängigen: Das gibt es überall. In Philadelphia hat ein Mann dieses Drama gefilmt und damit eine grosse Debatte ausgelöst.



Eine Frau sitzt in einem Bus in Philadelphia. Ihr Kopf fällt immer wieder vornüber, sie dämmert mit halb geschlossenen Augen und halb offenem Mund vor sich hin, ist nicht ansprechbar.

Auf der anderen Seite des Durchgangs im Bus sitzt ein Mädchen mit einer rosaroten Windjacke. Es versucht immer wieder, die Frau aufzuwecken, mit ihr zu sprechen. Sie sagt «Komm schon, Mama», und es wird klar: Die offensichtlich zugedröhnte Frau ist ihre Mutter.

Das Mädchen lehnt ihren Kopf zärtlich an den Kopf ihrer Mutter. Schliesslich hilft sie ihr, die verschiedenen Plastiksäcke, die im Durchgang stehen, zur Seite zu nehmen, damit andere Passagiere durchgehen können.

Verstörendes Video

Das viereinhalb Minuten lange Video ist verstörend. Und es hat bereits eine grosse Karriere hinter sich. Ein Mann namens John Warren habe es auf der Facebook-Seite People of Septa hochgeladen, heisst es auf der Newsseite Philly.com. Die Seite soll die Missstände auf den Linien des Nahverkehrs im Raum von Philadelphia aufzeigen (Southeastern Pennsylvania Transportation Authority). Seit Donnerstag wurde das Video auf YouTube und Facebook über 400'000 Mal geteilt.

In den USA wird jetzt auf Facebook und Twitter darüber gestritten, ob die Frau wirklich einen typischen «heroin nod», den teilnahmslosen Halbschlaf nach einem Heroinschuss, macht, oder ob sie gar einen epileptischen Anfall erlitt. Die Frau sei inzwischen von der Polizei identifiziert worden, hiess es.

Niemand interessiert's

Sicher ist: Das Video ist eine einzige Tortur – nicht nur zum Ansehen, sondern auch der Tatsache wegen, dass keine einzige Person im Bus auf das Elend der Frau und des Mädchens reagierte. 

Hand aufs Herz: Hätten Sie der Frau und dem Mädchen geholfen?

«Das ist eine schreckliche Situation», sagte Septa-Polizeichef Tom Nestel gegenüber der Newsseite Philly.com und fügte sarkastisch an, er könne sich nicht vorstellen, warum 15 Notrufe an die Polizei nicht angekommen seien. «Es darf nicht sein, dass die Leute einer solchen Tragödie einfach den Rücken kehren», sagte Nestel.

Ausreden des Filmers

Neben den Passagieren hatte sich nämlich auch der Filmer aus dem Staub gemacht. Vom «Philadelphia Magazine» wurde er ausfindig gemacht, und er verteidigte sich mit ziemlich schwachen Argumenten: «Gerade als ich die Situation dem Fahrer melden wollte, packte die Tochter ihre Mutter und verliess den Bus.» Er sei zudem im Sitz hinter der Tochter eingeklemmt gewesen und habe nichts machen können, verteidigte sich der Mann.

Die Polizei und die Kinderschutzgruppe von Philadelphia reagierten umgehend, als sie auf das Video aufmerksam gemacht wurden. Die Polizei konnte die Frau und das Mädchen ausfindig machen. Der Vorfall werde nun untersucht.

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