Ungleichbehandlung der Morettis, Frauen spenden Haare: Das gibt es Neues zu Crans-Montana
Vor Gericht werden Jacques und Jessica Moretti unterschiedlich behandelt: Während er in Untersuchungshaft musste, bleibt sie auf freiem Fuss. Parallel sorgt ein aktueller Trend in den sozialen Medien dafür, dass junge Frauen ihre Haare für die Brandopfer von Crans-Montana spenden. Zudem zeigt sich, dass das Ausbildungsniveau der Brandschutzinspektoren je nach Kanton stark variiert. Eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:
Darum werden die Morettis ungleich behandelt
Das Barbetreiber-Ehepaar vom «Le Constellation» Jacques und Jessica Moretti wird von der Staatsanwaltschaft unterschiedlich behandelt. Während Jacques Moretti in Untersuchungshaft musste, bleibt Jessica Moretti unter bestimmten Auflagen auf freiem Fuss. Das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) konnte Einsicht in die Strafakten nehmen, um die Gründe für diese Ungleichbehandlung besser zu verstehen.
Daraus geht hervor, dass bei beiden eine Fluchtgefahr besteht. Beim Ehemann stuft die Staatsanwaltschaft diese jedoch als «konkret» ein. Herr Moretti habe die Gewohnheit, seinen Wohnort je nach Lebensumständen regelmässig zu wechseln. Zudem verfüge er – abgesehen von beruflichen Kontakten – über keine persönlichen Beziehungen im Wallis. Weiter schreibt die Staatsanwaltschaft:
Der Beschuldigte weise ein konkretes Risiko auf, aus der Schweiz zu fliehen, um sich dem Verfahren und den zu erwartenden Sanktionen zu entziehen.
Wenn es um Untersuchungshaft geht, hat jedoch das Zwangsmassnahmengericht das letzte Wort. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft ordnete es die Untersuchungshaft von Jacques Moretti für die Dauer von drei Monaten an. Das Gericht präzisierte, dass er aus der Haft entlassen würde, wenn er bestimmte Vorgaben erfülle, etwa die Hinterlegung einer Kaution in Höhe von 200'000 Franken.
Sie ist verwurzelt in der Schweiz
Frau Moretti hat sich besser in der Schweiz integriert als ihr Ehemann. Die Staatsanwaltschaft argumentiert wie folgt:
Daher beantragte die Staatsanwaltschaft für Jessica Moretti keine Untersuchungshaft. Es genüge, bestimmte Auflagen festzulegen. Das Zwangsmassnahmengericht, entschied, dass sich die Geschäftsführerin täglich bei der Polizei melden muss.
Junge Frauen spenden Haare für Brandopfer
In der tragischen Silvesternacht erlitten 116 Personen schwere Brandverletzungen. Bei einigen der Verletzten werden die Haare nicht mehr nachwachsen. Junge Frauen folgen einem Aufruf in den sozialen Medien und spenden ihre Haare, damit daraus Perücken für die Brandopfer hergestellt werden können.
Die Besitzerin eines Coiffeursalons in Lugano, Mara Piazzoli, sagt gegenüber SRF, für sie sei sofort klar gewesen, bei der Aktion mitzumachen. Seither erhalte sie zahlreiche Anrufe in ihrem Salon.
Für Haarspenden gelten jedoch bestimmte Anforderungen. Die Haare sollten naturbelassen oder nur wenig behandelt sein, damit sie möglichst widerstandsfähig bleiben. Zudem müssen sie mindestens 30 Zentimeter lang und möglichst ungestuft sein.
Die Herstellung einer Perücke ist sehr aufwendig und erfordert mehrere Haarspenden. In Kloten (ZH) stellt das Unternehmen Rolph Perücken her. Die Geschäftsführerin erklärt, dass es mehrere Monate dauern kann, bis überhaupt ein Teil einer Perücke gefertigt ist.
Ausbildung der Brandschutz-Inspektoren variiert stark je nach Kanton
Nach dem tödlichen Brand in Crans-Montana will der Kanton Wallis die Ausbildung der Sicherheitsbeauftragten in den Gemeinden verbessern, da deren Kenntnisse der Risiken oft nicht ausreichen.
Je nach Region werden Restaurants und Bars unterschiedlich häufig kontrolliert, berichtet das RTS. Auch die Ausbildung der Inspektoren ist nicht überall gleich, denn das föderalistische System lässt den Kantonen viel Spielraum.
Im Wallis schreibt die kantonale Gesetzgebung keine obligatorische Grundausbildung vor. Die Inspektoren müssen lediglich mindestens einen eintägigen Jahreskurs absolvieren. Im Kanton Freiburg beispielsweise müssen die Brandschutz-Inspektoren eine einwöchige Pflichtausbildung machen, die mit einer Prüfung abgeschlossen wird.
Nach dem Brand in der Bar «Le Constellation» hat der Kanton Wallis erkannt, dass die Ausbildung gestärkt werden muss. Mehrere Gemeinden, darunter Crans-Montana, holen sich inzwischen private Experten zur Unterstützung bei den Kontrollen.
Inspektoren werden gewählt
In anderen Kantonen können die Gemeinden ebenfalls ein spezialisiertes Unternehmen mit den periodischen Kontrollen beauftragen. Komplexe Gebäude oder Betriebe werden in der Regel jedoch von der kantonalen Versicherungsanstalt überprüft, falls eine existiert.
Die Gemeinden tragen bei den Kontrollen weiterhin eine grosse Verantwortung. Das liegt an der kommunalen Autonomie, die in manchen Kantonen stärker ausgeprägt ist als in anderen. In kleinen Gemeinden im Kanton Neuenburg sind einige Inspektoren sogar einfach gewählte Mitglieder der Gemeindegremien.
Schon vor dem Brand am 1. Januar wurden die unterschiedlichen Ausbildungsniveaus der Kantone als problematisch angesehen. Die derzeit laufende Revision der Brandschutzvorschriften soll die Ausbildung schweizweit vereinheitlichen und Mindestanforderungen für die Behörden festlegen.
Zudem soll die Reform die Verantwortlichkeiten in der Brandprävention klarer regeln. Einige Punkte des Projekts, das 2027 in Kraft treten soll, könnten nach den Erkenntnissen der Untersuchung des Brandes von Crans-Montana noch angepasst werden. (fak)
